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Nur 30 Stunden Sonne im Monat: Ist das trübe Winter-Wetter denn normal?

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 01.02.2018 berliner-zeitung
regen: dpa/ Sophia Kembow © dpa/ Sophia Kembow dpa/ Sophia Kembow

Nach Wochen mit grauem, wolkenverhangenem Himmel soll am heutigen Donnerstag vielerorts die Sonne scheinen. Endlich mal wieder! Denn die Messdaten des Deutschen Wetterdienstes bestätigen das, was viele Berliner wahrscheinlich schon im Gefühl hatten: Der Januar hatte nur wenige Sonnenstunden.

Der Normalwert für Berlin im Januar liegt bei 43 Stunden, doch die Sonne schien nur etwa 30 Stunden. Die Messstationen in Tegel und Tempelhof zählten knapp 26 Sonnenstunden, in Dahlem waren es etwa 33 Stunden.

Keine Ausnahmeerscheinung

„Aus dem Westen sind viele Tiefdruckgebiete über Deutschland gezogen“, sagt Philip Lorenz vom Deutschen Wetterdienst. „Im Winter befindet sich östlich von Deutschland häufig ein starkes Hochdruckgebiet, das Tiefdruckgebiete abblockt. Doch das ist in den vergangenen Wochen gar nicht entstanden.“

Allerdings, sagt Lorenz, seien die fehlenden Sonnenstunden in Berlin keine Ausnahmeerscheinung. Ein Blick in die Wetterdaten der vergangenen Jahre zeigt: Schon der Januar 2015 war recht trüb, dafür lagen die Sonnenscheinstunden im Januar 2016 und 2017 über dem Durchschnitt. An diesen Schwankungen werde deutlich, sagt der Meteorologe, dass der Normalwert eigentlich nur selten erreicht wird.

Außergewöhnlich findet Philip Lorenz jedoch die sehr wenigen Sonnenstunden im Westen Deutschlands. Vom Frankenwald bis zum Oberpfälzer Wald sowie im Sauerland gab es teilweise kaum mehr als 10 Stunden Sonne im Januar. Aber auch daran war aus seiner Sicht einfach die Großwetterlage schuld.

Mittagspause zum Spazierengehen nutzen

Das trübe Wetter schlägt auf das Gemüt. „Licht ist wichtig für die Produktion des Hormons Serotonin im Gehirn. Das ist entscheidend für eine gute Stimmung“, sagt Achim Kramer, Chronobiologe an der Charité. Er beschäftigt sich mit der inneren Uhr des Menschen. „Licht sorgt dafür, dass unsere innere Uhr im Gehirn im Einklang mit der Umwelt bleibt. Das übernehmen bestimmte Gene. Sie sorgen auch dafür, dass all die anderen inneren Uhren im Körper, wie etwa in der Leber und in der Niere, mit der Außenwelt synchronisiert werden.“ Reisende merken bei einem Jetlag, dass ihr Körper ein paar Tage braucht, um sich auf die neuen Tag- und Nachtzeiten einzustellen.

tbn2-Sonnenstunden Januar © BLZ/Galanty, Quelle: DWD tbn2-Sonnenstunden Januar

Jeder Mensch hat eine innere Uhr, die auch dann tickt, wenn es dunkel ist. „Diese Uhr ist aber nicht ganz exakt, deshalb ist das Licht wichtig, um jeden Tag wieder richtig einzustellen“, erklärt Achim Kramer. So wie die Atomuhr in Braunschweig immer Funksignale sendet, damit alle Uhren genau gehen. Besonders wichtig ist dafür helles Licht. „Hell ist es eigentlich nur draußen, selbst bei trübem Wetter.“

Ein helles Büro ist also kein Ersatz für natürliches Tageslicht. Die Beleuchtungsstärke liegt im Büro bei etwa 400 Lux, an einem trüben Tag sind es draußen immerhin 10.000 Lux und bei Sonnenschein sogar 100.000 Lux. Deshalb empfiehlt Achim Kramer, in der Mittagspause für etwa eine halbe Stunde spazieren zu gehen. So könnte man auch das typische Problem der Wintertage umgehen: im Dunkeln das Haus zu verlassen und wieder heim zu kommen.

Weniger Zeit am Smartphone

„Alternativ kann man sich auch mit einer Tageslichtlampe behelfen. Diese haben heutzutage auch bis zu 10.000 Lux Leuchtstärke.“ Am praktischsten ist es, sie beim Frühstück aufzustellen. Mit fünf Minuten ist es allerdings nicht getan, 30 Minuten sollten es schon sein.

„Gerade für die späten Chronotypen – also jene Menschen, die später ins Bett gehen und länger schlafen – ist das morgendliche Licht wichtig, um im Takt zu bleiben“, erklärt der Chronobiologe. Wenn man schwer aus dem Bett kommt, sei das die beste Zeit, um Licht zu tanken.

Aufstehen fällt besonders schwer

Die Morgensonne hilft dann am meisten, um über diese Tiefphase hinwegzukommen. Gut wäre dann zum Beispiel, eine Station eher aus der U-Bahn auszusteigen und den restlichen Weg zu Fuß zur Arbeit zu gehen. „Wenn man morgens helles Licht hat, wird die innere Uhr gewissermaßen vorgestellt. Also fällt es einem am nächsten Tag nicht so schwer, wieder aufzustehen.“

Gerade im Winter würden viele Menschen lieber etwas länger schlafen. Das Aufstehen fällt dann ganz besonders schwer. Der Mediziner rät, abends nicht so viel Zeit vor Monitoren und Smartphones zu verbringen. Besonders kontraproduktiv sei das für die späten Chronotypen. Denn die Bildschirme strahlen meist viel blaues Licht aus, die die innere Uhr besonders effektiv aufnimmt. „Dann denkt die innere Uhr, es sei noch Tag, und das Müdewerden kann noch etwas warten“, erklärt Achim Kramer.

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