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Über Gott und die Welt

KLEINE ZEITUNG-Logo KLEINE ZEITUNG 05.11.2018 Kleine Zeitung
Bild: Joanie Fotografie © Bild: Joanie Fotografie Bild: Joanie Fotografie

Der kleinste gemeinsame Nenner seiner Werke ist immer eine Art Forschungsreise, meint der Drehbuch- und Romanautor Gerhard J. Rekel. Dabei hätte ihn sein beruflicher Weg beinahe in eine ganz andere Richtung geführt: „Ich habe in Graz die HTL Bulme für Elektrotechnik besucht. Mein Traum als 14-Jähriger war es, Physiker am Cern zu werden.“

Als ihm sein Lehrer, der tatsächlich am Cern in Genf tätig war, erzählte, dass er über seine dortige Arbeit nur mit einem russischen Arbeitskollegen reden konnte, entschied er sich für einen kreativeren Beruf. „Über das, was ich tue, wollte ich auch mit meiner Familie und Freunden reden können.“

 

Rekel bewarb sich an der Filmakademie in Wien und wurde auch genommen. Sein Abschlussfilm wurde gleich bei der Biennale gezeigt.

Den Bogen zu Wissenschaft und Forschung spannt er aber auch jetzt: „Meine Arbeit ist Recherchieren und Erforschen. Entweder andere Welten, die eigene Welt oder Beziehungswelten.“ Bei der Themenwahl seiner Drehbücher und Romane versucht er Geschichten zu finden, die ihm diese Forschungsreise ermöglichen. Für sein allererstes Tatort-Drehbuch unter dem Titel „Hahnenkampf“ (1997) wählte er den Schauplatz Legefabrik. „Ich konnte da über den Krimi erzählen, was der Konsument verursacht, wenn man nicht auf tieradäquate Haltung achtet.“ Kurz nach der Ausstrahlung seien die Bedingungen in Legefabriken auch im Parlament Thema gewesen, erzählt der gebürtige Steirer.

Sein neuester Thriller heißt „Der Gott des Geldes“. Dabei geht es um einen Anschlag auf eine Großbank. Das Thema beschäftigte ihn bereits während des Studiums: „Wie ist Geld belegt? Und wer garantiert den Wert des Geldes?“

Für die Recherchen zog es ihn in die Zentrale der Deutschen Bundesbank, die mit Informationen nicht unbedingt sehr offen umging: „Mitten in der Recherche gab mir der liebe Gott ein Zeichen. Zum ersten Mal gab es einen Tag der offenen Tür. Es gab zuvor nie einen und nie einen danach“, lacht der 53-Jährige. Er sieht Parallelen zwischen Religion und Geld – deshalb auch der Titel. „Geld ist ein Glaube, eine Religion, eine Staatsreligion – und der Staat zwingt uns, daran zu glauben. Es ist ein Wert, der vom Staat künstlich geschaffen wird.“

Ein Mal pro Monat zieht es Rekel nach Wien. In seiner Wiener Wohnung lebe es sich wie im Kloster, erzählt er. Mit viel Ruhe und ohne Ablenkungen: „Es ist noch meine Studentenwohnung – mit Klo am Gang und ohne Internet.“

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