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Inseltour auf Kreta: Runterkommen auf Europas südlichster Insel

motor.at-Logo motor.at 21.06.2020 horst.bauer

Zwischen Dorf-Idylle, wilder Küste und Luxus-Strand durch den Osten Kretas

© Bauer Horst

Der Startpunkt zur genussvollen Erforschung des östlichen Teils von Kreta hängt davon ab, welchen Flug man erwischt.

An sich wäre Heraklion das anzustrebende Ziel. Aber wer etwa wegen nicht passender  Flugzeiten dorthin lieber nach Chania  fliegt, muss ebenfalls nicht darben. Vielmehr kann man sich auf dem Weg nach Osten  im gediegenen Caramel-Boutique-Hotel etwas außerhalb von Rethymno eine gepflegte Einstimmung auf die kommenden Ereignisse gönnen (siehe Leben entlang der Route).

Wer seine Route beim Flughafen in  Heraklion  startet, folgt der Beschilderung bis zur A90 und wendet sich dort nach Osten in Richtung Agios Nikolaos. Die West-Ost-Hauptroute der Insel  verläuft hier weitgehend entlang der Küste und biegt erst bei Anissaras ins Landesinnere ab.  Kurz vor Malia kehrt sie wieder zurück ans Meer. Will man erst einmal seine Koffer loswerden, sollte man auf dem Weg zum Malia Park Hotel  einen Bogen um die Stadt machen. Deren Erkundung kann auch später erfolgen – und wird die Ruhe und Gediegenheit der Hotel-Oase in einem noch helleren Licht leuchten lassen.

Malia selbst ist nämlich fest in der Hand der (vornehmlich britischen) Party-People und hat eine dementsprechende Infrastruktur zu bieten. Von bunten Cocktail-Bars mit Permanent-Happy-Hour-Angeboten bis zu als Tavernen getarnten Touristenfallen mit grellen All-day-Breakfast-Schildern.

Nichts davon ist im Malia Park mit seinem weitläufigen Hotelgarten zu spüren. Das Meeresrauschen ist bis in die Zimmer zu hören, auch wenn der Strand selbst von dort gar nicht zu sehen ist. Der  hat zwar eigene Schirme und Liegen für die Hotelgäste, das Ufer ist aber eher felsig und man muss genau schauen, an welchen Stellen man ins Wasser gehen kann.

© Werk/Vassilis Goumas

Ein erster Spaziergang entlang  des Ufers bestätigt  den Oasen-Status der Anlage, die eine perfekte Ausgangsbasis für die Erkundung der Umgebung ist. Aber nicht unbedingt ein Fall für den idyllischen Strandurlaub. Auch Tavernen oder Cafés entlang des Wassers sind kaum vorhanden (die eine im nahe gelegenen kleinen Hafen wirkt nicht sehr anziehend). Daher gibt es wenige Argumente dagegen, auch als Individual-Reisender das Gastronomieangebot im Hotel selbst zu nutzen. Insbesondere die beiden Themen-Restaurants seien empfohlen. Für die perfekte kulinarische Einstimmung bestellt man einen Tisch im Mouries.

Dieses ist nach dem Vorbild einer traditionellen kretischen Taverne gestaltet. Aber eben nicht mit Folklore-Dekoration, sondern mit einem offenen Herd, an dem die Köchin den Großteil der Speisen zubereitet.

Die Karte bietet dementsprechend lokale Spezialitäten und lässt einen gleich einmal richtig ankommen – beginnend mit dem Stamperl Raki, das unaufgefordert mit ein paar kleinen kalten Vorspeisen serviert wird, noch bevor die Speisekarte überhaupt an den Tisch kommt.

Tipp: Handy oder Taschenlampe mitnehmen, weil es auf einem Gutteil der Tische so dunkel ist, dass der Text der Speisekarte nur erahnt werden kann.

Am nächsten Morgen geht es in dieser Qualität weiter. Das Frühstücksbuffet spielt alle Stückerln, von der Saftbar mit ständig frisch gepressten Obst-/Gemüsesäften bis zu lokal gewachsenen Bananen und natürlich dem unvermeidlichen, dicken griechischen Joghurt samt breiter Honig-Auswahl.

Nur  das Kaffee-Angebot ist geprägt von den deutsch-/österreichisch-/schweizerischen Gästen: Normalprogramm ist die Kanne Filterkaffee, Cappuccino etc. holt man sich am Automaten – und so schmeckt er auch.

Aber Abhilfe für Kaffee-Liebhaber schafft die Möglichkeit, sich am Buffet einen griechischen Kaffee nach eigenen Wünschen (Zuckeranteil) frisch brauen zu lassen – ganz original mit dem Stielkännchen im heißen Sand bis der Inhalt aufkocht.

