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Gefährliche Blasen auf der Autobahn

SZ.de-Logo SZ.de 22.06.2017 Von Marco Völklein
Bei unentdeckten Vorschäden der Autobahn ist die Gefahr von Blow-ups groß. Steigt die Hitze, wird es auf Betonstrecken kritisch. © Rene Priebe/dpa Bei unentdeckten Vorschäden der Autobahn ist die Gefahr von Blow-ups groß. Steigt die Hitze, wird es auf Betonstrecken kritisch.

Der heiße Sommer birgt Gefahren, auf manchen Autobahnen besonders tückische: Wodurch "Blow-Ups" entstehen und was die Behörden dagegen unternehmen.

• Herrschen über einen längeren Zeitraum Temperaturen über 30 Grad Celsius, tritt verstärkt das Phänomen der "Blow-ups" auf.

• Dabei handelt es sich um plötzlich auftretende Schäden an Autobahnen, deren Fahrbahn aus einzelnen Betonplatten aneinandergefügt wurde.

• Weil dies zur tödlichen Gefahr für Auto- und Motorradfahrer werden kann, ordnen die Behörden in immer mehr Bereichen Tempolimits an.

Wer hin und wieder auf Autobahnen in Baden-Württemberg unterwegs ist, der kennt allein schon aus dem Radio die Abschnitte der A 5 und der A 6 rund um das Walldorfer Kreuz. Die beiden Autobahnen zählen zu den am stärksten belasteten Strecken in Deutschland. Staus sind dort Alltag, der Frust bei den Pendlern in Nordbaden ist groß. Seit Dienstag ärgern sich viele Autofahrer in dem Bereich zudem noch über ein Tempolimit: Arbeiter haben Schilder mit der Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 Kilometern pro Stunden aufgestellt. Darunter prangt ein Hinweis: "Straßenschäden".

Dabei wirken die Autobahnabschnitte weitgehend intakt, mit dem bloßen Auge sind sichtbare Schäden kaum zu erkennen. Doch die Gefahr lauert in der Fahrbahndecke. Denn bei den aktuell hohen Temperaturen kann sich der Beton aufwölben und die Straße zu einer Rumpelpiste machen; Fachleute sprechen von "Blow-ups".

Verkehrsteilnehmer, die zu schnell unterwegs sind, können nicht rechtzeitig bremsen oder ausweichen. 2013 kam ein Motorradfahrer auf der A 93 in Niederbayern ums Leben, nachdem sich eine etwa 50 Zentimeter hohe Betonaufwölbung gebildet hatte. Der 59-Jährige krachte in die Leitplanke. Seither ordnen die Straßenverwaltungen der Länder vorsorglich Tempo 80 an, wenn sich abzeichnet, dass das Thermometer mehrere Tage lang über 30 Grad Celsius klettert.

Betroffen sind nur solche Abschnitte, deren Fahrbahn aus einzelnen Betonplatten aneinandergefügt wurde. Das sind laut ADAC bundesweit etwa 30 Prozent aller Autobahnen. Bei hohen Temperaturen können sich die Platten ausdehnen und übereinanderschieben - an den Kanten entstehen die gefährlichen Blasen. Gefährdet sind laut ADAC vor allem Straßenabschnitte, in denen nur eine relativ dünne Betondecke gegossen wurde. Zudem seien "durch die hohe Verkehrsbelastung etliche Autobahnen oft vorgeschädigt". Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sieht die Blow-ups als Folgen des Klimawandels.

Autobahnen mit Dehnungsfugen

Aktuell haben die Behörden unter anderem auf der A 81 nördlich des Kreuzes Weinsberg sowie auf der A 94 östlich von München Tempobeschränkungen angeordnet, ferner auf der A 7 zwischen Giengen und südlich von Niederstotzingen. Die Tempolimits würden aufgehoben, sobald die Tageshöchstwerte der Temperaturen unter 30 Grad liegen, erklärte das Regierungspräsidium Karlsruhe. Autofahrern rät der ADAC, in den betroffenen Abschnitten vorsichtig zu fahren, das Tempolimit einzuhalten und den Abstand zum Vordermann zu vergrößern, um notfalls reagieren zu können. Tatsächlich könnten sich die Betonblasen mitunter völlig überraschend aufwölben.

Um das zu verhindern, ließ zum Beispiel die Autobahndirektion Südbayern seit 2014 auf der A 3, der A 92 und der A 93 alle 400 Meter Dehnungsfugen von jeweils fünf Metern Breite in die Fahrbahndecke schneiden und diese mit Asphalt verfüllen. Nun kann sich der Beton bei großer Hitze besser ausdehnen. Nachteil: Asphaltflächen sind anfälliger für Beschädigungen vor allem durch den stetig zunehmenden Schwerverkehr. Fachleute warnen, Spurrillen könnten dort schneller auftreten als auf den harten und haltbareren Betondecken.

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