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#fmich – Datingapp-Schlacht: Elite Partner versus Tinder

Futter-Logo Futter 12.06.2020 Magdalena Markovic

Datingapps. Man kennt sie. Man verwendet sie. Und häufig gibt man es nicht zu. Denn irgendwie gilt es immer noch als peinlich, potenzielle Future-Hubbies (und -Wifeys) übers Internet kennenzulernen.

Irgendwo habe ich mal aufgeschnappt, dass es zwei Sorten von Menschen auf diesem Planeten geben soll: Solche, die in die Dusche pinkeln und dazu stehen oder solche, die in die Dusche pinkeln und nicht dazu stehen. Lass ich jetzt mal so stehen. Aber: Ich habe dieses Prinzip ausgeweitet und auf Singles adaptiert. Ich sage: Es gibt zwei Sorten von Singles auf dieser Welt: Solche, die Datingapps nutzen und es feiern, oder solche die Datingapps nutzen und sich dafür schämen.

Shame, shame Baby

Dabei, so finde ich, gibt es überhaupt keinen Grund, zum Schämen. Wenn wir digital arbeiten, Essen bestellen und uns Sextoys zustellen lassen können, warum sollen wir beim Onlinedating an unsere Grenzen stoßen? Es ist nur Tinder und keine heimliche Popelschlemmerei. Also bitte.

Ich finde die Tinderphobie (ja, Eigenkreation) richtig unsexy. Nicht nur einmal habe ich deshalb Tinder-Matches wieder „dematched“, nachdem sie mir eröffnet haben, sie würden „den Service nicht wirklich nutzen„, ihn als „Schaß“ abgestempelt, oder sich gleich zu Anfang dafür gerechtfertigt haben, ohne dass auch nur die Frage nach der Motivation aufkam. Eine ziemliche Worte-Taten-Schere, mit der ich absolut nichts anfangen kann. Weder online, noch offline. Also Schüss.

Still a better Love Story than Twilight

Ich stehe dazu, Onlinedating zu betreiben. Mal intensiver, mal mit Pause. Aber ich tu’s und ich lieb’s. Nach ein paar Jahren (im einstelligen Bereich) On-off-Tindern kann ich sagen, dass ich bis auf eine Ausnahme nur positive Erfahrungen hatte. Man muss zwar übelst genau selektieren, wen man tatsächlich vorhat, jemanden physisch zu treffen, aber wenn man das tut, dann hatte man in schlimmsten Fall einen Kaffee oder ein Bier mit jemanden, den man nie wieder sehen will oder im besten Fall eine Love Story.

Und mal ehrlich: Der Zweck heiligt die Mittel. Wenn man die Liebe seines Lebens kennengelernt hat, dann spielt es aber sowas von keine Rolle mehr, ob das beim Einkaufen, auf Tinder, bei Elite Partner oder als er oder sie dich auf der Straße nach einem Euro angepumpt hat. Solange es nicht auf einem Parkplatz war und du nicht von einem Vampir vor einem auf dich zurasenden Auto gerettet wurdest, ist alles safe.

Um mal abzuchecken, was sonst noch in puncto Onlinedating geht, habe mir vor knapp zwei Wochen zusätzlich zu meinem schon existierenden Tinder-Account auch einen beim Dating-Gegenpol, bei Elite Partner, zugelegt und einen Vergleich angestellt. Spoiler-Alarm: Ich bin noch immer Single. Dennoch habe ich einige wichtige Erkenntnisse gewonnen, die die Welt erfahren muss.

Tinder

Kennen wir. Lieben wir. Das Prinzip ist einfach. Gefällt dir die Person auf den Bildern plus das, was in der „Bio“ steht, swipest du nach rechts. Wenn nicht, nach links. Swipen beide nach rechts, können sie einander schreiben. Das Nonplusultra-Szenario: Sie mögen sich, sie treffen sich, sie verlieben sich, sie heiraten, kriegen Kinder. Die letzten beiden Handlungen müssen nicht zwingend in der Reihenfolge passieren.

Allerdings hat sich Tinder schnell den Ruf der „Fickapp“ eingeholt. Das liegt vermutlich an Accounts wie dem folgenden:

Foto: Screenshot Tinder © Bereitgestellt von Futter Foto: Screenshot Tinder

Muss man nicht matchen. Kann man aber. So wie ich. Unsere Interessen gehen zwar auseinander, aber ich wollte gerne wissen, wo sich die „BlowmybigdickUniversity“ befindet, vor allem weil ich den Herren zuvor auch schon auf Tinder sah und da fiel mir auf, dass er angegeben hatte, an der „LickyourClitgentlyUniversity“ seinen Abschluss gemacht zu haben. Er wollte es mir nicht sagen und hat mich stattdessen wieder entmatched. Wie unhöflich. Was seine Freundin wohl dazu sagt.

Die Nope-Rückkehrer

Wenn man etwas Besonders sucht, dann wird’s auf Tinder oft holprig, aber nicht unmöglich. Glaubt mir. Der Großteil der Konversationen fühlt sich an wie ein seichter … well … Hirnfurz.

Denn häufig schreiben sie „Hi.“ oder „Hi, wie geht’s.“ Ohne Fragezeichen. Oder „Hi Magda.“ Bäh. Das einzige, was noch schlimmer ist als „Magda“ ist eine Aneinanderreihung von Emojis. Oder sie schreiben gar nicht. Doch das ist mir lieber als Magda. Es zählt schon ein kleines Wunder an sich, wenn beide nach rechts swipen. Von 50 Kandidaten wische ich aber 48 nach links ins Aufnimmerwiedersehen.

Doch dann die Kehrtwende. Aufblende: Männer auf Tinder, wie auch schon der nette Herr mit nackten Oberkörper weiter oben, die ich sicher schon 50 mal sehe und nach links swipe. Und trotzdem: Sie rappeln sich offenbar immer wieder aus dem „Nope“ auf und wollen mich unbedingt kennenlernen. Ja, das ist meine Version. Aber viel wahrscheinlicher ist es, dass der Algorithmus nicht funktioniert oder dass Mark Zuckerberg oder Bill Gates Tinder einfach kaufen und diesen Bug fixen sollten. 

So viel zu Tinder. Nehmen wir nun ein paar Höhenmeter Niveau auf und wechseln zu Elite Partner. Das mit dem Niveau sage nicht ich, sondern die Dating-Plattform selbst.

Elite Partner: Für so ziemlich alle, aber ohne Niveau

Warum Elite Partner als Zielgruppe Akademiker (und „Singles mit Niveau“) einpeilt, wird einem schnell klar. Akademiker verdienen im Durchschnitt mehr Geld. Und davon braucht man sehr viel, wenn man Elite Partner nutzen will. Mindestens 200 Euro sind abzudrücken. Das kürzeste Abo geht über sechs Monate. Gar nicht mal so wenig Schotter, würde ich sagen.

Dennoch, let’s give it a try. Erstmal die Gratis-Version testen, bevor man eventuell „Premium-Mitglied“ wird. Man will ja schließlich nicht die Katze im teuren Sack kaufen.

Das Tückische bei der Gratis-Version: Du siehst die Fotos der anderen Profile nicht, oder zumindest nur verschwommen. Das tut nicht nur dem oberflächlichen Herzen, sondern vor allem den Augen weh, wenn man versucht, trotzdem etwas zu erahnen. Du kannst lediglich eine (!), ich wiederhole eine, Nachricht versenden und eine (!!!) pro User empfangen. Alles, was danach, sind unkenntlich gemachte Texte und Bilder sowie eine nette Aufforderung von Elite Partner erstmal ein bisschen Geld rüberwachsen zu lassen.

