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Möbel mit Karrieresprung [premium]

Schaufenster-Logo Schaufenster 14.10.2021 von Norbert Philipp
Daiki“ von Marcio Kogan wird zum „Executive“-Sessel. / © Daiki“ von Marcio Kogan wird zum „Executive“-Sessel. / Daiki“ von Marcio Kogan wird zum „Executive“-Sessel. /

Alles dreht sich im Kreis. Und das gilt nicht nur für viele Bürostühle. Im letzten Jahrzehnt bemühten sich so manche Büros, sich das Merkmal „Büro“ gestalterisch nicht wirklich anmerken zu lassen. Sie wollten alles andere sein, Kaffeehäuser, Begegnungszonen, Kommunikationsräume oder gar Wohnzimmer. Inzwischen strengen sich dagegen viele Wohnräume an, irgendwie auch als Büro zu taugen. Hybride Ansätze, der „Sowohl als auch“-Gedanke, sie haben auch das Möbeldesign mitbestimmt in den letzten Jahren. Und selbst bei diesem Trend ist die konzeptive Auslegung der Räume dort wieder angelangt, wo sie Jahrhunderte zuvor schon einmal war. Da waren Arbeitsräume ganz selbstverständlich Wohnräume. Und umgekehrt. Man hat sogar manchmal auf den Tischen geschlafen, an denen man am Tag zuvor gearbeitet hat. Ein Möbelstück wie ein Bett, das nur einer Sache diente, dem Schlafen, das war Luxus.

Das ist lang her. Jetzt ist der Luxus ein gänzlich anderer: Nämlich den ästhetischen und haptischen Qualitäten von Wohnmöbeln eine zusätzliche Option zu injizieren: die Möglichkeit, als Büromöbel benutzt zu werden. Das Schöne dabei: Man muss sich nicht den ganzen Tag aufs Nachhausekommen freuen. Man muss nur gedanklich auf Büro switchen. Die Designhersteller haben ihre Produkte längst umgeschaltet: auf Überblendung von Büro und Wohnen. In ein und demselben Raum. Und noch mehr: auf ein und demselben Möbelstück.

Eine weitere Konsequenz der letzten Monate, jener unerwarteten Verschnaufpause in einem sonst dynamisch dichten Zyklus von neu und wieder neu: Viele Hersteller stellten die Weichen für ihre zukünftige Kollektion. Mit dem Ergebnis, dass die gestalterischen Schienen, das Drinnen, das Draußen, das Wohnen, das Arbeiten, bei vielen zusammenführen und auf etwas hinauslaufen, was der Hersteller Poltrona Frau vor Kurzem „Boundless Living“ genannt hat. Ein undogmatischer Ansatz, den inzwischen verschiedene Hersteller ihrer Kollektion überstreifen.

Grenzenlos

Die neue Definition von Wohnen: Wir definieren nichts mehr. Aus dem Esstisch ist während ausgedehnter Home-Office-Zeiten und Videokonferenzen ohnehin längst der Besprechungstisch geworden. Die Folge: Auch bei Minotti wird aus dem Esstisch ein Besprechungstisch. Sogar explizit. Wie der Tisch „Supersquadra“ von Marcio Kogan. In der Kollektion war er ursprünglich als Esstisch definiert. Nun wurde er funktional nachgerüstet, um ihn bürotauglich zu machen. Ästhetisch findet er durch seinen klaren Entwurf ohnehin schnell Anschluss im Raum, fehlte nur noch die technische Vernetzung. Denn Strom und Daten müssen im Büroalltag fließen. Und plötzlich finden sich in der Produktbeschreibung Begriffe, die sich früher nie dort verloren hätten. Wie etwa „Kabelmanagement“. Klingt natürlich weniger elegant. Muss aber auch sein. Denn trotz aller Office-Mobilität hängt doch noch einiges an USB-Ports oder Steck­dosen.

Anderes lässt sich beinahe noch einfacher anpassen: Indem man die Beine der Stühle beweglicher macht. Mit Rollen oder einem Drehfuß. Den Stuhl „Daiki“ von Minotti etwa, der seit 2020 in der Kollektion steht, wurde dieser Art auch zum „Executive“-Stuhl auf Rädern, mit Fünf-Speichen-Fußkreuz, 360 Grad drehbar und ausgerüstet mit Mechanismen zum Kippen und Höhenverstellen. Ähnlich beim Hersteller Knoll: Die „KN“-Stuhl-Familie bekam Zuwachs. Und der dreht sich genauso, höhenverstellbar ist er auch. Explizit wird er vom Hersteller dem Typ des „informellen Büros“ nahegelegt.Auch Cassina hat Ikonen aus seinem Portfolio und aus Zeiten, die kein Internet kannten, in die heutige Zeit geholt. Stilistisch waren viele von ihnen ohnehin längst angekommen, weil sie sich ja seither aus der Zeitachse ausgeklinkt haben. Nun bekamen aber auch sie an mancher Stelle einen Kabelkanal. Oder ein materielles Update. Schließlich sollen die Möbelikonen ihren Platz in Büros finden, in denen man tatsächlich nicht wohnt. Dort kommen allerlei Sicherheitsnormen zum Tragen. So bildete sich eine Kollektion, die sich durch das Appendix „Pro“ im Namen auch demonstrativ für Arbeitsplätze anbieten möchte.

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