© Werk/Effie Paroutsa

Am besten beschrieben ist die für Genießer beruhigende kulinarische Situation im Malia Park, für dessen Küche hauptsächlich lokale Produkte bzw. solche, die im eigenen Garten wachsen, verwendet werden, durch eine   Aussage des Küchenchefs während  einer der empfehlenswerten Führungen durch Hotel und (Kräuter-)Garten: „Nehmen Sie zwei bis drei Kilo zu, während Sie hier sind. Dann wissen wir, dass es Ihnen geschmeckt hat.“

Nach dieser Abklärung der  nicht unwesentlichen  Fakten, verlässt man das Basislager ganz entspannt zur ersten Erkundungstour auf die Lassithi-Runde. Als erster Stopp auf dem Weg dorthin empfiehlt sich der kleine Ort Krasi, dessen Hauptattraktion eine jahrhundertealte Platane auf dem Dorfplatz ist, deren Stamm  rund 18 Meter Umfang aufweist.

Von Krasi kommend biegt man dann bald von der schmalen Straße nach links ein auf die Hauptstraße hinauf zum Ambelos Pass in 900 m Höhe, dem Tor zur Lassithi-Hochebene. Oben auf dem Pass sind die Ruinen der Windmühlen zu sehen, die der Hochebene den inoffiziellen Namen (Tal der Windmühlen) gegeben haben.

Folgt man der Straße über den Pass hinunter ins Tal, bekommt man nicht nur einige noch aktive Windmühlen zu sehen, die zum Heraufpumpen des Grundwassers eingesetzt werden, sondern kann auch eine schöne Runde um die von hohen Bergen eingerahmte Hochebene machen.

Die kleinen Orte sind das, was man in Prospekten  als malerisch bezeichnet, für die Einwohner  aber wohl weniger idyllisch ist. Die Straße führt mitten durch die Orte, direkt über den jeweiligen Hauptplatz, und erlaubt dort praktisch keinen Gegenverkehr, weil das Maß der straßenbaulichen Dinge bei ihrer Entstehung keine (heute hier oft als Arbeitstier eingesetzte) Pick-ups waren, sondern  Eselkarren. Aber wer sich die Gelassenheit der Ortsansässigen zum Vorbild nimmt (und deren Freundlichkeit), wird beim Abwarten des Gegenverkehrs an den Engstellen keine Probleme haben. Wobei ein Gutteil des Verkehrs ohnehin andere Touristen mit ihren (meist kleinen) Mietautos sind.

Eine der viel beworbenen Attraktionen der Lassithi-Runde ist (neben dem Volkskunde-Museum von Agios Georgios) die Höhle Dikteon Andron beim Ort Psychro. Deren (heute schwer widerlegbares) Vermarktungslabel ist die Behauptung, dass dort Göttervater Zeus geboren worden sei. Dementsprechend viel ist auf dem Platz los, von dem es zu Fuß rund eine Viertelstunde weiter hinauf geht zum Eingang der Höhle. Busladungen von Touristen und Parkgebühren verrechnende Wächter inklusive.

Wer schon einmal in einer Tropfsteinhöhle war und mit der Zeus-Fabel wenig anfangen kann, fährt weiter und strebt wieder über den Ambelos-Pass zurück in Richtung Meer.

Die gewonnene Zeit lässt sich auf der Rückfahrt gut in einen Abstecher  über  Mochos investieren. In einem der Cafés oder Restaurants am  Hauptplatz kann man in entspannter Atmosphäre die kretische Variante einer Begegnungszone beobachten – mit Autos, die in Greifweite an Tavernen-Tischen vorbeirollen, ohne dass von den Beteiligten auf beiden Seiten daraus ein Problem gemacht wird.

Ist die Lassithi-Hochebene erst einmal erkundet, kann man für die Weiterfahrt in Richtung Osten auch die direkte Route nach Agios Nikolaos nehmen. Über die A90 dauert das eine halbe Stunde, es bleibt somit genug  Zeit für einen Bummel durch den  Postkarten-Ort im Osten Kretas. Also weg von der Umfahrungsstraße,   in den Ort hinunter und der Meerstraße ins Zentrum gefolgt, wo der kleine Süßwassersee der Stadt mit dem Meer verbunden ist.

Freie Parkplätze finden sich am Hafen, wenn man sich nicht von den Parking-Schildern im unmittelbaren Zentrum bei der Brücke über den See-Ausfluss irritieren lässt. Diese führen in Hinterhöfe in den Seitengassen, wo gegen 3 bis 4 Euro Tagesgebühr geparkt werden kann. Das Zentrum beim See hat auch eine Fußgängerzone mit den üblichen Geschäften zu bieten (nicht nur Souvenir-Ramsch) und beim kleinen Kitroplateia-Stadtstrand auf der Meerseite und entlang der Seepromenade viele Tavernen und Cafés. Wer etwas Abstand zum dichten Treiben Stuhl an Stuhl  und einen besseren Überblick über die sehenswerte Szenerie möchte, sollte den Hügel am hinteren Ende des Seeufers erklimmen und erst dort seine Rast einlegen.

