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Coronavirus: WHO fordert Luftbrücken für Versorgung mit Tests und Schutzmaterial

Die Presse-Logo Die Presse 20.03.2020
© Bereitgestellt von Die Presse

Neben den Engpässen bei Schutzmaterial für medizinisches Personal behindern Reisebeschränkungen und Flugstopps den Kampf gegen das Coronavirus. "Wir haben große Probleme mit dem Nachschub", sagte WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan am Freitag in Genf. "Aber wir brauchen auch Luftbrücken, um Material in die Länder zu bringen, die es brauchen."

Die WHO habe 1,5 Millionen Tests an bedürftige Mitgliedsländer verschickt. Der Bedarf in wenigen Wochen liege aber bei 80 bis 100 Mal dieser Menge, sagte Ryan. Nur, wenn sämtliche Verdachtsfälle getestet würden, könne man das Virus eindämmen.

Die WHO schätzt, dass weltweit 26 Millionen Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte irgendwann mit einem Covid-19-Patienten in Kontakt kommen. Für alle müssten unbedingt Masken, Handschuhe und Schutzanzüge zur Verfügung stehen. "Für mich wäre es die größte Tragödie, wenn wir Teile unseres medizinischen Personals verlieren", sagte Ryan. "Wir müssen sicherstellen, dass die Tapfersten den bestmöglichen Schutz erhalten."

Chinesischer Lieferant für Schutzmaterial gefunden

Die WHO hat einen Lieferanten in China gefunden, der demnächst Schutzmaterial liefern kann, wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte. Er kritisierte Länder, die Ausfuhren stoppen. Die Leiterin der WHO-Abteilung neue Krankheiten, Maria van Kerkhove, rief gesunde Menschen auf, die Masken abzulegen. "Tragt keine Masken, hortet keine Masken", sagte sie. Nur, wer krank ist oder sich um einen kranken Angehörigen kümmere, brauche eine Maske. Alle anderen Masken sollten für medizinisches Personal zur Verfügung stehen.

Die WHO will künftig auch den Chatdienst WhatsApp nutzen, um Zugang zu Informationen über das neuartige Coronavirus zu ermöglichen. In dem Messenger soll es unter anderem aktuelle Nachrichten, Hinweise zu Symptomen und Schutzmaßnahmen sowie Lageberichte geben, wie die WHO und die WhatsApp-Mutter Facebook am Freitag mitteilten. Den Service soll man über einen Link erreichen, der einen WhatsApp-Chat öffnet. WhatsApp ist ein führender Chatdienst mit mehr als zwei Milliarden Nutzern.

Weiter Mangel an Tests in den USA

In den USA gibt es weiterhin zu wenige Tests für das Coronavirus. Auch Menschen mit Krankheitssymptomen hätten derzeit nicht flächendeckend Zugang zu Tests, sagte der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, am Freitag bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus.

Seit der Privatsektor einbezogen sei, würden Testmöglichkeiten deutlich ausgeweitet. "Aber ich verstehe und fühle mit den Leuten mit, die zu Recht sagen: Ich versuche, einen Test zu bekommen, und ich kann ihn nicht bekommen." Fauci ist ein zentrales Mitglied der Coronavirus-Arbeitsgruppe im Weißen Haus.

EU lässt Export von Schutzausrüstung in die Schweiz zu

EU-Exporte von Virus-Schutzausrüstung in die Schweiz sind neuen Vorgaben der Europäischen Kommission zufolge ohne weitere Genehmigung erlaubt. Wie die Brüsseler Behörde am Freitag mitteilte, hat sie am Vortag eine entsprechende Anleitung zur Ausfuhr von persönlicher Schutzausrüstung im Zuge der Covid-19-Epidemie herausgegeben.

Normalerweise ist für Exporte dieser Güter in Nicht-EU-Länder wegen der Krise eine Erlaubnis erforderlich. Wegen der besonderen Produktions- und Lieferketten mit bestimmten Ländern habe die Kommission jedoch Ausnahmen insbesondere für die EFTA-Länder festgelegt. Keine Genehmigung sei deshalb vom 21. März an mehr nötig für Ausfuhren entsprechenden Materials nach Norwegen, Island, Liechtenstein und in die Schweiz sowie die Färöer-Inseln, nach San Marino, Andorra und in den Vatikan. Gleiches gelte für assoziierte Länder und Territorien mit besonderen Beziehungen zu Dänemark, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien.

Die vorübergehende Genehmigungspflicht sollte verhindern, dass in der Krise wichtiges medizinisches Material die EU verlässt. In der Schweiz war in den vergangenen Wochen Unmut entstanden, weil eine Lieferung von Schutzmasken nach ihrer Ankunft im Hamburger Hafen nicht unverzüglich weitertransportiert wurde.

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