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Falsche Prognosen: Die große Unsicherheit mit dem (Un-)Wetter

EXPRESS-Logo EXPRESS 09.06.2017 Frank Sawatzki
20160603gewitter-1442 © Matthias Heinekamp 20160603gewitter-1442

Gewitter, Starkregen, Sturmböen – die Warnungen der Meteorologen verhageln uns oft die Freizeitplanung. Allzu oft stimmen die Prognosen gar nicht, die Experten haben mal wieder daneben gelegen. Wenn ein Unwetter angesagt war, strahlt bei uns vor der Haustür die Sonne.

EXPRESS fragte zwei erfahrene Experten, warum die Vorhersagen häufig (und zumindest gefühlt: immer öfter) nicht zutreffen – und klärt die wichtigsten Fragen.

• Metereologen arbeiten mit modernster Technik. Warum tun Sie sich dennoch so schwer mit den Vorhersagen?

Es ist eine ständige Unsicherheit mit dem (Un-)Wetter. „Gerade Gewitter und Starkregen sind punktuell sehr schwer vorherzusagen“, erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung. „Wenn ich heute sage, wir müssen morgen im Raum Köln mit Gewittern rechnen, ist das eine ungenaue Angabe. Die Leute hören das aber und denken: Morgen gibt’s Gewitter, auch bei mir. Das ist nur eine Warnung, dass die Luft dafür vorbereitet ist, dass es morgen ein Unwetter geben kann.“

Auch Magdalena Bertelmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) betont: „Gewitterwolken haben eine Ausdehnung von ein paar hundert Metern bis zu ein paar Kilometern, also sehr kleinräumige Phänomene. Unsere Computermodelle berechnen die Vorhersagen mit einer bestimmten Auflösung, und die ist größer als die Ausdehnung von Gewittern. Das Gewitter fällt praktisch durch das Raster.“

• Können wir uns überhaupt nicht mehr auf die Wetterprognosen verlassen?

„Meteorologen können gut das Potenzial abschätzen, ob ein Wetterphänomen wahrscheinlich ist, und grob das Gebiet abstecken, wo es dann mit der höchsten Wahrscheinlichkeit auftritt. Aber wenn man Wasser kocht, kann man nicht vorhersagen, wo genau die erste Blase hochsteigt“, erklärt Bertelmann.

• Was ändern die Digitalisierung und die beliebten Wetter-Apps?

Die Handy-Programme wiegen uns in Sicherheit. „Sie spielen uns eine Genauigkeit vor, die sie gar nicht ermitteln können“, gibt Jung zu. „Wenn ich in Köln am Dom die App nutze, spielt sie mir vielleicht Infos von der Wetterstation am Flughafen Köln-Bonn zu.“

• Warum wird so oft gewarnt?

„Wir möchten lieber zu viel als zu wenig warnen“, so Bertelmann. „Wenn etwas passiert und wir hätten nicht gewarnt, wäre der Aufschrei groß.“

• Ab welchem Punkt ist eine Vorhersage sicher?

24 Stunden vorher sind viele detaillierte Prognosen sehr gut möglich. „Sie treffen mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit zu.“

• Warum unterscheiden sich Wettervorhersagen bei verschiedenen Diensten?

Es gibt 6000 Wetter-Stationen in Deutschland. „Wir haben verschiedene Wettermodelle und jedes ist ein bisschen anders programmiert“, so Bertelmann. „Unser Programm »Cosmo-DE« macht eine Vorhersage für Punkte, die 2,8 Kilometer voneinander im Gitternetz entfernt sind. Es ermittelt für jeden Punkt die wichtigsten Parameter - Temperatur, Feuchtigkeit, Luftdruck.“

• Macht der Klimawandel Vorhersagen schwerer?

Eher nicht. „Die Wettervorhersage hat sich stark verbessert. Teilweise ist die Fünftages-Prognose wie früher die Eintages-Prognose war“, so Jung.

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