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Reportage zeigt: So läuft das mit Fake-Profilen auf Dating-Plattformen

Futter-Logo Futter 07.06.2020 Stephanie Gaberle

Das Reportage-Magazin „STRG_F“ hat sich im professionellen Chatschreiben versucht und darüber berichtet, wie Dating-Plattformen mit Fake-Profilen Geld machen.

Viele von uns waren schon mal in der Situation, dass sie möglichst schnell Geld verdienen wollten — am besten, ohne das Haus zu verlassen. Kurz darauf findet man sich dann in der Rubrik „Mini-Jobs“ wieder und stößt recht bald auf den Job der/des Chatschreiber_in. Da die Jobbeschreibung recht undurchsichtig ist und man in den meisten Fällen erst nach Kontaktaufnahme weitere Infos erhält, hat sich das deutsche Reportage-Magazin „STRG_F“ kurzerhand dort beworben. Und den Job am „Internet-Kontakt-Markt“ sogar bekommen.

Beispiel einer Chatschreiber_innen-Jobbeschreibung Screenshot: MachDuDas © Bereitgestellt von Futter Beispiel einer Chatschreiber_innen-Jobbeschreibung Screenshot: MachDuDas

Die Kundschaft muss dran bleiben

Ab diesem Zeitpunkt hieß es für STRG_F Reporterin Nadia Kailouli: tippen, was das Zeug hält. Und geschickt ausweichen, wenn es um Detail-Infos zur eigenen Person geht. Wichtig ist beim professionellen Chatten nämlich vor allem, das Gespräch möglichst lange aufrecht zu erhalten. Und das schafft man nur, indem man Themen wie „Bist du ein Bot?“ mit Aussagen wie „Ich bin aus Fleisch und Blut, keine Sorge — magst du mir mal deinen Namen verraten?“ umgeht. Als Chatschreiber_in muss man am besten möglichst offene Fragen stellen und gestellte eher vage beantworten, damit die Kundschaft länger dran bleibt und immer mehr Geld in den Chat pumpt — teilweise über Monate.

Auf Aufforderungen, in einen gratis-Chat zu wechseln, soll man mit Ausflüchten wie „ich vertraue dir noch nicht genug“ antworten. Smalltalk ist verpönt, man soll das Gegenüber dazu verleiten, Hoffnung, Vertrauen und eine emotionale Verbindung aufzubauen. Dauert eine Antwort zu lange, gibt es Druck von „Oben“. Klingt mühsam und moralisch zermürbend und ist es wahrscheinlich auch.

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Hinter einem Fake-Profil steckt meistens mehr als nur eine Person

Im Zuge ihrer Recherche wurden Nadia Kailouli erst das Ausmaß einer „Beziehung“ zu Fake-Profilen bewusst. Und die psychische Belastung dahinter. „Die Kundschaft bei Laune halten“ ist eine fordernde und auch mental belastende Aufgabe. Immer wieder teilen User ihre Ängste, Sehnsüchte und Träume mit den Chatschreiber_innen, verlieben sich sogar in die vermeintlich interessierte Person dahinter. In den meisten Fällen ist die auserkorene Person möglicherweise nur eine von vielen — buchstäblich.

Hinter den einzelnen Fake-Profilen steht nämlich meist ein System aus verschiedenen Chat-Schreiber_innen aller Altersklassen, die alle zu unterschiedlichen Zeiten arbeiten und auch unterschiedlichen Menschen antworten. Details wie persönliche Infos, Schicksalsschläge und markante Eckdaten der User werden zu diesem Zweck notiert und aufgelistet, damit den professionellen Chatschreiber_innen beim Chatten kein Fehler unterläuft. Keine allzu optimistischen Aussichten für Date-Suchende, die sich auf solchen Plattformen angemeldet haben.

Ist das überhaupt legal?

Im Zuge der Reportage skypen die Reporter_innen auch mit der Verbraucherzentrale in Bayern. Die haben sich vor kurzem hunderte Dating-Plattformen angeschaut und festgestellt: 187 Seiten davon setzen Fake-Profile ein. Sie sagen auch: Wenn man als zahlender User von der Dating-Plattform glaubhaft vermittelt bekommt, dass man es hier mit echten Personen zu tun haben wird und der Einsatz der Chatschreiber_innen „überraschend“ kommt, ist die Sache auch dann rechtlich fragwürdig, wenn diese Tatsache in den AGBs erwähnt wird. Also — wenn ihr euch gerade auf einer kostenpflichtigen Dating-Plattform rumtreibt und immer wieder vertröstet werdet — forscht doch lieber mal genauer nach.

© Bereitgestellt von Futter

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