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Dürre in Brandenburg: „Die Wiesen und Weiden sind tot“

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 18.08.2018 berliner-zeitung
Auch die Weidetiere finden im Grünland kaum noch etwas Grünes zu fressen, weil fast alles vertrocknet ist.: Getty images/carsten Koall © Getty images/carsten Koall Getty images/carsten Koall

Wenn der Wind durch die Maisfelder im westbrandenburgischen Havelland streift, knistert es leise, als würde der Oktoberwind trockenes Herbstlaub bewegen. Aber es ist nicht Oktober, und die Maispflanzen, die hier bei Nauen auf dem Feld stehen, sollten eigentlich stramm und sattgrün sein – und nicht an Papyrus erinnern: braun, staubig und vertrocknet. Von diesem Feld wird wohl niemand einen dürren Maiskolben stehlen.

Dirk Peters ist Geschäftsführer der Firma Agro-Farm, die bei Nauen überwiegend Getreide anbaut: Weizen, Gerste, Roggen, Hafer aber auch Mais und Zuckerrüben.

Doch für die diesjährige Ernte hat Peters schlechte Nachrichten, denn die Feldfrüchte sind zu klein und vertrocknet. „Beim Grünfutter haben wir 21 bis 23 Tonnen pro Hektar geerntet. Das sind 50 Prozent weniger als sonst im Jahresdurchschnitt.“

260 Millionen Euro Schaden

Das ist keine Seltenheit im Land Brandenburg, das wie fast ganz Ostdeutschland von der Sommerdürre dieses Jahres besonders hart getroffen wurde. Die Potsdamer Landesregierung hat in dieser Woche die aktuellen Schätzungen der Schäden durch Ernteausfälle an den Bund gemeldet: Nach jetzigem Stand liegt der Schaden bei 260 Millionen Euro.

Manche Experten schätzen, dass es am Ende der Saison ein Gesamtschaden von etwa einer Milliarde Euro sein könnte. Das Land will als erste Aktion fünf Millionen Euro Soforthilfen bereitstellen.

Prall, groß und ausgewachsen sind die Maiskolben dieses Jahr nicht. © getty images Prall, groß und ausgewachsen sind die Maiskolben dieses Jahr nicht.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte bei einem Besuch eines vertrockneten Feldes: „Es tut einem in der Seele weh.“ Seit Wochen fordert er: „Für manche Betriebe geht die Situation an die Existenz. Das können und wollen wir nicht zulassen. Deshalb werden wir den von extremer Trockenheit betroffenen Landwirtschaftsbetrieben helfen.“ Das Land sagt, bei dem riesigen Ausmaß der Schäden müsse der Bund den Ländern helfen.

Die Körner sind klein und trocken

Bei Bauer Peters dienen die Pflanzen eigentlich vor allem als Futtermittel für Nutztiere in der Landwirtschaft, Pferdehöfe werden von hier beliefert und auch der Berliner Zoo und der Tierpark. Der Bundesgrenzschutz kauft Futter für seine Reitpferde. Mais und Zuckerrüben werden auch für die Produktion von Biogas in der eigenen Anlage angebaut und eingesetzt. In einem Blockheizkraftwerk in Strom umgewandelt, landet dieser als Wärmeenergie unter anderen auch in der benachbarten Havellandklinik.

All diese bisherigen Abnehmer zu beliefern, wird nun zum echten Problem. „Von 30.000 Hektar Grünland sind bei uns 20.000 Hektar geschädigt“, sagt Peters. „Das heißt, es wird keinen zweiten Schnitt mehr geben.“ Das hat durchaus ernsthafte Folgen: Dieser zweite Schnitt wäre nötig, um die Vorräte für den Winter anzulegen.

Dazu kommt ein weiteres Problem: Die Sonne hat die „tragenden“, also blühenden Gräser, verbrannt. Sie säen sich nicht selber aus, daraus entstehen Folgekosten, entsprechendes Saatgut muss eingekauft und ausgebracht werden. „Die Wiesen und Weiden sind tot. Da steht höchstens noch Huflattich und Brennnessel, sonst nichts“, sagt Peters. Die Maisernte hat bereits begonnen, ebenfalls viel zu früh. Bereits Ende Juni hatte Peters die Wintergerste eingeholt, rund drei Wochen zu früh, die Körner klein und trocken. Für die Ernte auf den Feldern der Wintergerste benötigt er sonst drei bis vier Tage. Diesmal war gerade mal ein Tag nötig.

Nichts mehr zum Verteilen

Peters sagt: „Es ist die schlechteste Ernte aller Zeiten. Und aus dem Vorjahr haben wir keine Reserven.“ Was fehlt ist Regen. Im Vorjahr gab es zu viel, diesmal deutlich zu wenig.

Johannes Funke, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Havelland, kennt Landwirte, die ihre Milchkuhbestände bereits runterfahren. Konkret heißt das, die Bullen werden verkauft. Er befürchtet, die Preise auf dem Markt für Rindfleisch brechen ein. Funke hat ein Netzwerk aufgebaut, eine Futterbörse, per E-Mail-Verteiler hilft sein Verband, wer noch Grünfutter übrig hat, kann sich hier melden. Das Problem: „Es ist nichts mehr da, was man verteilen könnte“, sagt Funke.

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