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Chiphersteller an Autofirmen: Kommt endlich aus der Steinzeit raus!

derStandard-Logo derStandard 19.09.2021
© Foto: AFP/Ronny Hartmann

Immer schneller, immer effizienter und immer kleiner – das ist die Devise, wenn es um die Herstellung von Computerchips geht. Qualcomms aktueller Highend-Chip für Smartphones, der Snapdragon 888, wird im 5-Nanometer-Verfahren gefertigt. AMDs Ryzen 5000-Prozessorenm werden von TSMC im 7-Nanometer-Verfahren gefertigt. Intel arbeitet immerhin mit aufgerüsteter 10-Nanometer-Technik.

Auf diese Prozesse haben die Chiphersteller mit eigener Fertigung, als auch die Auftragsfertiger (sogenannte Foundries) ihre Kapazitäten ausgerichtet. Insbesondere, als die Autobranche zu Beginn der Corona-Pandemie ihre Auftragsvolumen drastisch reduzierte, wurden zahlreiche Ressourcen zu neueren Fertigungslinien verschoben. Die Fahrzeughersteller wollen ihren Motor nun wieder voll anlaufen lassen. Doch ihre Wünsche sorgen für Frust und Ärger in der Chipbranche. Dort fordert man, dass die Automacher endlich die Computersteinzeit verlassen mögen, berichtet Fortune.

Wenig Lust auf Investitionen für alte Technologie

Viele davon setzen auf Hardwaredesign, das nach Standards des IT-Zeitalters schwer veraltet ist. Chips, die im 45-Nanometer oder gar 90-Nanometer-Verfahren gefertigt werden müssen, sind keine Seltenheit. Intel hat eigene Fertigungskapazitäten und sah sich in den letzten Monaten bombardiert mit Anfragen, neue Produktionsressourcen zu schaffen, um Chips nach datierten Standards zu produzieren.

Dementsprechend gab er sich auf der Internationalen Automesse IAA einigermaßen verzweifelt. "Ich baue ihnen so viele 16-Nanometer-Chips, wie sie haben wollen", richtete er der Fahrzeugindustrie aus. Es mache strategisch und wirtschaftlich keinen Sinn, Milliarden Dollar für alte Hardwaredesigns und ihre Fertigung auszugeben. Man sollte das Geld lieber darin investieren, die Designs auf Chips neuerer Bauart zu migrieren.

Die Anforderungen für Elektronik im Auto sind natürlich andere, als in PCs und Handys. Gerade in Fahrzeugen sollten sie besonders robust und ausfallsicher sein. Dessen ist sich auch Gelsinger bewusst und vermutet daher, dass die Autofirmen deswegen lieber weiter mit erprobter Hardware operieren wollen.

Vom Regen in die Traufe

Für die Foundries sei es aber nicht besonders attraktiv, Kapazitäten für alte Fertigungsprozesse zu schaffen, erklärt Enrico Salvatori, Chef von Qualcomm Europe, das selbst auf Verträge mit Foundries angewiesen ist. Doch gerade die Foundries sind aktuell der Flaschenhals in der Chipkrise. Früher oder später werde es den Umstieg geben müssen. Der Aufwand sei beträchtlich, da die Hardware oft neu designed werden muss und sich sich nicht einfach Pin-kompatible Chips mit wesentlich moderneren Fertigungsverfahren herstellen ließen. Das könne auch neue Zertifizierungen oder Anpassungen mechanischer Natur notwendig machen.

Ursprünglich hatte die Autobranche nur mit kurzen Liefereinbrüchen gerechnet. Doch dann kamen zur notwendigen Anlaufzeit allerlei andere Probleme dazu. Diese reichten von Problemen mit der Stromversorgung in Texas, einem Brand in Japan bis hin zu Covid-Ausbrüchen in Verpackungszentren in Südostasien. Und nun könnte der Widerstand der Foundries, die ihre älteren Produktionslinien gerne auf Eis legen würden, zum nächsten Hindernis werden – und dabei den Abschied von der überholten Hardware einläuten. (red, 19.9.2021)

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