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Warum man jetzt viel mehr singen, tanzen und tönen sollte

KURIER-Logo KURIER 22.03.2020 gabriele.kuhn

Die Expertin Ingrid Amon erzählt, wie die eigene Stimme hilft, durch schlechte Zeiten zu kommen.

© Getty Images/iStockphoto/drante/IStockphoto.com

„Ich singe im Moment wie die Blöde“, sagt Ingrid Amon, Expertin für Stimm- und Sprechtechnik: „Und zwar immer, wenn ich spüre, es kommt die Angst hoch.“ Sie erzählt auch, dass sie weint – bewusst weint: „Ich lasse dieses Gefühl zu, das ist wichtig. Und dafür habe ich sogar eine eigene Playlist."  Fünf Minuten weinen zu dürfen pro Tag - darauf haben alle Menschen ein Recht in solchen Zeiten: "Lassen Sie die Tränen beim Mitsummen kommen und fließen."

Sie ist, wie andere europäische StimmexpertInnen auch, überzeugt, dass die Stimme beim Mutmachen, Durchhalten aber auch gegen Lagerkoller hilft.  „Stimme und Stress hängen unmittelbar zusammen. Unruhe und Hektik führen dazu, dass sich der ganze Körper verspannt – etwa 50 Prozent der Muskeln sind an der Stimmgebung beteiligt“, sagt Amon. Das gilt besonders für unser Zwerchfell. Was tun? Amon und ihre KollegInnen empfehlen „das Tönen von Vokalen, weil das hilft, dem wichtigsten Atemmuskel wieder mehr Bewegungsspielraum zu geben.“

Dies wiederum würde dazu führen, dass sich nicht nur das Zwerchfell, sondern der ganze Körper entspannt – ganz besonders das Becken und der Beckenboden, die Schultern und der Kiefer. Und: „Tönen verlängert die Ausatmung, weil die Atemluft gebremst durch Kehlkopf und Stimmritze strömt. Je gründlicher, d.h. je länger man ausatmet, desto besser kann sich die Lunge leeren und ist dann bereit, frischen Sauerstoff aufzunehmen.“ Zum unmittelbaren Stressabbau empfiehlt Amon etwa, zehn Mal hintereinander so zu tun, als würde man eine Kerze ausblasen.

© Kurier/Franz Gruber

Das Gehirn laden

Vor allem Töne, die wir beim Summen, Trällern und Singen selbst erzeugen, produzieren jene mitschwingenden Obertöne, die unser Gehirn laden. Das Ergebnis: Es geht uns wieder besser, man wird wacher und „heller“ im Kopf.

Und tanzen sollte man – ganz viel, auch davon ist Ingrid Amon überzeugt: „Singen und Tanzen sind ein erhöhter körperlicher Ausdruck unserer Gefühle. Sie helfen uns, alles Belastende nicht mit Worten, aber eben doch nach außen zu tragen und somit nicht runterzuschlucken. Aufstauen von – vor allem belastenden – Gefühlen kann zu Depressionen und aggressivem Verhalten führen.“ Dann doch lieber mal ein paar Minuten Rock 'n’ Roll oder Shaken.

Stimmexperten empfehlen, sich eine eigene, aufmunternde „Shaking Playlist“ zusammenzustellen: „Möglichst rhythmische Lieder nehmen, von denen Sie wissen, dass es keine Minute dauert, dann lassen Sie diese Songs mindestens fünf hintereinander, laufen. Irgendeine rhythmische Phrase packt Sie, nimmt Sie mit und sorgt dafür, dass es Ihnen besser geht.“ Anregungen gibt’s genug:

Mambo Nr. 5 – Lou Bega

Reet Petite – Jackie Wilson

Such a Night – Michael Bublé

Shaking the Blues away - Doris Day

Und nicht zuletzt hilft die Stimme, zu beruhigen - gerade, wenn man Kindern vorliest. Der Rat der Stimmexpertinnen: "Konsequent am Abend an die Betten der Kinder setzen - und vorlesen. Das holt die Kinder und Sie selbst „runter“.  Hier ist jetzt ausnahmsweise eher monotoner Singsang nützlich. Jedenfalls bei der letzten Geschichte. Das Einschlafen fällt dann leichter."

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