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Im Licht baden in Palm Springs [premium]

Schaufenster-Logo Schaufenster 17.04.2020 von ELISABETH POSTL
© Bereitgestellt von Schaufenster

In einer Zeit, in der man nicht weg kann, werden sagenumwobene Orte noch mehr verklärt. So, wie man als Kind die Bilder in Büchern bestaunte, sich wegtagträumte an palmenverhangene Strände, krokodilüberladene Sümpfe, in flussdurchzogene Lustgärten und gespenstergeplagte Schlösser, und die „Berge von Chicken Wings!“ im Reiseführer wörtlich nahm, so geht es einem nun wieder als Erwachsenen. All die Orte, die man kennenlernen möchte – sie scheinen so weit weg. Und sie strahlen im Tagtraum umso bunter, umso verlockender.Diese Magie strahlt ein Ort selbst ohne Reisewarnung aus: Palm Springs, kalifornische Wüstenkurstadt und Heimat des Agua-Caliente-Stammes aus dem Volk der Cahuilla, eingebettet in die Farbenpracht des Coachella-Tals und in Nachbarschaft der Wüstenlandschaft von Joshua Tree.

Die Leichtigkeit des Seins

Palm Springs, der Urlaubsort mit der Mid-Century-Architektur, wurde geboren aus der Idee, einen Traum zu verkaufen. In den 1920er-Jahren begannen die Betreiber des „El Mirador“-Hotels mit einer Sache, die wir heute als Influencertum von Instagram kennen: Sie luden die Filmstars aus dem nahen Los Angeles zu Übernachtungen ins Hotel, unter der Bedingung, sich im „Mirador“ fotografieren zu lassen. Der Traum von Palm Springs, Oase der Schönen und Reichen, war geboren.Die, die dazugehörten, pflanzten in den Jahren danach ihre modernen Wochenendhäuser in die Gegend. Deren brillante Architektur – John Lautner, Donald Wexler, Albert Frey, sie alle entwarfen diese Anlagen unter dem Motto: im Licht baden – ist ein Hauptgrund für die Magie, die Palm Springs bis heute auszustrahlen vermag. Im Frühling kann man viele dieser legendären Anwesen während der „Modernism Week“ besichtigen, andernfalls empfiehlt sich eine „Midmod“-Tour mit dem einheimischen Architekturführer Lyle Boatman.

Richard Neutras Architektur

Er bringt einen unter anderem zur wohl größten Perle, die Palm Springs architektonisch zu bieten hat – und sie stammt von einem Österreicher: das Haus, das Richard Neutra für die Familie Kaufmann entwarf. Man sieht – vor dem Zaun stehend – die silberwarmen Linien, die Leichtigkeit des Seins. (Tiefere Einblicke in Neutras Palm-Springs-prägendes Werk gäbe es aktuell in der Ausstellung „Richard Neutra – Wohnhäuser für Kalifornien“ im Wien-Museum; da die Ausstellung bis September laufen sollte, darf man darauf hoffen, sie tatsächlich noch einmal besuchen zu können.Die Leichtigkeit des Seins ist nach wie vor die Spezialität des Großraums Palm Springs, der acht weitere Orte umfasst, die ineinander fließen: Desert Hot Springs, Cathedral City, Rancho Mirage, Palm Desert, Indian Wells, La Quinta, Indio und Coachella (das berühmte gleichnamige Festival hätte eigentlich dieses Wochenende stattfinden sollen; es wurde nun in den Oktober verschoben). Als Reisezeit empfiehlt sich alles außer der Sommer; Anrainer reiben sich oft fragend die Augen, wenn Europäer in der heißesten Zeit des Jahres und 50 Grad Urlaub in der Wüste machen wollen.

Auf Drinks zu Paul

Die Stadt, die heute zwischen dem Ruf als Rentnerparadies und jenem als Jetset-Destination oszilliert, verbindet beides: fast schon kleinstädtisches Nachbarschaftsleben und, man möchte fast sagen Allerwelts-Glamour, so normal ist es hier, dass die Prominenz absteigt. Abgeschottet ist beides: In Palm Springs wird traditionell auf die Privatsphäre viel Wert gelegt. Was hinter den hohen, luxuriös grün überwucherten Hecken außer in den Himmel ragenden Palmen so passiert, zeigen weder Einwohner noch die Hotels (dafür gibt es immerhin Bildbände oder „Architectural Digest“). Im Prinzip ist es überall dasselbe: Man verbringt den Tag am Pool, im Wasser und auf der Liege, genießt die klare Luft und den unglaublich blauen Himmel. Im besten Fall hat man dazu einen Platz, von dem aus man den San-Jacinto-Gebirgszug anglotzen, seine Grün-, Blau-, Violett-, Rosatöne aufsaugen kann. Der Mensch als Gecko. Abends gibt es Barbecue – oder eine Party.Wer von der „Poolside“ irgendwann doch genug hat und es dennoch der Palm Springser Nachbarschaft gleichtun will, begibt sich dann abends ins Restaurant. Vorzugsweise in die Paul Bar, unscheinbar an der Vista Chino gelegen. Hier rühmt man sich mit etwas dezidiert Unlokalem, nämlich „New York Style“, und serviert vor dunklem Holz, Samt und Leder in schummrigem Licht amerikanische Klassiker. Dazu gibt es hervorragende Cocktails, das Personal weiß um seine Kunst – und wer Heimweh haben sollte, kann hier nach österreichischem Wein fragen. Der Chef des Hauses bringt die Kostprobe dann persönlich.

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