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Warum weiße Weihnachten so selten sind

DIE WELT-Logo DIE WELT 23.12.2016

Die meisten Deutschen hoffen in diesem Jahr vergeblich auf weiße Weihnachten. Nur oberhalb von 1500 Metern liegt Schnee. Tatsächlich sind weiße Weihnachten selten – Meteorologen können das erklären.

ARCHIV - Ein geschmückter Christbaum steht am 08.12.2014 bei Unterjoch (Bayern) im Garten eines Bauernhofes. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa (zu dpa "Hoffnung auf weiße Weihnacht meist vergebens" vom 19.12.2016) Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++: Ein geschmückter Christbaum © dpa Ein geschmückter Christbaum

Sie entsprechen so gar nicht unserer Vorstellung, unseren – verklärten – Kindheitserinnerungen, dem Postkartenidyll: grüne oder auch graue Festtage zum Jahresende. Doch wenn es so weit ist, lernen wir es jedes Jahr aufs Neue: Weiße Weihnachten gehören zu den Ausnahmen im Land, schon immer. Sogar in München, der Großstadt, in der dieser Traum noch am häufigsten wahr wird, geschieht das nur in jedem dritten Jahr, in Dresden und Berlin alle fünf, in Hamburg alle neun und im Rhein-Main-Gebiet nur alle zehn Jahre.

Seltener wurde Schnee um den 24. Dezember jedenfalls nicht im neuen Jahrtausend. In Berlin zum Beispiel mit seiner Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent begann es sogar ziemlich weiß. So lag in den Jahren 2000, 2001 und 2002 an den Festtagen in der Hauptstadt Schnee. Und im Jahr 2010 geschah sogar etwas besonders Seltenes: Ganz Deutschland lag über alle Feiertage unter einer geschlossenen Schneedecke, das erste Mal seit 30 Jahren.

Entweder kalt und klar oder feucht und mild

Regelmäßig stehen die Rahmenbedingungen des mitteleuropäischen Wettergeschehens ab Mitte Dezember eher auf Grau. Bleibender Schnee erfordert nämlich nicht nur Kälte, sondern auch Niederschläge, und beides kommt – zumindest in diesem Monat – aus verschiedenen Richtungen: Frost käme aus dem trockenen Osten, aus Sibirien, die feuchten Wolken aber vom warmen Atlantik, und einzelne Winde kommen nun mal nur aus einer Richtung.

Da sich im Dezember der Kontinent und auch die Luft darüber noch nicht genügend abgekühlt haben, kann sich über Mitteleuropa das Wasser aus etwaigen wolkenverhangenen Atlantiktiefs noch nicht in Schnee verwandeln. Es ist also entweder kalt und klar oder feucht und mild.

Zwar schneit immer mal wieder zu Winterbeginn ein frostiges Tief aus Skandinavien herein, das sich über der Ost- oder Nordsee aufgetankt hat, und sorgt für eine frühe weiße Decke. In der zweiten Dezemberhälfte aber dominiert fast immer die Westwetterlage, oft genug auch mit Stürmen. Schnee gäbe es dann nur, wenn Atlantiktiefs große Umwege nehmen durch frostige Gebiete, entweder über den Norden oder sogar den Osten, währenddessen langsam genug ziehen, um dort ihren Ballast abkühlen zu können, dabei das Wasser halten und anschließend mit Kurs auf Mitteleuropa ziehen.

Auch das eigentlich warme Wasser des Schwarzen Meeres kommt, selten genug, als Schnee zu uns, wenn die Wolken lange genug über einem eisigen Balkan unterwegs waren.

Klimawandel sorgt für kältere Winter

Und was ist mit den Wintertemperaturen? Dass sie sich über die Jahrzehnte noch lange nicht aus dem Bereich entfernt haben, in dem weiße Weihnachten möglich sind, zeigte sich gegen Ende des ersten Jahrzehnts nach dem Millennium. Noch zur Jahrtausendwende hatte der renommierte Klimaforscher Mojib Latif erklärt: "Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor 20 Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben." Dann, knapp zehn Jahre später, nach einigen eisigen Wintern, hörte man aus der Klimaforschung eine ganz andere Prognose.

Ausgerechnet die Klimaerwärmung werde für kältere Winter in Europa sorgen, hieß es nun. Der Grund: Das abtauende Eis rund um den Nordpol mildere den Temperaturgegensatz zwischen eisig-nördlichem und mildem mittlerem Atlantik, schwäche so die Dynamik des Meeres, verkleinere dadurch den atlantischen Einfluss auf unser Wettergeschehen und stärke dafür den sibirischen, den frostigen aus dem Osten. Die Monate Dezember bis März würden fürs Erste immer kälter, lautete deshalb die Devise.

Inzwischen haben wir wieder ein paar mildere Winter hinter uns, auch aufgrund eines sehr starken El-Niño-Effektes, der immer noch wirkt – und im Zuge dessen hat man sich nun weitgehend auch von dieser Theorie wieder verabschiedet.

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