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„April, April – macht, was er will“: Welche Bauernregeln gelten heute noch?

EXPRESS-Logo EXPRESS 24.04.2019 Sieglinde Neumann
Frosteinbrüche, Dürre: Zu allen Zeiten war es speziell für Bauern wichtig zu wissen, wie das Wetter wird. Im 15./16. Jahrhundert wurde altes Wetterwissen zu Bauernregeln – oft in Reimform. © Getty Images/iStockphoto Frosteinbrüche, Dürre: Zu allen Zeiten war es speziell für Bauern wichtig zu wissen, wie das Wetter wird. Im 15./16. Jahrhundert wurde altes Wetterwissen zu Bauernregeln – oft in Reimform.

An einem Tag ist es eiskalt, zeitweise fällt sogar Schnee und nur wenige Tage später über 20 Grad, Super-Sonne. „April, April – macht, was er will.“ So lautet eine der bekanntesten Bauernregeln.

Auch andere alte Wetterweisheiten treffen bis heute verblüffend oft zu, sagt der Bonner Meteorologe Dr. Karsten Brandt, der die Wetter-Sprüche mit komplizierten Rechenmodellen überprüft hat.

Bauernregeln: Trefferquote ist erstaunlich gut

Vom „Siebenschläfertag“ im Juni bis zur „Schafskälte“ oder dem Abendrot als sprichwörtlichem „Gutwetterbot(en)“ – gerade wenn Naturzeichen für die nächsten Stunden gedeutet werden und bei den ganz langfristigen Prognosen sind die alten Wetter-Regeln auch in Zeiten des Klimawandels noch erstaunlich gut.

„Die Trefferquote liegt bei durchschnittlich 70, teils 90 Prozent“, ermittelte Wetterexperte Brandt. „Trotz der leistungsstärksten Super-Computer und Big Data kriegen heutige Meteorologen noch keine besseren Vorhersagen hin.“

Schaf_Bauernregeln_180419 © Getty Images/iStockphoto Schaf_Bauernregeln_180419

Der Wetterforscher zieht den Hut vor den Kenntnissen der Ur-Urahnen ohne künstliche Intelligenz und Wetter-Satelliten. „Nur für den Zeitraum von 4, 5, 6 Tagen sind die Bauernregeln schlecht.“ In der jahrhundertealten Statistik tauchen für die Saat, die Ernte und das Vieh wichtige Wetterereignisse auf, oft angelehnt an kirchliche Feste.

Bauernregeln waren überlebenswichtig

Das Wissen um wiederkehrende, potenziell gefährliche Wetter-Muster war überlebenswichtig. Plötzlicher Frost oder Dürre führte schlimmstenfalls zu Hungersnöten. Bauern, Hirten und Ordensleute lernten die Zeichen der Natur zu lesen. Die meisten volkstümlichen Reime und Kalendersprüche stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

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Die darin enthaltenen Zusammenhänge – die „Erhaltungswahrscheinlichkeit“ am Siebenschläfertag, dass es über die Eisheiligen im Mai und zur „Schafskälte“ Mitte Juni sehr oft plötzlich noch mal kälter wird – trotzen selbst Erderwärmung und Klimawandel. Doch das Temperatur-Niveau, auf das sich die Regeln beziehen, hat sich bereits verändert.

So gäbe es den Temperatur-Sturz rund um die „Eisheiligen“ und die „Kalte Sophie“ noch immer, trotzdem wären die „klassischen“ Eisheiligen irgendwie schon auch tot, sagt Brandt: „Im Mai gibt es im Rheinland kein nennenswertes Frost-Risiko mehr.“

Im Rheinland wird es wärmer, feuchter, schwüler

Ein Beleg für diesen Wandel ist der Vergleich seiner Daten, die er in den 1990er Jahren für sein erstes Buch „Was ist dran an Bauernregeln?“ sammelte, mit den Werten ab 2010, die er für die aktuelle Neuauflage analysierte. Sie zeigen im Schnitt 1,5 Grad höhere Temperaturen.

„Im Rheinland ist es wärmer, feuchter, schwüler, einzelne Regen- und Sturmereignisse werden stärker.“ Diese messbare Geschwindigkeit des Klimawandels erschrecke ihn.

