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Autohandel: Wie sinnvoll ist eine Schrottprämie?

Die Presse-Logo Die Presse 21.04.2020 von Norbert Rief
© Bereitgestellt von Die Presse

Wien. Es sind nicht die ersten schlechten Nachrichten, und es werden sicherlich nicht die letzten sein: Am Dienstag meldete die PSA-Gruppe (u. a. Peugeot, Opel, Citroën) einen Absatzrückgang im ersten Quartal um fast 29 Prozent (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Zuvor hatten schon andere Autobauer ähnlich schlechte Zahlen präsentiert, im VW-Konzern beträgt das Minus in den ersten drei Monaten 23 Prozent, bei BMW 25 Prozent.

Einbrüche, die man bis zum Jahresende nicht wird aufholen können. Der Ruf nach staatlicher Hilfe wird deshalb immer lauter, vor allem in Deutschland, das wie kein anderes Land in Europa von der Autoindustrie abhängig ist. „Die Produktion der Automobilindustrie kann nur hochfahren, wenn auch der Absatz der Fahrzeuge gesichert ist“, meinte VW-Kernmarkenchef Ralf Brandstätter am Montagabend.

Geld für E-Autos

Doch wie geholfen werden soll, darüber gehen die Meinungen breit auseinander. Die deutschen Autobauer hätten, wie der Autohandel in Österreich auch, gern eine Verschrottungs- bzw. Ökoprämie ähnlich 2009. Damals in der Finanzkrise schossen der Staat und die Händler 1500 Euro, in Deutschland sogar 2500 Euro für jedes neu gekaufte Auto zu.

Die Befürworter dieses Modells argumentieren, dass man so gleich zwei Ziele erreichen könnte: einerseits eine Belebung der Industrie, andererseits eine Erneuerung der bestehenden Fahrzeugflotte, wenn alte, wenig umweltfreundliche Autos verschrottet werden. „So kombinieren wir wirtschaftliche Erholung mit wirksamem Klimaschutz, anstatt beides gegeneinander auszuspielen“, argumentierte BMW-Vorstandschef Oliver Zipse.

VW-Manager Brandstätter hat bereits einen Vorschlag: „Eine Idee wäre beispielsweise, dass sich die Höhe der Förderung an der Höhe des CO2-Ausstoßes des jeweiligen Neufahrzeugs bemisst.“

Dreistufiges Fördermodell

Die deutschen Autoimporteure schlugen am Dienstag gar ein dreistufiges Fördermodell vor: eine Verdoppelung der Kaufprämie für Elektroautos, eine Förderung für Verbrenner mit einem Ausstoß von weniger als 95 Gramm CO2 pro Kilometer und eine klassische Verschrottungsprämie für Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 4 oder schlechter.

Nicht nur Umweltschützer stehen einer Abwrackprämie zwiespältig gegenüber. Ja zu einer Prämie für Elektroautos, mit einer Förderung für Autos mit Verbrennungsmotor würde man aber nur ein überholtes Konzept unterstützen, meint etwa Greenpeace. Auch der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität St. Gallen bezeichnet eine Abwrackprämie als „unsinnig“: Durch sie würden ökonomische Werte mutwillig – eben durch Verschrottung – zerstört. „Noch brauchbare Häuser abzureißen, nur um neue Häuser bauen zu können, ist ökonomischer Unsinn“, so Dudenhöffer.

Er will stattdessen eine Senkung der Mehrwertsteuer – zeitlich begrenzt und nur für höherwertige Produkte, denn „einfache Produkte kaufen die Leute ohnehin“. Profitieren würden seiner Meinung nach vor allem deutsche Premiummarken. „Nicht das Schlechteste, weil diese Fahrzeuge zu großen Teilen von Arbeitnehmern in Deutschland gebaut werden.“

Gegen jede Art von Förderung

In diesen Förder-Chor stimmt der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, der gebürtige Österreicher Gabriel Felbermayr, nicht ein. „Ich halte die Subventionierung der Automobilbranche durch Kaufanreize für Autos, sei es über eine Abwrackprämie oder eine besser klingende Innovationsprämie, für entbehrlich“, erklärte er am Dienstag. Die Prämie wäre sehr teuer und sei der aktuellen Situation auch nicht angemessen, weil die Menschen Liquidität hätten und auch leicht an Kredite mit guten Konditionen kämen.

Anfang Mai wird die deutsche Regierung mit Vertretern der Autoindustrie über mögliche Hilfsmaßnahmen diskutieren. Dann könnte man auch in Österreich schon klarer sehen. Hier gab es in den vergangenen Tagen viele informelle Gespräche über eine Kaufprämie für Neuwagen.[QEGDH]

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