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Corona mutiert weiter – neue Impfstoffe schon veraltet

Heute 31.08.2022
Die vierte Corona-Impfung wird in Österreich allen Personen ab 12 Jahren empfohlen. © Sebastian Willnow / dpa / picturedesk.com Die vierte Corona-Impfung wird in Österreich allen Personen ab 12 Jahren empfohlen.

Gleich zwei frisch angepasste Corona-Impfstoffe sollen am Donnerstag ihre Zulassung erhalten. In Österreich sollen nun alle ab 12 zum vierten Stich.

Alpha, Delta, Omikron, BA.1, BA.4/BA.5,... – das Coronavirus mutiert so schnell, dass man bei der schieren Anzahl an neuen Varianten schon mal den Überblick verlieren kann. Das Problem: durch neue Mutationen kann es dem Erreger gelingen, den Impfschutz, der gegen die Ursprungsvariante entwickelt wurde, zu umgehen.

Am Donnerstag dürften nun, acht Monate nach ihrer Ankündigung, die ersten angepassten Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna gegen neue Corona-Varianten ihre Zulassung erhalten. Offiziell muss die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA noch in ihrer außerordentlichen Sitzung darüber entscheiden, doch das gilt als Formsache.

Wie "Die Presse" berichtet, sind beide Impfstoffe sind bivalent und richten sich sowohl gegen die Ursprungsvariante aus Wuhan als auch gegen Omikron – allerdings nur gegen die Ursprungsvariante BA.1. Diese wurde von den bedeutend anders gebauten Varianten BA.4 und BA.5 bereits vollständig verdrängt. Die Vakzine, die am Donnerstag also höchstwahrscheinlich ihre Zulassung erhalten werden, sind also bereits wieder heillos veraltet.

Die Entwicklung der angepassten Impfstoffe selbst ist für die Hersteller dabei gar nicht das Problem, vielmehr kommen sie mit ihren klinischen Studien nicht hinterher. Diese nehmen mehrere Monate in Anspruch, sind aber für eine neue Zulassung notwendig.

Das könnte sich in der Zukunft ändern, zumindest wenn man die Grippeimpfung als Maßstab nimmt. Denn für die jährlich angepassten Grippe-Impfstoffe sind für neue Zulassungen keine klinischen Studien mehr nötig, die Daten aus den Laboren reichen völlig aus. Das aber, weil die Totimpfstoffe bereits jahrzehntelang erprobt sind, die mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna hingegen sind quasi Neuland.

Und was heißt das jetzt für die künftige Corona-Impfung in Österreich? "Die Impfung ist und bleibt die wichtigste Maßnahme", hatte Gesundheitsminister Johannes Rauch erst bei einem Presseauftritt am Mittwoch neuerlich betont. Dabei wurde auch eine aktualisierte Empfehlung des Nationalen Impfgremiums (NIG) präsentiert: künftig wird allen Menschen in Österreich ab einem Alter von 12 Jahren auch die Auffrischungsimpfung, also der vierte Stich, ab 6 Monaten nach der Letztimpfung empfohlen.

Mehr lesen: Jetzt fix – Rauch empfiehlt vierte Impfung für alle

Es habe keinen Sinn und sei "absolut unvernünftig" auf Varianten-Impfstoffe zu warten. "Bitte nicht zuwarten, jetzt zur Impfung gehen", lautete der Appell des an Rauchs Seite aufgetretenen Infektiologen Herwig Kollaritsch dazu.

Doch jetzt dürfte es diese bald eine Zulassung erhalten und auch von Österreich bereits millionenfach bestellt werden. Was bringen die angepassten Vakzine dann überhaupt?

Weil die neuen Impfstoffe gleich gegen zwei Varianten ausgerichtet sind, dürften sie auch allgemein einen höheren Schutz vor Ansteckungen bieten, so die Erwartung. "Die gebildeten Antikörper erkennen und eliminieren die Viren also effizienter", wird Corona-Experte Bernd Lamprecht, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie an der Johannes-Kepler-Universität Linz durch "Die Presse" zitiert.

Der Unterschied: In den ersten sechs bis acht Wochen nach der Verabreichung soll der Schutz vor einer Ansteckung durch die angepassten Impfstoffe bei etwas mehr als 70 Prozent liegen. Bei den bisher verwendeten Mitteln liegt dieser zwischen 50 und 70 Prozent.

Nach diesem Zeitraum fällt der Antikörper-Wert allerdings rasch ins Bodenlose und der Ansteckungsschutz ist bei beiden Impfstoffen nur noch minimal.

Vor schweren Verläufen dürften sowohl der alte als auch der angepasste Impfstoff ähnlich gut schützen: "Was das Verhindern schwerer Verläufe im Sinne eines Krankenhausaufenthaltes angeht, erwarten wir keinen Unterschied zu den bisher zugelassenen Impfstoffen. In dieser Hinsicht sind auch sie sehr effektiv", so Lamprecht.

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