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Eine Tradition in Bedrängnis: So geht es mit den Fiakern weiter

KURIER-Logo KURIER 14.06.2019 annamaria.bauer

Die Demonstration am 11. Juni wurde zwar abgesagt, aber die aktuelle Debatte ist nicht vom Tisch.

© Kurier/Juerg Christandl

Aufgeschoben bedeutet nicht aufgehoben.  

Nachdem Bürgermeister Michael Ludwig ( SPÖ) am Samstag seine Gesprächsbereitschaft gegenüber den Fiakern  bekräftigte, demonstrierten die Kutscherinnen und Kutscher am Dienstag zwar nicht am Rathausplatz. Ihre Forderungen bleiben aber aufrecht.

Forderungskatalog

Konkret verlangen sie, dass die Standplätze am Stephansplatz aufgestockt, die Plätze vom Michaelerplatz nicht in Seitengassen verlegt werden, oder auch, dass das Projekt  Gummi-Hufbeschläge nicht weiter vorangetrieben wird.   

Fiaker-Sprecherin Ursula Chytracek hat den entsprechenden Forderungskatalog nun im Rathaus abgegeben. 

© Kurier/Juerg Christandl

Dort heißt es: Man werde die Forderungen „sichten und dann weiterschauen“. 

Das wiederum treibt  eine andere Gruppe zu Demonstrationen: Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) sieht sich mehr denn je in der Verantwortung, auf das „Leid der Fiakerpferde“ aufmerksam zu machen.  

35-Grad-Marke

Falls am Samstag die 35-Grad-Marke geknackt wird, werden sich die Aktivisten bei allen Standplätzen einfinden, um zu kontrollieren, ob die Fiaker den Heimweg antreten. (Ab 35 Grad gibt es hitzefrei, Anm.) 

Für den VGT-Aktivisten Georg Prinz ist Fiakerei Tierquälerei: Schließlich müssten die Pferde in der Stadt leben, bekämen nicht genug Auslauf, seien den ganzen Tag zwischen Autos, Lkw und Bussen unterwegs und  müssten eine  Kutsche ziehen; oft bei  hohen Temperaturen. 

© VGT

Einander zuhören

Angesprochen auf die Vorwürfe des VGT muss Ursula Chytracek  seufzen.  Die Aktivisten würden  nie zuhören, würden die  Einladung, sich einmal einen Stall anzusehen, nicht annehmen. Stattdessen würden sie mit Unwahrheiten mobilisieren. 

© Bauer Anna-Maria

„Ja“, fährt  Ursula Chytracek fort, „mein Stall befindet sich in der Stadt  – allerdings auf einem mehr als 4.000 Quadratmeter großen, begrünten Areal.“ Hier stehen 38 Pferde; sechs davon seien Pensionisten, die hier  ihren Lebensabend verbringen und nachmittags auf die Koppel kommen. Auch die anderen Pferde sind an freien Tagen (zwei bis drei Mal die Woche) vormittags auf der Koppel. 

Diese Erläuterungen ändern nichts an Georg Prinz’ Einstellung: „Pferde gehören nicht in die Stadt, sondern auf die Wiese.“

Arbeit und eine Aufgabe

Diese Aussage ist wiederum Ursula Chytracek zu kurz gedacht: „Ich sehe es anders: Wir geben den  Pferden eine Aufgabe, eine Arbeit.“

© Kurier/Juerg Christandl

Das tue ihnen gut. „Wenn ihnen langweilig wird, bekommen sie Verhaltensstörungen.“ In der Natur legen Pferde mitunter am Tag 18 Kilometer im Schritt oder im Trab zurück.  

Chytracek fährt fort: „Sie  sind bei uns  rund um die Uhr betreut. Ja, natürlich verdienen wir mit der Fiakerei unser Geld.“ Aber es ginge um so viel mehr. „Die meisten Kutscher verbringen mehr Zeit mit den Pferden als mit der Familie. Da entsteht eine innige Beziehung. Unsere erste Sorge ist immer: Was machen wir mit den Pferden?“

Eine Frage, die schlussendlich von der Politik geklärt werden muss. 

Fiaker in Zahlen

26 Betriebe gibt es laut MA 65 in Wien. Sie sind mit 151 Gespannen und 302  Pferden unterwegs.

43 Verstöße gab es heuer. Davon wurde einmal ein tierschutzrechtlicher Aspekt verletzt.

151 Verstöße wurden  2018 verbucht. Davon waren elf Zuwiderhandlungen gegen den Tierschutz. 

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