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Alarm bei den Casinos: Hohe Verluste, hartes Sanierungspaket

KURIER-Logo KURIER 13.06.2020 andrea.hodoschek

Mindestens 60 Millionen Euro Minus, Liquiditätshilfe von den Lotterien, Kündigungen, Schließungen?

© Gilbert Novy

Höchste Alarmstufe herrscht beim teilstaatlichen Glücksspielkonzern Casinos Austria. Die zwölf Inlandscasinos werden heuer einen Verlust von mindestens 60 Millionen Euro einspielen, in einem pessimistischen Szenario wird von 100 Millionen ausgegangen. Für die nächsten vier Jahre wird ein kumulierter Verlust von mehr als 150 Millionen prognostiziert, wenn nicht die Notbremse gezogen wird.

Die Casinos haben seit etlichen Jahren strukturelle Probleme. Zu hohe Personalkosten, zu viele Mitarbeiter, nur wenige Standorte erwirtschaften Gewinne. Das 2019 in Kraft getretene Rauchverbot schwächte die Profitabilität der Betriebe weiter, für 2020 wurde daher ein negatives Finanzergebnis von acht bis zehn Millionen Euro prognostiziert.

Brandbeschleuniger

Die Corona-Krise wirkte jetzt wie ein Brandbeschleuniger. Alle Standorte 76 Tage geschlossen, das Geschäft läuft nur zögerlich an, die so wichtigen Touristen bleiben aus.

Tatsächlich sind nur vier von zwölf Standorten profitabel. Die höchsten Gewinne bringen Wien und Bregenz, im Plus sind noch Innsbruck und Salzburg. Der größte Verlustbringer ist das Casino Baden, das unter dem jahrzehntelangen CEO Leo Wallner von Beginn an völlig überdimensioniert war und die Investitionen nie zurück verdiente.

Wallners Nachfolger Karl Stoss verkündete die gelungene Sanierung der Casinos, doch das war nur die halbe Wahrheit. Ab 2006 wurde ein zweites, niedrigeres Gehaltsschema eingeführt, allerdings nur für die neu eintretenden Mitarbeiter. 220 altgediente Croupiers beispielsweise haben ein Durchschnittsgehalt von rund 130.000 Euro, die Betriebspensionen nicht berücksichtigt.

Obwohl jedes Casino ein eigenes Management hat, werken im Headquarter weitere 220 Mitarbeiter (von insgesamt 770) für die Casinos-Betriebe. Die Kosten dafür belaufen sich auf mehr als 50 Millionen Euro im Jahr.

Die Liquidität der Casinos verschlechterte sich durch die Betriebssperre derart rasant, dass sogar Insolvenzgefahr drohte. Weshalb Ende Mai 53 Millionen Euro aus den Lotterien zugeschossen wurden. Dort wurde das Kapital um 100 Millionen Euro herabgesetzt. Aus der Dividende für 2019 (insgesamt 70 Millionen Euro) wurden Finanzverbindlichkeiten über 30 Millionen Euro getilgt. Die Casinos halten an den Lotterien 74 Prozent, die Tochter ist die Cash-Cow des Konzerns. Die Liquiditätsspritze dürfte allerdings, befürchten Insider, höchstens bis November reichen.

Unter dem Arbeitstitel „ReFIT“ startete der Vorstand im April ein umfassendes Restrukturierungs- und Sanierungskonzept. Mit dabei ein Team von McKinsey, der knapp sechswöchige Beratungsauftrag kostet die Casinos rund 500.000 Euro.

Job-Abbau

An einem Job-Abbau dürfte leider kein Weg vorbei führen. Die Casinos beschäftigen inklusive Gastronomie rund 2000 Mitarbeiter, um 50 Prozent zu viel, befürchten Insider. So hat alleine das Casino Wien mehr als 110 Croupiers. Insgesamt zählt der Konzern 4000 Mitarbeiter.

Casinos-Chefin Bettina Glatz-Kremsner © APA/HANS PUNZ / HANS PUNZ Casinos-Chefin Bettina Glatz-Kremsner

Ein Rundschreiben des Vorstands an die Mitarbeiter von dieser Woche weist auf die Probleme hin, ist ansonsten aber recht vage. Casinos-Chefin Bettina Glatz-Kremsner ist der Ernst der Lage klar. Wie man aus dem Unternehmen hört, hatte sie in der Vorwoche ein Gespräch mit den Betriebsräten, das nicht sehr freundlich verlaufen sein soll. Auch die erste Management-Ebene soll informiert worden sein. Glatz-Kremsner hat die Probleme von ihren Vorgängern geerbt und soll jetzt eine sehr klare Linie vorgegeben haben. Ob Casinos gesperrt werden, ist noch nicht klar.

Die finalen Auswirkungen der Corona-Krise seien derzeit noch nicht absehbar, erklärt dazu Casinos-Sprecher Patrick Minar. Schon jetzt aber sei klar, dass umfangreiche Maßnahmen notwendig seien für eine „nachhaltig positive Zukunft“. Man prüfe derzeit alle Optionen.

Auch Staatshilfe. Derzeit sind 90 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit, geprüft wird ein Antrag beim Notfallfonds. Ebenso will der Konzern um Stundungen für Steuern und Sozialversicherungsbeiträge ansuchen, die Zahlungsziele erstrecken und Mietkosten reduzieren.

Die Übernahme der Novomatic-Anteile durch die tschechische Sazka Group wird demnächst vollzogen © APA / apa Die Übernahme der Novomatic-Anteile durch die tschechische Sazka Group wird demnächst vollzogen

Die Glücksspieltempel sollen neu konzipiert werden. Weniger Croupier-Spiel, mehr Automaten. Man wolle das abendliche Ausgeh-Publikum nicht verlieren, müsse aber stärker auf die spielenden Gäste setzen, heißt es.

Für die Automatenhallen winwin, wo von den Casinos mit der Lotterie-Konzession sogenannte Video Lottery Terminals (vernetzte Slotmaschinen) betrieben werden, ist für 2020 ein Verlust von rund sieben Millionen kalkuliert.

Auch die Auslandstochter CAI (Casinos Austria International) hat für das heurige Jahr ein negatives Betriebsergebnis von 13 Millionen Euro budgetiert.

Die Lotterien rechnen aufgrund der Wirtschaftskrise ebenfalls mit einem rückläufigen Ergebnis, bleiben aber positiv. Der Tochter Sportwetten ist das Angebot weggebrochen.

Gewinner der Krise ist die Online-Plattform win2day. Das Homeoffice verleitet zum Gambeln, die Zahl der Neukunden sowie die Einsätze steigen.

Minar weist auf die Erfolge der Vergangenheit hin. Dass der Konzern im Vorjahr 112 Millionen Rekordgewinn einfuhr und allein die Casinos in den letzten zehn Jahren 850 Millionen Euro an Steuern ablieferten.

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