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Gibt es nach Corona keine Mega-Transfers mehr?

Heute-Logo Heute 20.03.2020

Das Coronavirus hat den Fußball fest im Griff. In den größten Ligen der Welt rollt der Ball nicht mehr, Bewerbe werden verschoben. Und es drohen weitreichende Folgen.

Gibt es nach Corona keine Mega-Transfers mehr? © imago images Gibt es nach Corona keine Mega-Transfers mehr?

Der Fußball steckt mitten in der Corona-Krise. Viele Vereine haben existenzielle Sorgen und Ängste. Der Stillstand trifft nicht nur die Klubs und ihre Mitarbeiter, Verbände, Spieler, Fans und Funktionäre, sondern hat auch Auswirkungen auf die Branche der Spielerberater.

Christoph Graf ist mit seiner Firma Graf Sports International seit Jahren etabliert und vermittelt neben Fußballern auch Eishockey-Profis. „Der Fußball ist ein Betrieb, der laufen muss, sonst bleiben die Zahlungsströme aus", sagt Graf. „Wie groß die Auswirkungen durch der Unterbruch sein werden, kann man noch nicht sagen, weil noch so vieles offen ist." Erst einmal geht es darum, die Existenz zu sichern. „Der Sport ist zusammen mit der Gastronomie und dem Detailhandel einer der ersten Wirtschaftszweige gewesen, der von der Krise betroffen war. Ich hoffe auf staatliche Hilfe im Fußball und Eishockey, nicht nur in Form von Krediten, sondern als Unterstützung", sagt Graf.

Philipp Degen sagt, er habe so einen Stillstand noch nie erlebt. Aber man sehe, wie wichtig der Sport in unserer Gesellschaft geworden sei. „Es ist aber zu früh, um jetzt schon über die Auswirkungen oder Zukunftsprognosen zu sprechen. Stand heute glaube ich noch daran, dass die Saison in der Schweiz mit Geisterspielen zu Ende gespielt wird. Wir haben mit der Verlegung der EM und einer eventuellen Verkürzung der Winterpause viel Zeit gewonnen."

Der ehemalige Basel-, Dortmund- und Liverpool-Profi ist einer der aufstrebenden Berater. Seine SBE Management AG hat Spieler wie Loris Benito (Bordeaux), Shkodran Mustafi (Arsenal), Kevin Rüegg (FCZ) und Aldo Kalulu (Swansea) unter Vertrag. „Ich sage meinen Spielern: Es bringt nichts, zu jammern", so Degen, „aber natürlich wird sich nach der hoffentlich bald überstandenen Krise der Markt verändert haben."

Die ausbleibenden Einnahmen würden Folgen für das Transfergeschäft haben. Degen: „Wir müssen zur Normalität zurückfinden und Arbeitsplätze sichern. Es ist auch die Chance umzudenken, bodenständiger und seriöser zu handeln." Für Graf ist klar, dass es für viele ums Überleben geht. Clubs in Not werden ihr „Tafelsilber" verkaufen müssen. „Verkäufe in Not drücken aber den Preis", sagt Graf.

„Alle leiden auf ihrem Niveau, die Kleinen wie die Großen. Auch die Großen wie zum Beispiel ein BVB haben Einbußen, nur haut es ihn nicht gleich um. Die Möglichkeiten – Ausnahmen bilden Topklubs und Topspieler – werden sinken." An einen totalen Einbruch glaubt Graf indes nicht. „Der Marktwert ist, was geboten wird. Und England als großer Treiber wird weiterhin den Markt bestimmen."

Lohnverzicht, sinkende Ablösesummen und kleinere Kader wirken sich auch auf die Berater-Branche aus. „Nicht alle Berater haben in den letzten Jahren wie Mino Raiola (Pogba, Haaland, Donnarumma, Verratti) oder Jorge Mendes (Cristiano Ronaldo, Ederson, Bernardo Silva) Millionen verdient. Der Verdienst eines Beraters in Europa liegt bei durchschnittlich 30.000 Euro", sagt Graf, der auch Präsident der Vereinigung Swiss Football Agents Association (SFAA) ist. „Und es gibt auch nicht hunderte Cristiano Ronaldos oder Neymars. Fakt ist: Weniger Transfersumme und weniger Lohnsumme wirken sich auf den Berater aus. Die Aussichten sind unerfreulich – und staatliche Unterstützung gibt es nicht."

„Den Markt regulieren Angebot und Nachfrage, wie sich das dann darstellt, werden wir sehen. Wenn die Spiele nachgeholt werden sollten, müssen wir auch die Transferfrist ausdehnen", sagt Degen. Lösungen braucht es auch für jene Verträge, die am 30. Juni auslaufen, sofern die Meisterschaften fortgesetzt und nicht beendet wären. Und es braucht Kompromisse für Spieler und Klubs, die für den kommenden Sommer bereits einen Transfer unterschrieben haben.

„Außerordentliche Zeiten erfordern außerordentliche Maßnahmen", sagt Degen. „Wir brauchen Lösungen, aber werden uns auch mit Kompromissen abfinden müssen. Aufgeben ist keine Option. Nach diesem Motto habe ich immer gelebt, und das gebe ich jetzt meinen Spielern und Angestellten weiter. In jeder Krise wird auch ein Champion geboren."

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