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Syrien: Wie Assad seine Gegner foltert

Die Presse-Logo Die Presse 14.05.2019
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New York/Wien.

Das Regime in Damaskus setzte bewusst Grausamkeiten ein, um den Aufstand zu zerschlagen, zeigt ein Bericht der New York Times.

Der Mann nannte sich Azrael, der Engel des Todes. Als Krankenpfleger im Militärgefängnis 601 in der syrischen Hauptstadt Damaskus erschlug er gerne Patienten hinter einer Milchglas-Tür. Der Chefermittler des syrischen Staatsschutzes in Hama, ein Oberst Suleiman, ließ sich und seinen Freunden nächtens hübsche Mädchen bringen, um sie in einem Nebenraum seines Büros zu vergewaltigen. Auf einem Luftwaffenstützpunkt außerhalb von Damaskus veranstaltete „Hitler“, wie sich der Offizier nannte, sadistische Abendessen, bei denen Gefangene als Tische dienten oder Haustiere spielen und sich tätscheln lassen mussten.

Über mehrere Jahre hat die renommierte US-Tageszeitung „New York Times“ das brutale Vorgehen des Assad-Regimes gegen seine Gegner recherchiert. In einem Bericht, der am Wochenende veröffentlicht wurde, dokumentiert das Blatt etliche Beispiele von systematischer Folter in Einrichtungen des syrischen Staates – Gefängnissen, Krankenhäusern, Militärbasen und Stützpunkten der Geheimdienste. Jetzt, wo der Krieg sich seinem Ende zuneige und sich die internationale Öffentlichkeit von Syrien abzuwenden beginne, nehme die Geschwindigkeit von Verhaftungen, Folter und Hinrichtungen sogar noch zu, heißt es in dem Artikel.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London geht davon aus, dass mindestens 14.000 Menschen unter der Folter in Syrien gestorben sind. Etwa 128.000 Menschen, die in syrischen Haftanstalten landeten, sind laut der NGO bis heute verschwunden. Doch diese Schätzung, so die „New York Times“, ist vermutlich zu tief gegriffen. Viele Experten gehen von einer höheren Zahl an Opfern aus.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International schätzte in einem Bericht mit dem Titel „Menschliches Schlachthaus“ im Februar 2017, dass allein im berüchtigten Sednaya-Militärgefängnis nahe Damaskus zwischen 2011 und 2015 zwischen 5000 und 13.000 Regimegegner hingerichtet wurden.

 

Von der Straße auf das Schlachtfeld

Die Brutalität gegenüber der zivilen Opposition dürfte auch darauf abgezielt haben, den zunächst friedlichen Aufstand gegen das Regime auf das Schlachtfeld zu verlegen. Dort waren Staatschef Bashar al-Assad und seine Verbündeten militärisch im Vorteil. Regierungsmemos, welche die „New York Times“ sichten konnte, dokumentieren zudem, dass hochrangige Funktionäre, die direkt an Assad berichteten, von den Massenverhaftungen und Gräueltaten wussten. (raa./red)

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