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A1: Für Bewegungsprofile sind Mobilfunkdaten viel zu ungenau

futurezone-Logo futurezone 01.04.2020 david.kotrba

Der Mobilfunker legt offen, wie Bewegungsströme analysiert und der Corona-Task-Force vorgelegt wurden.

© Kurier / Jeff Mangione

Als vor zwei Wochen bekannt wurde, dass Österreichs größter Mobilfunker für die Regierung eine Auswertung über das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung erstellt, wurden nicht nur eingefleischte Datenschützer hellhörig. Dass der Staat ohne vorhergehende öffentliche Diskussion Zugang zu Daten über die Bewegungsmuster von Bürgern erhielt, erzeugte kein schönes Bild. In Folge bemühten sich sowohl A1, als auch dessen Datenanalyse-Partner Invenium und Mitglieder der Corona-Task-Force der Regierung darum, die Harmlosigkeit und Nützlichkeit der Aktion zu vermitteln.

Es sei lediglich darum gegangen, die Wirksamkeit der Ausgangsbeschränkungen zu überprüfen, die durch die Corona-Krise notwendig wurden. Vor wenigen Tagen gab Magenta bekannt, ebenfalls Bewegungsstromanalysen an die Corona-Task-Force zu liefern. Alle Mobilfunker betonten bei einer Pressekonferenz mit Ministerin Elisabeth Köstinger, wie wichtig solche Auswertungen zur Eindämmung des Virus seien. Nun geben A1 und Invenium weitere Einblicke in den Prozess, die zeigen sollen, dass das Erstellen von individuellen Bewegungsprofilen damit unmöglich ist.

Menschen in Bewegung

Die Expertengruppe der Regierung erhalte einmal täglich eine Auswertung in Form eines PDF-Dokuments. In diesem ist unter anderem zu sehen, wieviel weniger Menschen in den Zentren der 30 größten Städte Österreichs gegenüber einem Referenztag vor Verhängung der Ausgangsbeschränkungen unterwegs sind. Man sieht dann etwa im Tagesverlauf, dass sich an einem bestimmten Ort um 60 Prozent weniger Menschen als üblicherweise bewegt haben. "An diesen Daten erkennt man etwa, dass an Wochenendtagen oder bei schönem Wetter mehr Menschen draußen sind", meint Michael Cik, Mitgründer von Invenium, einem Spin-Off-Unternehmen der TU Graz.

Für Wien liegen etwas genauere Analysen vor. Hier gibt es Angaben zum Mobilitätsverhalten an mehreren, üblicherweise belebten Orten der Stadt. In der Auswertung außerdem enthalten sind Landkarten, in denen politische Gemeinden eingezeichnet sind. Durch unterschiedliche Einfärbung erkennt man, aus welchen Gemeinden sich wie viele Menschen täglich in Ballungszentren bewegen, etwa Pendler. Zuletzt wird auch angegeben, wie viele Menschen mit ausländischen SIM-Karten im Staatsgebiet unterwegs sind. Daraus kann man etwa ablesen, wie viele Touristen in den vergangenen Tagen das Land verlassen haben.

Um einen Überblick über das Mobilitätsverhalten im ganzen Land zu schaffen, wurde die Bevölkerung in drei Kategorien eingeteilt: Stationäre, eingeschränkt Mobile und Mobile. Seit Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen ist letztere Gruppe signifikant geschrumpft, während die Stationären (Bewegungsradius unter einem Kilometer) stark anwachsen. Nur an Wochenenden gibt es kurzfristige Aufschwünge für die eingeschränkt Mobilen (bis 10 km) und Mobilen.

© Getty Images / gremlin/istockphoto

Anonymität mehrfach abgesichert

Was man aus der Auswertung nicht herauslesen kann, ist, welche spezifischen Personen sich zu welchem Zeitpunkt wo aufhalten. Die Daten, mit denen Invenium seine Analysen durchführe, seien anonymisiert und aggregiert. Das heißt, man sieht die Bewegung von Menschen lediglich in 20er-Gruppen. Einzelne Menschen tauchen darin nicht auf. Wie A1 und Invenium betonen, steckt ein großer Aufwand dahinter, die Anonymität zu gewährleisten. Identifikationsnummern von SIM-Karten werden dabei verschlüsselt, der Schlüssel ist dabei nur 24 Stunden gültig. Erst wenn er gelöscht wurde, erhält Invenium die Daten zur Analyse. Dadurch wird sichergestellt, dass die Anonymisierung nicht rückgängig gemacht werden kann.

Für die Analyse werden lediglich Mobilfunksignalisierungsdaten herangezogen. Die seien klar von den Stammdaten der A1-Kunden getrennt. Invenium kann die anonymisierten Signalisierungsdaten nicht einfach herunterladen, die Analyse wird im Rechenzentrum von A1 durchgeführt. Die Daten werden also nicht weiter verbreitet. Selbst wenn es Cyberkriminelle schaffen würden, an die Daten von A1 zu kommen, könnten sie keine Rückschlüsse auf individuelle Kunden ziehen. Zu guter Letzt reiche die Datenqualität gar nicht aus, um Bewegungsprofile von einzelnen Menschen zu generieren, erklärt Cik. Mit Mobilfunkdaten könne man Positionen nicht genau bestimmen, es gäbe Abweichungen von hunderten bis tausenden Metern. Man könne daraus nicht erkennen, zu welchen Orten genau sich Menschen bewegen.

Fluss statt Wassertropfen

"Wir können lediglich größere Einheiten analysieren und auswerten", meint Mario Mayerthaler aus dem Innovations-Bereich von A1. "Das ist ein großer Unterschied zu anderen Ländern. In China werden etwa genaue Profile erstellt." Das geschehe mittels Navigationssystemdaten (China besitzt ein eigenes GPS-Pendant namens Beidou). Das Vorgehen in Österreich sei dagegen völlig im Einklang mit dem Datenschutzgesetz. Außerdem sei das Verfahren vom TÜV abgesegnet worden. "Für den Krisenschutz ist es völlig uninteressant, wo Frau Maier gerade unterwegs ist", meint Patrick Hasler vom Roten Kreuz dazu. Er ist Mitglied der Corona-Task-Force. "Wir wollen sehen, wohin der Fluss fließt, nicht ein einzelner Wassertropfen."

Warum wurde die Bevölkerung also nicht früher in die Datenübermittlung von A1 an die Regierungs-Experten eingeweiht? "Was wir hier tun, ist per se nichts Neues", meint Mario Mayerthaler. "Das ist ein kommerzielles Produkt, mit dem wir seit drei Jahren am Markt sind." Auf der A1-Webseite könne man seit Jahren sehen, was dabei genau passiere. "Was wir tun, machen mindestens 70 andere Telekommunikationsunternehmen in Europa auch."

Michael Cik ergänzt, dass die Corona-Krise ein schnelles Handeln erforderlich gemacht hat. "Wir haben uns vor knapp drei Wochen gedacht, eigentlich können wir die Regierung mit Mobilitätsanalysen gut unterstützen."

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