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Ex-RLB-Chef Marhold gab Commerzialbank nur paar Jahre

k.at-Logo k.at 21.01.2021 Redaktion k.at

Der ehemalige Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Burgenland Julius Marhold hat im Commerzialbank-U-Auschuss in den Ausschlussprozess der späteren Commerzialbank Einblick gegeben. Er hätte der von Martin Pucher gegründeten Bank nur ein paar Jahre gegeben, erklärte Marhold dabei am Donnerstagabend.

© APA - Austria Presse Agentur

Marhold ist seit 2013 in Pension, interessant für die Abgeordneten waren aber ohnehin die frühen 90er-Jahre, als die Raiffeisenbank Schattendorf unter Pucher aus der Gruppe der Raiffeisenbanken ausgeschlossen wurde. Hierfür habe es zwei Anlassfälle gegeben: Zum einen habe die Raiffeisenbank Schattendorf im Tätigkeitsgebiet einer anderen Raiffeisenbank eine Bankstelle errichten wollen und zum anderen habe die Revision 1993 festgestellt, dass Kredite im Ausmaß von 45 Mio. Schilling ausfallsgefährdet waren. Dabei hatte die Bank nur 55 Mio. Schilling Eigenkapital. Die Bank habe in weiterer Folge 1994 ihren Austritt erklärt, woraufhin eine Revision angeordnet wurde. Nachdem die Revision trotz mehrmaliger Versuche nicht zugelassen wurde, wurde die Bank dann ausgeschlossen.

Marhold attestierte Pucher schon in den Jahren davor ein "gewisses Napoleonsyndrom", da er sein Tätigkeitsgebiet auf ganz Österreich erweitern wollte: "Mit der Entfernung zum Kreditnehmer steigt im Quadrat das Risiko. Der Anflug zum Größenwahn war damals schon da." Auch seien in der Raiffeisenbank Schattendorf Devisenspekulationen in die Satzung aufgenommen worden: "Die Welt, in der Pucher lebte, war anders als die biedere, solide Welt von Raiffeisen."

"Er hat zwei starke Interessen gehabt: Er wollte sich im Geschäft nicht dreinreden lassen, weil er der Beste war und er wollte entsprechende Mittel haben für seinen Fußballverein. Das waren seine Beweggründe." "Bei uns wäre er kein Jahr mehr Geschäftsleiter gewesen", es war daher eine berufliche Überlebensfrage und Pucher sei schon damals sehr engagiert im Fußball gewesen. Die Revision prüfte auch Werbeausgaben und die der Raiffeisenbank Schattendorf seien "über dem Durchschnitt anderer Raiffeisenbanken" gelegen – "um das vorsichtig auszudrücken", meinte Marhold.

"Wir haben uns gefreut, dass wir sie als Mitbewerber nicht gespürt haben", den Ausfall der 3 Prozent an Spareinlagenvolumen habe man innerhalb eines halben Jahres aufgeholt: "Die Commerzialbank war als Wettbewerber nicht vertreten." Marhold stellte fest: "Jeder Mitbewerber schmerzt. Wenn man Platzhirsch ist, wird man von allen angeknabbert. Ich habe befürchtet, dass sie uns anknabbern, aber dem war nicht so."

Im Zuge des Ausschlusses habe die Landesregierung in einem Schreiben an die Raiffeisenlandesbank mitgeteilt, dass sie die Revision übernimmt, sobald die Raiffeisenbank ausgetreten ist. Marhold erklärte, dass es auch möglich gewesen wäre einen Revisor seitens des Firmenbuchs zu bestellen.

Der ehemalige Bankdirektor erläuterte auch die Aufgaben des Revisionsverbandes, nämlich die Bestellung des Prüfers, die Überprüfung der Qualifikation dieses Prüfers, die Prüfung der effizienten Durchführung der Revision und die Supervision des Revisionsberichtes – "also den Bericht anzuschauen" und diesen zusammen mit einer Stellungnahme an die Organe der Bank zu übermitteln.

Marhold stellte fest, dass man sich bei einem Blick in die Bilanz der Commerzialbank fragen hätte müssen: "Wie funktioniert so ein Geschäftsmodell?" Der Mann müsste dann ein "Wunderwuzzi" sein. Beim Ausschluss der Raiffeisenbank Schattendorf habe man der späteren Commerzialbank eine Überlebensdauer von maximal zehn Jahre gegeben. Froh, Pucher los zu sein, sei man nicht gewesen: "Das war nicht der Sinn." Man habe ihn ausgeschlossen, da Pucher nicht bereit war, die Werte einzuhalten. Intention wäre eher eine Ablöse gewesen, so der frühere Generaldirektor.

Thematisiert wurde auch die Rolle von Wirtschaftsprüfer Gerhard Nidetzky, Gründer der TPA. Von diesem habe man im Zuge des Ausschlusses auch ein Schreiben bekommen, dass die Kredite in Ordnung seien und bei der Bank keine Ausfallsgefährdung besteht. Marhold glaubt, dass die Commerzialbank die erste Bank gewesen sei, die Nidetzky geprüft hat.

Der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzialbank Josef Giefing, der im U-Ausschuss am Donnerstag ebenfalls befragt worden war, war als Vertreter des Bezirks Mattersburg auch in der Raiffeisenlandesbank vertreten, erklärte Marhold. Giefing habe dort jedoch die Unwahrheit gesagt und wurde zum Rücktritt aufgefordert. Man wollte auch die Trennung von Pucher, dies habe Giefing aber abgelehnt: "Das war vergebene Liebesmüh", so Marhold weiter, mit dessen Befragung die Sitzung am Donnerstag abgeschlossen wurde.

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