Airline: Germania ist endgültig pleite
Für die insolvente Fluggesellschaft gibt es keine Hoffnung mehr. Interessierte Investoren schreckten wegen des engen Zeitplans vor einer Übernahme zurück.
Die Enttäuschung ist in den Aussagen von Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg deutlich zu erkennen. „Wir haben buchstäblich den Interessenten den roten Teppich ausgerollt. Leider konnte oder wollte keiner darüber gehen.“ Grund für diese Aussage: Germania, mit fast 40 Flugzeugen bis vor kurzem eine der kleineren Ferienfluggesellschaft Deutschlands, wird endgültig vom Himmel verschwinden. Der Verkauf der Airline in Gänze und auch in Teilen ist gescheitert. Die rund 1700 Mitarbeiter werden nun in den nächsten Tagen die Kündigungen erhalten. Da das Insolvenzgeld in wenigen Tagen ausläuft, werden sie zudem mit Wirkung Anfang April freigestellt.
In der Branche war eine solche Entwicklung erwartet worden, auch wenn Wienberg immer wieder versucht hatte, Hoffnung auf eine Investorenlösung zu nähren. Germania hatte am 4. Februar Insolvenz angemeldet. Schon vorher hatte das Unternehmen, das dem CEO Karsten Balke gehört, finanzielle Probleme publik gemacht. Eine kurzfristig in Aussicht gestellte Finanzspritze von unbekannter Quelle scheiterte dann allerdings.
In der Luftfahrt gilt: Steht eine Airline einmal im Ruf, in schweren finanziellen Nöten zu sein, ist der Weiterbetrieb schwer. Das Luftbundesamt (LBA) schaut genau hin, ob ausreichend Geld etwa für die Wartung der Jets vorhanden ist. Und viele Systempartner wie Flughäfen verlangen Vorkasse. Im Fall von Air Berlin, die 2017 Insolvenz anmeldete, konnten sich die Beteiligten lange Zeit darauf verlassen, dass Großaktionär Etihad die Rechnung beglich. Eine solche Möglichkeit hatte Germania nicht.
Muss dann Insolvenz angemeldet werden, sind in der Regel sofort die wichtigen Verkehrsrechte weg. Sie werden staatlich zugeteilt, bei einer Pleite werden diese umgehend an andere Airlines gegeben. Wienberg schaffte es zwar in enger Kooperation mit dem LBA und dem Flughafenkoordinator die Rechte vorübergehend zu halten: „Die Behörden haben uns sehr wohlwollend begleitet.“ Doch dazu musste der Verwalter einen rudimentären Flugbetrieb aufrechterhalten, Jets und Crews mussten also einsatzbereit zur Verfügung stehen.
Das kostet und gelang zuletzt immer weniger. Denn gleich mehrere aktuelle Entwicklungen machten Wienberg schwer zu schaffen. Erst stellte der Reisekonzern Thomas Cook seine Airlines ins Schaufenster – darunter auch die deutsche Condor. Plötzlich orientieren sich potenzielle Interessenten um.
Und dann wurde der Kurz- und Mittelstreckenjet Boeing 737 Max nach zwei Totalverlusten „gegroundet“. Weil Airlines wie etwa Tuifly plötzlich Ersatz für den bevorstehenden Sommer benötigten, waren freie Flugzeuge heiß begehrt. Die Folge: Die Leasingfirmen der Germania-Flotte drängten und wollten die Flugzeuge anderen anbieten – zu guten Tarifen. Wienberg dagegen konnte die Leasingraten nicht zahlen, das Vertrösten gelang am Ende nicht mehr.
Zu all dem gesellte sich noch ein enormer Zeitdruck. „Weniger als zwei Monate sind für die Investoren sehr wenig, um eine Übernahme zu planen, durchzurechnen und darüber zu entscheiden“, lässt sich Wienberg in seiner Erklärung zitieren: „Zumal der Fall aufgrund des Groundings, der geleasten Maschinen und der entzogenen Betriebsgenehmigung außerordentlich komplex war.“