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Lexus RX 450h: Luxus auf die (gute) amerikanische Art

Die Presse-Logo Die Presse 30.10.2020 von Timo Völker
© Bereitgestellt von Die Presse

Wien. Vor 31 Jahren ließ Toyota seinen Edelableger Lexus vom Stapel, primäre Destination: USA. Der Angriff galt neben amerikanischen Luxus-Labels wie Cadillac vor allem den feinen deutschen Marken, die auf dem Markt bis dahin recht ungestört den Rahm abschöpften. Das änderte sich schnell, den nach nur zwei Jahren hatte Lexus BMW und Mercedes überholt. Heute sind es eben drei Marken, die auf Augenhöhe um die besser verdienende Klientel im Land streiten.

In Europa blieb Lexus stets etwas exklusiver, als man sich das vielleicht vorgestellt hatte. Das liegt auch am bislang mehr auf US-Bedürfnisse zugeschnittenen Sortiment. Die Limousinen waren immer schon schwer an den Mann zu bringen, weswegen man sie jetzt auch sein lässt: Künftig bietet Lexus in Europa nur noch SUVs an (plus, ehrenhalber, das Flaggschiff LS). Der im Vorjahr eingeführte kompakte UX geriet auch prompt zum Erfolg, hier gehen sogar mehr Stück als in den USA, wo er offenbar als zu klein erachtet wird.

Das größte SUV im Angebot ist der RX, Bestseller in den Staaten, hierzulande ein Exot. Von der Größe her vergleichbar mit BMW X5 und Mercedes GLE, ist der RX doch ganz anders als diese beiden. Er wirkt gewiss imposant, aber ohne das aggressive, auftrumpfende Gehabe der deutschen Streitwagen – eigentlich mehr wie ein luxuriöser Van mit soften SUV-Attributen. Auf Geländeeinsätze hegt er kaum Ambitionen, sein Allradantrieb ist eher behelfsmäßig, wenn auch vollkommen ausreichend auf befestigten Straßen in jedwedem Zustand. Ein 50 Kilowatt starker Elektromotor an der Hinterachse stellt beim Anfahren auch auf nassem Herbstlaub die Traktion sicher, der V6 und ein zweiter E-Motor wirken auf die Vorderachse. Der RX ist bei uns nur so zu haben: als sogenannter Parallel- oder Voll-Hybrid, (im wesentlichen) Patent Prius.

Ein überaus effizientes System, wenn man den RX artgerecht bewegt, was bedeutet: auf die amerikanische Art. Cruisen statt drängeln, mit der Reisegeschwindigkeit im Bereich der geltenden Limits. Wer sich auf der Überholspur behaupten will, womöglich auf deutscher Autobahn, sitzt im falschen Auto. Erstens riegelt der RX bei Tempo 200 ab, zweitens macht sich unter Volllast die Eigenart des CVT-Getriebes bemerkbar, und drittens wäre es grobe Themaverfehlung, das Sparpotenzial des Hybridantriebs mit dem Gaspedal einzuebnen. Wir kamen auf der Langstrecke, voll besetzt und kuschelig klimatisiert durch die spätherbstliche Landschaft rauschend, auf 8,7 Liter im Schnitt. Günstiger ist die Opulenz eines großen V6-Benziners in einem feist-luxuriösen 2,1-Tonner wohl nicht zu haben.

Kräftig ist der RX 450h wohl, es sind ja gleich drei Maschinen am Werk: erwähnte zwei E-Motoren und ein frei atmender 3,5-Liter-Sechszylinder. Solcherart bugsiert man sich mit ein paar festen Gasstößen aufs gewünschte Tempo oder übergibt gleich an den tadellos agierenden Abstands-Tempomaten. Und weidet sich an der Größe des Salon-artigen Innenraums, in dem kein Antriebsstrang zur Hinterachse Platz wegnimmt, und seiner Einrichtung.

Wer es einfach haben will und die Kosten nicht scheut, greift gleich zum „President“, zur maximalen Ausstattung ohne viel Möglichkeiten, noch weitere Extras an Bord zu holen. Weil ja schon alles drin ist, inklusive beheiz- und elektrisch verstellbare Rücksitze, wie der Rest der üppigen Belederung an Bord in „Semianilin“ ausgeführt (wir mussten auch nachsehen: Es meint eine nur leichte Pigmentierung oder Farbschicht, was den ursprünglichen Charakter des feinen Leders bewahrt – weich und warm).

Lexus positioniert sich als Design-Label, Thema: smarter Luxus, und der RX ist ein geeignetes Ausstellungsstück: kantig, kunstsinnig, überall gern gesehen, wo man lautlos rangierend zu Werke geht, bis, kaum hörbar, ein schnurrender V6 anspringt. Eine Ausnahmeerscheinung in jeder Hinsicht.

Compliance-Hinweis: Testfahrzeuge wurden von den Herstellern kostenfrei zur Verfügung gestellt.

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