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Guggenberger: "Fragwürdiges habe ich mehrfach angesprochen"

KLEINE ZEITUNG-Logo KLEINE ZEITUNG 05.07.2018 Kleine Zeitung

Für kirchliche Verhältnisse ist es atemberaubend, wie schnell nach dem Wechsel von Bischof Alois Schwarz nach St. Pölten in Kärnten jetzt von Ihnen und vom Domkapitel durchgegriffen wird. Die Schieflagen im Bistum müssen enorm sein, dass Bischofsentscheidungen so rasch korrigiert werden?

Engelbert Guggenberger: Eine erste Analyse hat ergeben, dass es im Bistum, das als bischöfliches Mensalgut klar von der Diözese zu unterscheiden ist, Probleme betreffend Arbeitsklima sowie wirtschaftliche und personelle Situation gibt. Die gesetzten Handlungen sind eine erste Reaktion darauf.

Werden jetzt im Bistum Verträge, Buchungen, Projekte durchleuchtet?

Engelbert Guggenberger: Wir sind in der Phase der Analyse und Begutachtung und werden Schritt für Schritt Entscheidungen treffen und umsetzen. Relevante Dinge werden der Öffentlichkeit mitgeteilt. Wir gehen zügig, aber sorgfältig vor, um niemandem Unrecht zu tun. Wir wollen sachgerecht agieren, die Wahrheit auf den Tisch bringen und uns im Rahmen des kirchlichen Rechtes bewegen.

Die Folge könnten personelle Veränderungen und Umstrukturierungen im Bistum sein?

Engelbert Guggenberger: Alles ist möglich.

Wenn jetzt der als externer Berater agierende Geschäftsführer des Bistums, Andreas Maier, einen Beirat zur Seite gestellt bekommt, so ist das doch als Misstrauensvotum zu bewerten, oder?

Engelbert Guggenberger: Das will ich nicht kommentieren. Wir setzen Maßnahmen, die wir für notwendig halten.

Ist es das Ziel, für das millionenschwere Bistum mit den rund 80 Mitarbeitern künftig nicht mehr einen Nebenbei- sondern wieder einen hauptamtlichen Geschäftsführer zu installieren?

Engelbert Guggenberger: Jede Aussage dazu wäre ein Vorgriff. Wir sind jetzt in der Phase der Analyse.

Engelbert Guggenberger an seinem neuen Arbeitsplatz, dem bisherigen Schreibtisch des Bischofs / Bild: Eggenberger © Engelbert Guggenberger an seinem neuen Arbeitsplatz, dem bisherigen Schreibtisch des Bischofs / Bild... Engelbert Guggenberger an seinem neuen Arbeitsplatz, dem bisherigen Schreibtisch des Bischofs / Bild: Eggenberger

Die Erwartungshaltung in Sie ist sehr hoch. Ist sie erfüllbar?

Engelbert Guggenberger: Das müssen dann andere beurteilen.

Was sagen Sie jenen, die hinterfragen: Da will einer das System bereinigen, der als Generalvikar über Jahre das Alter Ego des Bischofs und damit zweit höchster Vertreter des Systems war?

Engelbert Guggenberger: Ich bin jetzt in eine Verantwortung gesetzt und erfülle diese. Davor hatte ich eine andere Verantwortung. Gerade was das Bistum anbelangt, hat der Generalvikar weder Einblick noch trägt er dafür Verantwortung. Die Verantwortung für das Bistum liegt einzig beim Bischof. Diese Konstruktion gibt es so nur in Kärnten und in keiner anderen Diözese.

Im Bistum wurde von Bischof Alois Schwarz der Aufsichtsrat als Kontrollgremium ausgeschaltet. Bis zur Amtseinführung eines neuen Diözesanbischofs sind nun allerdings Sie verantwortlich, korrekte Maßstäbe wiederherzustellen?

Engelbert Guggenberger: Das ist bereits geschehen. Der Wirtschaftsverwaltungsrat ist in seiner, dem Kirchenrecht entsprechenden Funktion als Kontroll- und Aufsichtsorgan wieder eingesetzt.

Verraten Sie uns rückblickend: Haben Sie kirchenintern sehr wohl auf bedenkliche Entscheidungen des Bischofs und auf Entwicklungen hingewiesen?

Engelbert Guggenberger: Ich habe, ebenso wie andere hochrangige Kirchenvertreter und Führungskräfte auch, Schieflagen, fragwürdige Entwicklungen und Wahrnehmungen betreffend des persönlichen Umfelds des Bischofs ihm persönlich gegenüber und auch in Gremien immer wieder angesprochen. Wir mussten dann zur Kenntnis nehmen, dass Funktionen und Entscheidungen von der Diözesan- auf die Bistumsebene verlagert wurden, wo wir nichts mitzureden hatten.

Wir groß ist der Imageschaden für die Kirche? Gibt es vermehrt Kirchenaustritte in Kärnten?

Engelbert Guggenberger: Die Zeit ist zu kurz, um das schon feststellen zu können.

Welchen Zeithorizont stecken Sie sich, bis innerkirchlich Ruhe einkehrt und die Strukturen geordnet sind?

Engelbert Guggenberger: Wir werden über den Sommer zügig weiter arbeiten und nach und nach Maßnahmen setzen.

Welches Ziel haben Sie als Administrator für die Diözese?

Engelbert Guggenberger: Es gilt, den Weg der menschennahen Seelsorge und des Leitbilds „Mit Jesus Christus den Menschen nahe sein“ fortzusetzen. Die 336 Pfarren als Orte der spirituellen Kraft, der Gemeinsamkeit bleiben erhalten. Es ist ein Gebot der Stunde, dass die einzelnen Pfarren über den Kirchturm hinausschauen und regional Synergien nützen. Mit den 1000 Kirchen gibt es 1000 Brennpunkte, wo spirituelles, menschliches Miteinander geschieht. Wichtig ist, dass es eine zeitgemäße Seelsorge gibt, die das lebt, was sie verkündet.

Andere gehen mit 65 in Pension. Sie werden Administrator.

Engelbert Guggenberger: Es ist eine zeitlich abzusehende Herausforderung, ein Interim.

In Vorarlberg war Benno Elbs Generalvikar, wurde dann Diözesanadministrator und ist jetzt Diözesanbischof. Ist das für Sie vorstellbar?

Engelbert Guggenberger: Darüber denke ich nicht nach. Das ist für mich nicht relevant.

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