© Bauer Horst

Damit wäre der Pflichtbesuch absolviert und es lohnt sich, die paar Kilometer in den südlich von Agios Nikolaos gelegenen kleinen Ort Kritsa zu fahren. Der ist bekannt für die vielen kleinen Geschäfte mit handbestickter Wäsche, die sich entlang einer verkehrsberuhigten Straße in Richtung zur Kirche auffädeln. In den dicht mit im Wind flatternder Ware behängten Geschäftsportalen warten die meist alten Frauen stickend auf Kundschaft – und manchmal wird man von ihnen auch aus der Finsternis des Geschäftes heraus angesprochen mit der Einladung, doch hereinzukommen und sich die Ware anzusehen. Alles jedoch mit der sprichwörtlichen kretischen Freundlichkeit und Gelassenheit, ohne den etwa auf arabischen Basaren gewohnten Druck aufzubauen.

Der Weg zum nächsten Hotel geht nun wieder an Agios Nikolaos vorbei  in Richtung Elounda.  Die Straße führt zum Teil direkt am Ufer  entlang, steigt dann  wieder an und überquert  die felsigen  Hügel, welche die einzelnen Buchten voneinander abgrenzen.

© Bauer Horst

Im Ort  Elounda sei noch ein etwas versteckter aber umso lohnenswerterer Abstecher empfohlen. Von Süden kommend nimmt man am Ortseingang eine scharfe Haarnadelkurve nach rechts weg von der Hauptstraße (geht nur mit reversieren) und lässt  sich nicht von der engen, gleich steil abfallenden Straße abschrecken. Diese führt zunächst knapp zwischen ein paar kleinen Hotels, Tavernen und der Uferkante hindurch und dann auf den schmalen Damm, der das Festland mit der Halbinsel Spinalonga verbindet. Bei starkem Wind und Flut schwappen die Wellen teilweise über die Straße – näher kommt man dem Meer mit dem Auto kaum wo.

© WERK

Am anderen Ende der Furt (nebenan sind noch Teile der früher zur Salzgewinnung genutzten Becken zu sehen) geht es über eine alte, bucklige Steinbrücke neben einem ebenso alten Wachturm auf die Insel. Gleich danach gibt’s ausreichend Platz zum Parken bzw. Wenden und eine Taverne. Die Straße selbst endet knapp dahinter – der Rest der Halbinsel kann dann nur mehr  zu Fuß erkundet werden.Nicht zu verwechseln ist diese mit der touristischen Hauptattraktion der Gegend , der Insel Spinalonga  (die bis 1957 eine Lepra-Kolonie war). So wird es Zeit, diese aus der Panorama-Perspektive zu betrachten. Idealerweise direkt aus dem eigenen Pool.

Diese hat das Blue Palace Hotel knapp vor dem kleinen Küstenort Plaka für seine Suiten im Angebot. Aber auch wer sich mit einem Doppelzimmer begnügt, hat die Insel Spinalonga immer im Blick. Denn das Blue Palace ist kein großer zentraler Block, sondern bietet viele, über den Abhang verteilte einzelne Bauten in unterschiedlichen Stilen, die auch zu verschiedenen Hotels gehören könnten.

© Werk/George Fakaros

So angenehm es für den Genussreisenden ist, sich in dieser Luxuswelt verwöhnen zu lassen (kulinarischer Tipp: Blue Door, die kretische Taverne der Anlage  am Strand), so empfehlenswert sind  kurze Abstecher ins wahre kretische Leben. Ob zu Fuß  zu den Tavernen im kleinen Ort Plaka, oder mit dem Auto darüber hinaus. Die Rundfahrt via Vrouchas, Selles, Skinias und Agios Georgios  ans Meer bei Vichadia und von dort wieder über Selles zurück zahlt sich aus, auch wenn die schmale Straße mit Serpentinen gespickt ist.

In den Orten entlang der Route ist der Tourismus aus der Elounda-Bucht noch nicht angekommen. Da und dort macht eine Taverne auf sich aufmerksam, aber Souvenirläden sucht man vergeblich. Kretische Dorfidylle wie aus dem Bilderbuch – vom schon lange dort vergammelnden Datsun-Pick-up beim Dorfeingang bis zu im Kafenion sitzenden,  alten Männern mit mächtigen weißen Schnauzbärten.

© Bauer Horst

An der Küste führt die Straße wieder nahe an das hereintosende Meer heran, mit dem Unterschied zur anderen Seite, dass hier keine Sonnenschirmreihen stehen. Wohl  auch,  weil die felsige  Küste keinen Badebetrieb zulässt. Den kann man im Hotel in aller Ruhe und Gediegenheit nachholen. Ob im privaten – notfalls geheizten – Pool oder am Hotelstrand. Das (Luxus-) Problem, dass der auf der anderen Straßenseite liegt, wurde elegant gelöst. Mit einem Schrägseilaufzug schwebt der Genuss-Reisende aus den Höhen der Anlage, die Untertunnelung der Straße nutzend,  zum hoteleigenen Strand herab. Auf den Liegen dort, umsorgt mit Drinks von den aufmerksamen Beach-Boys, können die Eindrücke der Genuss-Route entspannt verarbeitet werden.

Die geistige Vorbereitung auf die Fahrt zurück zum Flughafen kann auch noch am nächsten Tag beginnen.

© Grafik
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