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Forscher sagen für 2018 große Zahl verheerender Erdbeben voraus

DIE WELT-Logo DIE WELT 23.11.2017

Die Zahl schwerer Erdbeben wird im kommenden Jahr zunehmen - das prognostizieren Wissenschaftler. Schuld daran sei die Erdrotation. Sie sehen vor allem für eine Region eine große Gefahr.

Forscher rechnen für 2018 mit einem verheerenden Erdbebenjahr. Sie warnen, dass die Zahl schwerer Erdstöße stark zunehmen könnte. Grund sei die Verlangsamung der Erdrotation. Diese könnte, so warnen sie, zu stärkerer seismischer Aktivität führen. Auch wenn die Geschwindigkeitsänderung minimal ist - es geht um etwa eine Millisekunde mehr oder weniger am Tag - könnte sie womöglich riesige Mengen an unterirdischer Energie freisetzen. Noch ist das nur eine Vermutung, doch die Wissenschaftler können sie mit eigenen Zahlen untermauern.

Sie befürchten, dass die Erde im Jahr 2018 mehr als 20 starke Erdbeben erleben könnte. Zum Vergleich - in diesem Jahr gab es davon nur sechs. "Die Korrelation zwischen Erdrotation und Erdbebenaktivität ist stark und legt nahe, dass es einen Anstieg von verheerenden Erdbeben im nächsten Jahr geben wird", sagt der Geologe Roger Bilham von der University of Colorado in Boulder dem "Observer". Mit seiner Kollegin Rebecca Bendick von der University of Montana in Missoula stellte er eine Verbindung von Erdrotation und Erdbeben fest.

DWO_WS_Erdbeben_2018 © Infografik Die Welt/ZGB grafik DWO_WS_Erdbeben_2018

Die beiden Geologen entdeckten Erstaunliches: Sie untersuchten alle Erdbeben der Stufe 7 und höher seit dem Jahr 1900. Die Forscher fanden fünf Perioden, in denen die Zahl der Beben signifikant höher war. Anstatt im Schnitt 15 gab es in diesen Zeiten 25 bis 30 Erdbeben pro Jahr. Die Geologen fragten sich, warum.

"Die Erde warnt uns vor"

Sie suchten nach Verbindungen und entdeckten, dass immer, wenn die Erdrotation auch nur leicht abnahm, Zeiten mit einer großen Anzahl schwerer Erdbeben folgten. Dabei reichte schon eine minimale Änderung der Geschwindigkeit, wie Bilham betont. Die zwei Forscher fanden heraus, dass diese Perioden der Verlangsamung rund fünf Jahre dauerten und anschließend eine Erdbeben-Flut folgte.

"Es ist ganz einfach, die Erde gibt uns eine fünfjährige Vorwarnung für zukünftige Erdbeben", fasst Bilham zusammen. Die derzeitige Periode der Verlangsamung dauere schon mehr als vier Jahre, deshalb, so sagt er, gehe er davon aus, dass "wir im Jahr 2018 leicht 20 Beben im Jahr haben werden".

Für viele Menschen ist sicher überraschend, wie sensibel die Rotation der Erde ist. Unser Planet dreht sich im All nicht so gleichmäßig wie viele vermuten. Seine Rotation schwankt und wird tatsächlich beeinflusst von vielen Vorgängen direkt auf der Erde.

Einige von ihnen beschleunigen, einige verlangsamen die Rotation. Langfristig wird die Erde zum Beispiel durch die Gezeitenreibung abgebremst, denn wenn sich die Erde unter den beiden Flutbergen (auf der Mondseite und der mondabgewandten Seite) hinwegdreht, wird ihre Geschwindigkeit gedrosselt. Beschleunigt hingegen wird die Rotation durch ein Abschmelzen des Poleises und der dadurch bewirkten Veränderung der Erdform.

Große Massebewegungen auf der Erde wirken sich ebenfalls auf die Rotation aus, also etwa starke Erdbeben. Einen der stärksten Einflüsse auf die Drehbewegung hat die Verlagerung von Hochdruckzonen über dem Erdball, ebenso wird die Rotation beeinflusst von starken Winden, Jetstreams, Ozeanströmungen, selbst durch die Jahreszeiten, sagen Forscher. Im Sommer dreht die Erde schneller, im Winter langsamer. Selbst das im Herbst fallende Laub hat einen Einfluss - allerdings ist dieser, zugegeben, kaum messbar.

Die Einwirkungen auf die Erdrotation sind also vielfältig. Warum genau eine Verlangsamung der Drehung und damit eine Verlängerung des Tages zu mehr Erdbeben führt, können Bilham und Bendick noch nicht erklären. Sie vermuten, dass vielleicht winzige Veränderungen im Erdkern dafür verantwortlich sein könnten. Das ist ein Thema, das noch weiter untersucht werden muss.

"Theoretisch kann man sich vorstellen, dass es einen Zusammenhang zwischen Erdrotation und Erdbeben gibt", sagt Wolfgang Dick vom "Zentralbüro des internationalen Erdrotationsdienstes" (ERIS) der WELT. "Dieser dürfte aber recht kompliziert und von vielen anderen Faktoren überlagert sein." Er würde bei Vorhersagen zu Erdbeben eher vorsichtig sein. "Das ist noch niemanden gelungen", sagt er. Es handele sich um ein chaotisches System, Prophezeiungen seien kaum möglich. Er könne auch nicht eine besondere Verlangsamung in den vergangenen vier Jahren erkennen.

Eine genaue Voraussage, wo die schweren Erdbeben im kommenden Jahr auftreten werden, versuchen Bilham und Bendick nicht. Die beiden Geologen sagen aber, dass die meisten der heftigen Erdbeben, die ihrer Meinung nach mit der Verlangsamung der Rotation in Verbindung stehen, nahe des Äquators auftreten könnten. Das bedeutet, eine solche Naturkatastrophe würde viele Menschen betreffen, denn in den tropischen Regionen leben rund eine Milliarde Menschen.

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