Foto: Screenshot © Bereitgestellt von Futter Foto: Screenshot

Man merkt schnell, die Gratis-Version macht wenig Bock. Mindestens 200 Euro liegen zu lassen aber genauso. Und dennoch zieht man es in Erwägung, denn hey, es könnte die Liebe deines Lebens warten. Haha. Die Überlegung, Premium-Mitglied zu werden war für kurze Momente da, wurde aber immer wieder ziemlich schnell verworfen, nachdem ich auf Trust Pilot die haufenweise unterirdischen Bewertungen zu Elite Partner gelesen hatte. Hier ein kleiner Auszug:

  Foto: Screenshot/Trustpilot © Bereitgestellt von Futter Foto: Screenshot/Trustpilot   Foto: Screenshot/Trust Pilot © Bereitgestellt von Futter Foto: Screenshot/Trust Pilot

83 Prozent der insgesamt 488 Bewertungen fielen ungenügend aus. Beim Lesen der Erfahrungsberichte fielen mir viele enttäuschte Frauen auf, die scheinbar auf Männer hereingefallen waren. Männer, die bereits liiert waren und Kinder hatten. Auf ihren Profilen aber gaben sie an, genau danach zu suchen, also etwas Festes. Daran trägt meiner Meinung nach nicht Elite Partner Schuld, doch viele Zahlende sind der Meinung, die Plattform sollte angesichts der horrenden Mitgliedsbeiträge, die Accounts genauer prüfen. Okay, das ist ein Argument.

PS: Ein Jahresabo kostet mindestens 340 Euro. Just saying.

It’s all about the money, money, money

Auch wenn ich bei Elite Partner letzten Endes kein Geld gelassen habe, ging es bereits bei der Registrierung um Scheine und Münzen. Genauer gesagt um jene, die ich und sämtliche Elite-Partner-User_innen jährlich so machen.

© Bereitgestellt von Futter

Außerdem: Genaue Angaben zu meinem Aussehen, meiner Größe, meinem Gewicht, zu meiner Herkunft, wie ich mit Konflikten umgehe und natürlich wie viel ich verdiene. Das auszufüllende Kästchen zum Gehalt war übrigens obligatorisch. Hach, wie romantisch.

All das sollte Elite Partner helfen, passende Partnervorschläge für mich zu finden:

Foto: Magdalena Markovic © Bereitgestellt von Futter Foto: Magdalena Markovic

Ich vermute aber, die Frage nach dem Jahreseinkommen hat noch andere Motive.

Postfach explodiert

Nachdem ich mein Profil erstellt hatte, sah ich erst am nächsten Tag in mein Postfach und da waren allerhand Nachrichten drin. Mit einigen fand ich auf Anhieb Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel waren viele genauso geizig wie ich und schickten gleich ihre Telefonnummer, weil ja nach einer Nachricht Elite Partner Schluss für Nicht-Zahlende macht.

Foto: Screenshot © Bereitgestellt von Futter Foto: Screenshot

Die Nachrichten der Herren, deren Name ich niemals erfuhr, weil bei Elite Partner der Beruf im Vordergrund steht, differenzierten sich nicht sehr von denen, die ich so auf Tinder bekomme.

So fragte mich zum Beispiel „Frühpensionär (36)“: „Warum ist so eine zuckersüße Maus noch Single?„. Gerne hätte ich Frühpensionär diese Frage beantwortet, aber wenn ich es wüsste, dann hätte ich diese bescheuerte Frage niemals über Elite Partner empfangen.

Einige kamen gleich zur Sache und fragten, welche sexuellen Vorlieben ich hatte (das müssen wohl diese Akademiker sein, von denen immer in der Werbung gesprochen wird) und andere fragten mich, ob ich „Bock auf ficken“ hätte. Letztere waren wohl auf der „BlowmydickUniversity“.

In diesem Duell der Duelle gibt es einen klaren Sieger: Tinder. Man muss keine Euro liegen lassen, wenn man nicht will und kriegt dafür nette, interessante oder notgeile Matches. Genauso wie auf Elite Partner, nur dass man dort mehrere Hundert Euro bezahlt und sie es „Partnervorschläge“ nennen.

© Bereitgestellt von Futter

Du hast auch eine Frage für mich? Dann nichts wie her damit. So geht’s:

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#fmich – Conclusio nach dem ersten Tinder-Date post Lockdown

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