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Droht dem Golfstrom Gefahr - und uns mehr Kälte?

KURIER-Logo KURIER 25.01.2017 Ernst Mauritz, Katrin Solomon

Lange Kaltphasen sind kein Widerspruch zum Treibhauseffekt. Welche Rolle Golfstrom und Jetstream spielen.

"Wo bleibt eigentlich die Erderwärmung?" Das fragen sich derzeit viele: Dauerfrost und Treibhauseffekt – wie passt das zusammen? "Das ist kein Widerspruch", sagt Marlene Kretschmer vom deutschen Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zum KURIER: "Die globale Erwärmung kann die Dynamik des Klimasystems durcheinanderbringen."

Der Klimawandel bringt auch Vereisungen, wie hier in Salzburg © APA/BARBARA GINDL Der Klimawandel bringt auch Vereisungen, wie hier in Salzburg

So gebe es immer mehr Hinweise darauf, dass das Schmelzen des arktischen Meereises den Polarwirbel – ein Windband über dem Nordpol – abschwächt. Das wiederum dürfte den Jetstream schwächen: Dieses nördliche Windband hält normalerweise die kalte Polarluft in nördlichen Breitengraden fest. "Doch ist der Jetstream schwach, kann kalten Polarluft auch in niedrigere Breiten – also etwa auch nach Süddeutschland und Österreich wandern."

Auch Kältewellen wie die derzeitige könnten mit so einem schwachen Jetstream zusammenhängen, sagt Kretschmer. Wo es in der Arktis kein Eis mehr gibt, kann die Erde im Winter mehr Wärme abstrahlen: "Unsere Hypothese ist, dass dadurch die Windsysteme beeinflusst werden können."

Dieses Phänomen könnte letztlich zu deutlich kälteren Wintern führen. Man könne es in Zentralasien bereits beobachten.

"Veränderte Eisverhältnisse im Polargebiet verändern auch Temperaturen und Luftdruck", sagt auch die österreichische Meteorologin Univ.-Prof. Helga Kromp-Kolb: "Und das wiederum kann den Jetstream schwächen. Die Folge ist, dass er stärker nach Norden und Süden mäandert", also richtiggehende Schlingen bildet. So kann die Kaltluft von Norden nach Süden gelangen: "Und es könnte möglicherweise auch zu längeren kalten Phasen kommen."

Neu diskutiert wird derzeit aber auch "die unterschätzte Gefahr eines Versiegens des Golfstromsystems", wie es der deutsche Klimaforscher Stefan Rahmstorf bezeichnet. Dabei geht es nicht allein um die alte Debatte, dass das Schmelzen des Grönlandeises den Salzgehalt im Atlantik reduziert – mit Süßwasser verdünntes Meerwasser sinkt aber nicht mehr so leicht in die Tiefe hinunter. Und dieses Absinken im nördlichen Atlantik ist es, was den Golfstrom letztlich antreibt.

Süßwasserstau?

Bisher gingen die meisten Modelle davon aus, dass durch den Golfstrom Süßwasser in die gesamte Strömung importiert wird. Wird die Strömung schwächer, wird weniger Süßwasser importiert – das System würde stabil bleiben. Doch "die Beobachtungsdaten deuten an, dass die Umwälzzirkulation derzeit netto Süßwasser AUS dem Atlantik exportiert", so Johann Jungclaus vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg zum KURIER. Bei einer Abschwächung der Zirkulation könnte sich also Süßwasser im Atlantik ansammeln – was den Golfstrom noch mehr ins Stottern bringen würde.

Hinzu komme die Schmelze des Grönlandeises, die den Effekt weiter verstärken könnte, schreibt vom Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut in seinem Klima-Blog auf spektrum.de. Forscher um Wei Liu von der renommierten Scripps Institution of Oceanography in San Diego haben berechnet, was bei einer Verdopplung des Kohlendioxidgehaltes mit dem Golfstrom passieren könnte – vorausgesetzt, die Theorie, dass es zum Süßwasserstau kommt, stimmt: In diesem Fall würde der Golfstrom innerhalb von 100 Jahren 30 Prozent seiner Kraft verlieren, nach 300 Jahren komplett zusammenbrechen.

Das hieße trotzdem nicht, dass der Roland-Emmerich-Katastrophenfilm "The Day After Tomorrow" Realität wird. Deutlich kältere Winter könnten dann aber Realität werden. Trotz des Treibhauseffekts.

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