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Ruck: "Die Maskenpflicht wendet größeren Schaden ab"

Heute-Logo Heute 27.07.2020
© Bereitgestellt von Heute

"Heute" plauderte mit Wiens Wirtschaftskammer-Chef Walter Ruck über Tourismuszonen, Maskenpflicht und "Gedankenschleifen" von Vize-Stadtchefin Hebein.

Seit Juni 2014 ist der studierte Bauingenieur Walter Ruck (57) Präsident der Wiener Wirtschaftskammer. Fast genau so lange kämpft der – eher schwarze als türkise – ÖVPler, Bauunternehmer und gute Freund des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig (SPÖ) für Tourismuszonen in Wien, die auch die Sonntagsöffnung von Geschäften ermöglichen würde. Jetzt sei die richtige Zeit, dieses Thema wieder in den Fokus zu Rücken. Denn wenn nach der Corona-Krise auch wieder die Touristen nach Wien zurückkehren, wäre die Sonntagsöffnung ein wichtiges Instrument, um den durch die Pandemie stark angeschlagenen Wirtschaftstreibenden zu helfen, ist Ruck überzeugt.

Der Lockdown am 15. März und die weiteren Corona-Maßnahmen trafen besonders die Wiener Einkaufsmeilen Kärntner Straße (City) und Mariahilfer Straße (Mariahilf) enorm. Wie eine Besucherstrom-Analyse der Wirtschaftskammer zeigt, ging die Frequenz um bis zu 90 Prozent zurück – "Heute" berichtete.

Corona-Krise und Wiener Wirtschaft: "Der städtische Handel ist eine der wesentlich und sehr nachhaltig betroffenen Branchen. Von März bis Mai gab es aber kaum eine Branche, die nicht betroffen war. Nahrungsmittel, Möbel und Gartenbedarf liefen ganz gut. Für den Mode-Einzelhandel war es ganz, ganz schwierig – und das wird sich in der nächsten Zeit auch gar nicht so sehr ändern. Dazu kommen verstärkte Online-Bestellungen, das führt zu einer Beschleunigung dieses Trends."

Wiedereinführung der Maskenpflicht: "Einkaufen hat auch etwas mit Lust und mit Emotion zu tun. Natürlich ist das mit Maske vorm Gesicht nicht so einfach wie ohne. Ich glaube, dass wir die Maßnahmen so setzen müssen, dass ein Wiederzurückfahren der Wirtschaft verhindert wird. Ich bin kein Experte, um beurteilen zu können, was bringt wieviel, habe aber Vertrauen in die Gesundheitsexperten, dass sie die notwendigen Maßnahmen beurteilen können. Wenn es nicht notwendig ist, wird keiner diese Maskenpflicht verordnen. Und wenn es verordnet wird, sehe ich das so, dass es eher größeren Schaden abwendet von der Wirtschaft."

Tourismuszonen mit Sonntagsöffnung: "Ich halte sie für wirtschaftlich absolut sinnvoll – und da bin ich auch nicht allein. Natürlich, es ist eine sehr stark polarisierende Frage. Aber gerade für den Wiederanfang des Handels in der Innenstadt werden wir alle unsere Potentiale nutzen müssen. Und die Sonntagsöffnung in der Tourismuszone in der Innenstadt ist ganz einfach ein Potential, das bringt uns 140 Millionen Euro an Wertschöpfung pro Jahr und 800 neue Arbeitsplätze. Wir werden in der nächsten Zeit um jeden Arbeitsplatz ringen müssen und solche Maßnahmen müssen schon jetzt vorbereitet werden. Wir gehen aber davon aus, dass das nächste Jahr wirtschaftlich besser wird."

Autofreie City: "Ich bin gegenüber dem, was vorgestellt wurde (Anm.: Verkehrsstadträtin Birgit Hebein (Grüne) und City-Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) präsentierten Mitte Juni ihre Pläne, die Kritik von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) abwärts war groß) , sehr, sehr skeptisch. Mir fehlen Untersuchungen und Konzepte sowie Gutachten und Berechnungen, wie viel CO2 dadurch eingespart wird. Niemand wird dagegen sein, die Innere Stadt zu attraktivieren. Aber was bringt es, wenn ich jetzt zum Beispiel im Börseviertel die Fahrzeuge verbanne und keine Oberflächen-Attraktivierung mache? Wenn ich nur ein paar Fahrverbots-Tafeln aufstelle, dann habe ich die Innenstadt noch nicht attraktiviert. Dann habe ich ein Anrainer-Reservat geschaffen und sonst gar nichts. Ich weiß auch nicht, was ist das Ziel – außer Autos raus? Da hat mir viel zu viel gefehlt, dass man dem zustimmen könnte. Und ich halte solche Projekte zu diesem Zeitpunkt so knapp vor der Wahl sowieso für ausnehmend ungünstig."

