Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Billiger und ethisch vertretbarer: Tesla und Co wollen Akkus ohne Kobalt bauen

derStandard-Logo derStandard 07.06.2021
© Foto: AFP/Steve Jordan

Die Umkrempelung des Automarktes – weg von Verbrennungsmotoren und hin zu Elektro – sorgt für harte Konkurrenz. Immer mehr etablierte Hersteller wollen sich ein möglichst großes Stück Kuchen am wachsenden Markt sichern und versprechen mitunter, schon im kommenden Jahrzehnt keine Benzin- oder Diesel-Fahrzeuge mehr zu bauen.

Um den Markt wachsen zu lassen, müssen E-Autos allerdings leistbarer werden, weswegen Hersteller fieberhaft nach Möglichkeiten suchen, Kosten zu drücken, ohne dabei ihre Produkte zu entwerten. Und bei einer der wichtigsten Komponenten, so berichtet Bloomberg, zeichnet sich eine Wende ab: Dem Akku.

Hauptsächlich aus dem Kongo

Wenn es nach Tesla, VW und anderen Konzernen geht, dann könnten die Batterien in Zukunft mit viel weniger oder gar keinem Kobalt auskommen. Bisher war das Metall ein Kernbestandteil der Energiespeicher, dessen Anteil aber nach und nach reduziert wurde. Derzeit macht er in der Regel etwa 20 Prozent des verwendeten Materials aus. Beim Marktforschungsunternehmen LMC Automotive rechnet man aus, dass bei den Herstellungskosten eines Elektroautos aktuell alleine 850 Dollar auf das Kobalt entfallen.

Jedoch gibt es zwei große Probleme damit. Erstens: Die mit Abstand größten Reserven und Fördermengen liegen in und kommen aus der Demokratischen Republik Kongo, einer Konfliktregion. Die Arbeitsbedingungen in den Minen sind oft sehr schlecht und gefährlich, immer wieder wird auch von Kinderarbeit berichtet.

Zweitens: Der Preis von Kobalt fluktuiert massiv. Nachdem er Anfang des Jahrzehnt bei rund 30.000 Dollar pro Tonne lag, stieg er zwischen 2016 und 2019 auf 115.000 Dollar. Der Preis sank dann zwar wieder, schlug vor nicht all zu langer Zeit jedoch wieder auf 65.000 Dollar aus, um sich auf aktuell etwa 45.000 Dollar einzupendeln. Für die Hersteller ist er damit eine kaum kalkulierbare Kostenstelle.

Mangan billiger und weiter verbreitet

Als vielversprechender Kandidat für die Ablöse gilt Mangan, das auch bisher schon im Rahmen der Akkuherstellung gebraucht wurde. Dessen Preis liegt jedoch viel niedriger, bei etwa 2000 Dollar pro Tonne. Es ist das 25. häufigste Element auf der Erde und kommt in der Erdkruste mit einem Massenanteil von 0,09 Prozent ungefähr so häufig vor wie Kohlenstoff. Es ist das dritthäufigste Übergangsmetall nach Eisen und Titan.

In der United States Geological Survey 2021 werden die weltweiten Gesamtreserven an Kobalt auf etwa 7,1 Millionen Tonnen geschätzt. Bei Mangan hingegen soll sich der potenziell abbaubare "Vorrat" auf 1,3 Milliarden Tonnen belaufen. Abbau und Anteile sind dabei weniger konzentriert. Die größten Reserven und Liefermengen bietet Südafrika, dahinter folgen Australien, Gabun, Brasilien, Ghana und China.

Hersteller in Lauerstellung

Mangan soll eine wesentliche Rolle dabei spielen, wenn Tesla letztlich sein Versprechen eines 25.000-Dollar-Elektroautos umsetzt. Volkswagen will für seine künftigen elektrischen Einstiegsmodelle gänzlich auf "Kobalt-freie" Chemie setzen.

Für die weitere Senkung des Kobalt-Anteils zugunsten von Mangan gibt es aber noch Fragen zu klären. Dabei geht es etwa um die Energiedichte und damit Effizienz und Kapazität der Akkus, als auch um die chemische Stabilität und Sicherheit. Laut LMC zeigen sich die Forscher aber zuversichtlich, diese Hürden nehmen zu können. Die Autohersteller seien bereits in Stellung gegangen, wenn es darum gehe, sich größere Mangan-Lieferungen zu sichern. (gpi, 07.06.2021)

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von derStandard

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon