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Die Waldbrand-Wächter

W&V 07.10.2019 Alessa Kästner

Dieses Start-up erobert das All: OroraTech will 100 kleine Nanosatelliten in den Orbit schicken – diese sollen sich ausbreitende Feuer frühzeitig entdecken und überwachen.

Wälder, die in Flammen stehen: Weltweit werden jährlich 340 Millionen Hektar Vegetationsfläche durch Feuer zerstört © Bild: Pixabay Wälder, die in Flammen stehen: Weltweit werden jährlich 340 Millionen Hektar Vegetationsfläche durch Feuer zerstört

Erst vor wenigen Wochen wüteten verheerende Brände im Amazonasgebiet und zerstörten hunderte Quadratmeter Regenwald. Weltweit gehen jährlich 340 Millionen Hektar Vegetationsfläche in Flammen auf, die Feuer fordern jedes Jahr im Schnitt 200 Menschenleben. Zudem werden mehr als zehn Prozent des globalen CO2-Ausstoßes durch Waldbrände verursacht – dies entspricht den jährlichen Gesamtemissionen aller 28 europäischen Staaten. Das Münchner Start-up OroraTech möchte die Gefahren dieser Naturkatastrophen eindämmen. Sie entwickeln Nanosatelliten, die zur Erkennung und dem Monitoring von Waldbränden eingesetzt werden können.

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100 Nanosatelliten im Weltall

Ein Nanosatellit von OroraTech besitzt in etwa die Größe eines Schuhkartons, ist mit speziellen Infrarotkameras ausgestattet und liefert in nahezu Echtzeit alle 30 Minuten ein Bild der Erde im thermalen Infrarotbereich. Die Technologie dahinter wurde an der Technischen Universität München im Zuge eines Studentenprojektes entwickelt. "Unser Ziel ist es, eine Konstellation von ca. 100 Satelliten ins Weltall zu schießen. Diese befinden sich im Low-Earth-Orbit, circa 600 bis 750 Kilometer von der Erde entfernt", erklärt Sonja Mayer, Head of Business Development bei OroraTech. Das Jungunternehmen besteht aus den vier Gründern Thomas Grübler, Björn Stoffers, Florian Mauracher und Rupert Amann und beschäftigt mittlerweile 17 Mitarbeiter – alles richtige "Space-Enthusiasten", wie Sonja Mayer sagt.

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Überwachung von Dritte-Welt-Ländern

Der erste Prototyp soll Anfang 2020 ins All starten: "Parallel dazu entwickeln wir das Interface für das Wildfire-System, das die Daten aufbereitet. Mit unserer Technologie können dann zum Beispiel Einsatzkräfte der Feuerwehr sehen, wohin sich ein Feuer genau ausbreitet." Momentan schweben vor allem sogenannte geo-stationäre Satelliten durch den Orbit. "Diese sind jedoch viel weiter entfernt und bewegen sich nicht um die Erde herum, sondern stehen über einem bestimmten Punkt", sagt Mayer. Diese – sehr großen und sehr teuren – Satelliten seien dabei vor allem auf die entwickelten Länder ausgerichtet. Gerade Länder in Afrika, wo es sehr viel brennt, würden noch vernachlässigt – das Problem könnten die vielen, kleinen Nanosatelliten von Orora Tech lösen. Und dass nicht nur kosteneffizienter, sondern sogar auch ohne Weltraumschrott zu verursachen. Denn nach circa 20 Jahren macht es einfach "Puff" und der ein Nanosatellit verglüht ganz von allein.

Prototyp eines Nano-Satelliten © Bild: Orora Tech Prototyp eines Nano-Satelliten

"Die AI trennt im All wichtig von unwichtig"

Natürlich können vor allem B2G-Kunden, also zum Beispiel Krisenzentren oder staatliche Waldbrandbehörden, sowie Data Analytics Unternehmen von der Technologie profitieren. Aber die Daten aus dem Weltall sind auch für Rückversicherungen interessant, die anhand des Waldbrandgefahren-Index ihre Policen aufsetzen. "Wir nutzen zur Daten-Generierung eine sogenannte On-Orbit-AI, das heißt, unsere Daten werden mithilfe von künstlicher Intelligenz direkt auf dem Satelliten ausgewertet", erklärt Mayer. "Das hat den Vorteil, dass man keine riesigen Datenmengen wieder zur Erde senden muss. Die AI trennt im All schon wichtig von unwichtig."

Das vierköpfige Gründer-Team © Bild: Orora Tech Das vierköpfige Gründer-Team

Das Team von OroraTech wird auch auf der Start-up Konferenz Bits&Pretzels 2019 vertreten sein und ihre innovative Idee präsentieren – aktuell haben sie es schon in die Semifinals der Pitch-Runde geschafft. "Wir freuen uns in erster Linie auf den Austausch mit und Input von anderen Space-Begeisterten", sagt Mayer. "Den Pretzel Award zu gewinnen wäre aber natürlich der Hammer."

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