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Warum schlechtes Wetter in Deutschland ganz normal ist

DIE WELT-Logo DIE WELT 20.07.2017

In den nächsten Tagen ziehen Unwetter über Deutschland, ab Montag sinken die Temperaturen auf 18 bis 23 Grad. Erleben wir gerade einen unnormalen Sommer? Nein, sagen Experten.

"Und nun zum Wetter" – dieser Floskel folgen in der Regel schlechte Nachrichten. Zumindest in Deutschland. Denn die Deutschen sind bekanntlich nie zufrieden, sie meckern über alles und lassen dabei auch das Wetter nicht aus: Mal ist es zu kalt, mal zu heiß, aber selten richtig. Und der Sommer? Ist jedes Jahr zu kurz.

Ein Blick auf die Wetterkarte scheint das zu bestätigen: So erlebt Berlin zwar gerade angenehmes Sommerwetter, hat aber wochenlange Kälte und einen Jahrhundertregen mit Überschwemmungen hinter sich. In Niedersachsen warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor Starkregen, Hagel und Sturmböen, in Nordrhein-Westfalen könnten Hagelkörner in der Größe von Golfbällen fallen. In den kommenden Tagen steigen die Temperaturen vielerorts wieder, nur um nächste Woche deutschlandweit auf 18 bis 23 Grad zu sinken, begleitet von Schauern, aber nicht von Unwettern.

Die Frage muss also erlaubt sein: Was ist das bitte für ein Sommer?

Ein ganz normaler, sagen Meteorologen. In den gemäßigten Breiten, in denen Deutschland liege, sei der Sommer nun mal wechselhaft. "Es gibt Phasen, in denen es drei, vier, fünf Tage heiß ist, gefolgt von Phasen mit Regen und Unwettern", erklärt Matthias Habel von Wetter Online. Das sei für Mitteleuropa ein vollkommen normales Sommerwetter. Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst spricht von einem "Schaukelsommer": Auf hohe Temperaturen folgen Gewitter, die für Abkühlung sorgen – danach baut sich die Hitze wieder bis zum nächsten Unwetter auf.

Deutliches Gefälle zwischen Nord- und Süddeutschland

Grundsätzlich gilt also: Wir erleben gerade die in Mitteleuropa üblichen Wetterschwankungen. Dennoch zeigen sich dieses Jahr ein paar Besonderheiten. So sei das Gefälle zwischen Nord- und Süddeutschland stärker spürbar als sonst, sagt Andreas Friedrich. Während in Baden-Württemberg über Hitze gestöhnt wird, beschwert man sich an den Küsten von Nord- und Ostsee mitunter über frühherbstliche Kälte. "Man könnte sagen, der Sommer ist diesmal etwas unfairer verteilt als in anderen Jahren."

Meteorologe Matthias Habel bestätigt das: "Gerade wenn man sich die Niederschlagsmengen anschaut, zeichnet sich bundesweit ein heterogenes Bild." So hätten Städte wie Trier, Emden und Augsburg diesen Monat nur ein gutes Drittel des zu erwartenden Regens verzeichnet, während es in Berlin vor drei Wochen zu Überschwemmungen gekommen sei.

Habel sagt dazu: "Lokal herrscht große Trockenheit, anderswo haben wir Gebiete mit viel Regen und unterdurchschnittlich viel Sonnenschein." Zwar heiße das nicht, dass es wesentlich kühler sei als üblich – tatsächlich lägen die Temperaturen diesen Monat bundesweit etwa 0,9 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. "Aber man nimmt sie ohne Sonne vielleicht als kühler wahr."

Mit dem Regenschirm sind Spaziergänger am 16.05.2017 am Ostseestrand von Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern) unterwegs. Ein ausgedehntes Regengebiet sorgt für leere Strandkörbe. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit © picture alliance / Bernd Wüstnec Mit dem Regenschirm sind Spaziergänger am 16.05.2017 am Ostseestrand von Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern) unterwegs. Ein ausgedehntes Regengebiet sorgt für leere Strandkörbe. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit

Wer fürchtet, dass damit das Ende des Sommers eingeläutet wird, muss sich aber keine Sorgen machen: Schon übernächstes Wochenende soll das Wetter wieder angenehmer werden. Das ist das Gute an dem klassischen Schaukelsommer in Deutschland.

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