"Vielleicht ist man in manchen Dingen einfach zu schnell und sollte sich noch Zeit für eine Gedankenschleife mehr nehmen. Dann wäre es fertiger und wahrscheinlich auch besser. Ich habe daher hausintern ein Modell als Denkanstoss für eine Verkehrsberuhigung der City in Auftrag gegeben. Das wird bis zum Herbst fertiggestellt sein, die Ergebnisse werden wir aber erst nach der Wahl am 11. Oktober präsentieren. Ich werde zuwarten, bis die Karten neu gemischt sind."

Die Wien-Wahl am 11. Oktober: "Ich stehe hinter der Spitzenkandidatur von Gernot Blümel (ÖVP, Anm.), halte sie für sinnvoll und wichtig, dass er sie macht. Ob er nach der Wahl Finanzminister bleibt, ist eine Entscheidung, die er dann treffen muss. Aber zuerst wird einmal gewählt. Wenn sie die aktuellen Umfragen hernehmen, dann hat es für die ÖVP schon schlechter ausgeschaut, ein Zugewinn ist erwartbar. Die jetzigen Prognosen sind gut, vielleicht zu gut… Ich halte die ÖVP jedenfalls für eine Regierungspartei und für Wien wäre es ganz gescheit, wenn man die Wirtschaft noch stärker in den Fokus rückt. Gerade vor den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen, die Aussichten bei der Arbeitslosigkeit schauen ja nicht so gut aus. Ich arbeite aber mit Peter Hanke (Anm.: SPÖ-Wirtschaftsstadtrat) ausgezeichnet zusammen. Überhaupt ist der Stadt vieles in der Corona-Zeit sehr gut gelungen. Es wurden gemeinsam mit der Wirtschaftskammer sehr viele Dinge aufgesetzt, die hilfreich waren."

Gastro-Gutschein: "Wir sind zufrieden. Ich habe nur von einer Handvoll Diebstählen gehört, im Vergleich dazu wurden mehr als 300.000 Gutscheine eingelöst. Man muss das Ganze in der Relation sehen: Natürlich ist es ärgerlich, dass es trotzdem manchmal Menschen gibt, die ihrer kriminellen Energie freien Lauf lassen. Aber ich glaube, dass das in einem sehr geringen Ausmaß ist. Es läuft sehr, sehr gut. Ich habe meinen Gutschein nicht eingelöst, sondern gespendet, das haben Bürgermeister Ludwig und ich ausgemacht. Er hat seinen auch gespendet. Über 300.000 Gutscheine bereits eingelöst, wir liegen genau im Plan. Bisher wurden in Summe rund 1.000 Gutscheine gesperrt."

Wienweites Parkmodell: "Ich kenne mich selbst nicht aus, wann ich wo parken kann, schaue immer in der App nach. Ich war immer ein Fan davon, dass eine Regelung so transparent ist, dass sie auf der Rückseite eines Parkscheins Platz hat und das sie defacto selbsterklärend ist. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, muss ich wissen: Da wird das so und so sein. Wien ist relativ einfach aufgebaut – mit zwei Ringen, einmal in der Innenstadt und dann quasi der Gürtel. Es ist naheliegend, dass sich daran die Zonen orientieren. Je dichter es wird, desto teurer wird es werden müssen und je aufgelockerter, desto billiger wird es werden. Wir haben im Februar selbst ein Zonenmodell vorgestellt (Anm.: "Heute" berichtete). Was Verkehrsstadträtin Hebein vorgeschlagen hat, kommt dem Nahe. Wenn Konsens da ist, kann ich mir schon vorstellen, dass daraus etwas wird. Wichtig ist, dass sich die Leute auskennen."

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