Der April könnte in Zeiten zunehmender Wetter-Extreme noch launischer werden. Motor der typischen Wetterwechsel ist die Winter-Sommer-Umstellung auf der Nordhalbkugel.

Während die Landmasse durch die Aprilsonne schon aufgeheizt ist, sind Meere und Polargebiete noch eisig. Je nach Richtung der Luftströmung setzt sich dann winterlich-kalte oder sommerlich-warme Luft durch.  

„Abendrot – Gutwetterbot“

Abendrot_Bauernregeln_180419 © picture alliance / dpa Abendrot_Bauernregeln_180419

Stimmt, speziell nach einem Regentag. Abends scheint die Sonne von Westen auf abziehende Wolken, der Himmel „glüht“ – der Weg ist frei für Wetterbesserung.

Ein deutliches Morgenrot ist umgekehrt „Schlechtwetterbot“: die im Osten aufgehende Sonne scheint durch feuchte Luftschichten auf die im Westen aufziehende Bewölkung.

Auf diesem weiten Weg werden die blauen Anteile aus dem Licht herausgefiltert, übrig bleiben rote Strahlen, besonders in feuchter Luft. Kräftiges Rot und hohe, von Westen aufziehende Wolken sind im Winter mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit mit Regen oder Schnee gepaart.

Schafskälte im Juni

Mit „Schafskälte“ ist ein typischer Kälte-Einbruch durch Tiefausläufer Mitte Juni gemeint, wenn wir alle am liebsten schon mitten im Sommer wären. Um diese Zeit wurden früher in Deutschland Schafe geschoren.

Die Kälte gefährdete die haarlosen Tiere, daher der Name. In 9 von 19 Fällen gehen langfristigen Wetterdaten zufolge um den 11. Juni herum die Temperaturen tatsächlich in den Keller.

Die Eisheiligen stören den Wonnemonat Mai

„Ehe nicht Pankratius, Servatius und Bonifatius vorbei, ist nicht sicher vor Kälte der Mai.“

Die drei Eisheiligen stören den Wonnemonat Mai. Dieser Kern der Bauernregel stimmt. Allerdings müssen Rheinländer seltener den Absturz in echte Minusgrade fürchten – offenbar schon eine Folge der Erderwärmung.

Wetterdaten bestätigen, dass es um den 20. Mai auffallend häufig einen Temperatur-Sturz gibt, also eine Woche später. Was die Existenzberechtigung dieser Bauernregel unterstreicht. Im Zuge der gregorianischen Kalenderreform 1582 wurden die Gedenktage nämlich zehn Tage vorverlegt.

Die kalte Sophie

„Sophie man die Kalte nennt, weil sie gern kalt Wetter bringt.“

Die „Kalte Sophie“ ist der 15. Mai, der Tag nach den drei Eisheiligen, und in deren Tiefdruck-Schlepptau wirkt die Dame genauso kalt.

Oft liegt das Datum in der Nähe von Christi Himmelfahrt („Vatertag“), wo Eisheilige und Sophie dann so manchen Ausflug ins Grüne verhageln. 2019 ist „Vatertag“ aber sehr spät, erst am 30. Mai.

Siebenschläfertag

„Das Wetter am Siebenschläfertag, sieben Wochen bleiben mag.“

Auf dieses Datum schauen wir immer besonders gespannt: In der Woche um diesen Tag herum entscheidet sich oft tatsächlich, wie der Sommer tendenziell wird. Fürs Rheinland ermittelte Brandt eine Trefferquote von 70 Prozent. Hintergrund: Ende Juni, Anfang Juli legt sich der Verlauf des sogenannten Jetstreams fest. Dieses Windband bringt entweder ein starkes Azorenhoch – dann bleibt es sonnig – oder atlantische Tiefausläufer mit mehr Kälte und Regen.

Hundstage bringen weißen Winter

„Hundstage heiß – Winter lange weiß.“

Als „Hundstage“ werden die heißen Tage im Sommer bezeichnet, namengebend ist das Sternbild „Großer Hund“. Auch diese Bauernregel bestätigen langfristige Wetterdaten, sofern die Hitze für hohe Monatsmittelwerte sorgt, sagt Experte Brandt: „Dann stehen die Chancen auf viele Frosttage tatsächlich 2:3.“

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