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Was der Bergbau am Mond für die Erde bedeutet

futurezone-Logo futurezone 25.01.2021 andreea.iosa

Heute Gestein, morgen wertvolle Rohstoffe – das Interesse am Abbau seltener Mond-Bodenschätze steigt heute schon.

© APA - Austria Presse Agentur/futurezone

Schon in den 60er- und 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts haben Apollo-Astronauten über 380 Kilogramm  Mondmaterial zur Erde gebracht – in Form von tief ausgebohrten Gesteinskernen, Kiesel und feinstem Staub. Vor wenigen Wochen brachte auch die chinesische Raumsonde „Chang’e 5“ knapp 2 Kilogramm Gestein für die Erforschung des Erdtrabanten auf die Erde zurück.

Mit den geplanten bemannten Mondmissionen in den kommenden Jahren und der Stationierung permanenter Besatzungen wird der Bergbau auf dem Mond an Bedeutung gewinnen. Laut einer Studie der University of New South Wales und der NASA wäre die Ressourcennutzung vor Ort jedenfalls günstiger als der Transport von der Erde. Das lokale Baumaterial Regolith, also Mondstaub, könnte für den Aufbau strahlensicherer Unterkünfte und Labore zum Einsatz kommen. Sauerstoff und Wasserstoff könnte man zudem aus dem vermuteten Eis in schattigen Kratern gewinnen. 

© REUTERS / NASA

Seltene Rohstoffe

Gleichzeitig steigt bereits heute schon das Interesse am Abbau lunarer Ressourcen wie Titan, Aluminium und anderer Edelmetalle. Laut einer Studie des Harvard & Smithsonian Center for Astrophysics sind die aber auf wenige Standorte  knapp und ungleichmäßig verteilt. 

Einige Privatunternehmen aber auch staatliche Behörden wie die NASA haben für das sogenannte „Moonmining“ bereits konkrete Pläne gefasst: so will das US-amerikanische Weltraumunternehmen MoonEx etwa Platin und andere Seltenerdmetalle abbauen. Laut dem Astrophysiker Gernot Grömer vom Österreichischen Weltraum Forum gebe es aber vor allem eine Ressource, die in hoher Konzentration auf dem Mond vermutet wird: Helium 3.

„Es handelt sich dabei um einen äußerst seltenen und teuren Rohstoff. 1 Liter Gas kostet aktuell 2.150 Dollar. Der Jahresverbrauch von Helium 3 auf der Erde beträgt  60.000 Liter“, sagt er der futurezone. Dieser Bedarf könnte eines Tages jedoch stark steigen. „Die übernächste Generation könnte über kurz oder lang bei einer Kernfusion von Helium 3 Gebrauch machen“, so der Experte. Der dafür nötige hohe Bedarf werde aber wohl erst in 100 Jahren relevant. 

© Getty Images/iStockphoto/gorodenkoff/iStockphoto

Schutz vor Ausbeutung

Angesichts der international steigenden Begehrlichkeiten stellt sich die Frage, was ein solcher Eingriff in die Mondmasse für das Leben auf der Erde bedeuten würde. Denn aus der bisherigen Mondforschung wissen wir, dass der Erdtrabant lebensnotwendig für uns ist. Grömer kann beruhigen: „Der Mond wiegt 7,346 mal 10 hoch 22 Kilogramm. Selbst ein enormer Abbau von Ressourcen hätte auf seine Gesamtmasse und auf die Erde keinen Einfluss“. Wie auch die Erdmasse durch Einschläge von Mikrometeoriten wächst, lege zudem auch der Mond an Masse zu. 

Interessenskonflikte zwischen den großen Nationen, die Raumfahrt betreiben, sind bei den begrenzten Standorten für die seltenen Ressourcen aber möglich. Grundsätzlich gibt es zum Schutz des Mondes eine Regelung, die seine Ausbeutung  verhindern soll. „Es gibt den Weltraumvertrag Outer Space Treaty von den Vereinten Nationen und den dazu zusätzlich verhandelten Mondvertrag, der das Eigentum an Himmelskörpern regelt“, sagt Grömer.

Damit darf grundsätzlich kein Staat Besitzansprüche auf den Mond und seine Rohstoffe erheben. Die NASA wolle diesen Mondvertrag mit dem umstrittenen Abkommen Artemis Accords aber umgehen. Ihr zufolge sei das Outer Space Treaty bezogen auf den Mond kein zeitgemäßes internationales Rechtsregime, wodurch der Abbau von Mond-Bodenschätzen durch Partner und Alliierte erlaubt sein soll. Vor über einem Jahr haben die USA und Luxemburg  daher eine Allianz gebildet, um den Weltraum kommerziell zu nutzen.

Mond und Erde © /Fotolia Mond und Erde

Ohne Mond kein Leben

Die Eigenschaften des Mondes und seine Auswirkungen auf die Erde werden sich durch dieses politisch und wirtschaftlich geprägte Geplänkel vorerst nicht ändern. Er wird weiterhin unsere Temperatur, Tagesdauer und Biodiversität regeln. „Es gibt einen ganz offensichtlichen Einfluss des Mondes auf die Erde, den wir alle aus der Schule kennen, nämlich Ebbe und Flut“, sagt Grömer. Durch die Wasserbewegung kommt es zum regen Transport von mineralischen Nährstoffen in den Ozeanen, was für Biodiversität sorgt.

Die Anziehungskraft des Mondes sorgt aber auch dafür, dass sich der Neigungswinkel der Erdachse, der heute bei genau 23,5 Grad liegt, über Jahrzehnte nicht wesentlich verändert. „Ohne Mond würden wir eine massive Schwankung der Polarneigung der Erde haben. Dadurch würden die Temperaturen auf der Erde zwischen 60 und 80 Grad liegen. Die Erde wäre deutlich stürmischer und ein lebensunwirklicher Planet“, so der Experte.

Hätte die Erde seinen kleineren Partner nicht, dessen Durchmesser rund ein Viertel von jenem der Erde beträgt, würde sie sich zudem um das Dreifache scheller um die eigene Achse drehen. Die Mond-Anziehungskraft fungiert als eine Art Bremse: statt 8 dauert ein Tag daher 24 Stunden. Das macht etwa Winde erträglicher, die ansonsten mit bis zu 500 Kilometer pro Stunde über die Erdoberfläche fegen würden.

© Fremd/RomoloTavani/Istockphoto

Mond entfernt sich von uns

Der Mond entfernt sich jährlich um etwa 4 Zentimeter von der Erde. „Die Gezeiten bremsen die Erdrotation und die Energie, die dabei freigesetzt wird, wird auf den Mond übertragen“, erklärt Weltraumexperte Gernot Grömer. Die Erdrotation wird um ein paar Millisekunden im Jahr gebremst.

Bedrohlich sei das aber nicht, denn die Bewegung des Mondes würde in ein paar Milliarden Jahren und bei etwa 800.000 Kilometer Entfernung zum Stillstand kommen. Veränderungen würde es aber geben: nicht nur die Gezeiten wären anders, auch die Monate würden länger dauern und die Tageslänge etwa doppelt so groß sein. Und: „Es wird keine Sonnenfinsternisse mehr geben, weil der Mond von der Erde aus dann schon zu klein sein wird.“

Letzte Generation

Außerdem sei unsere Generation laut Grömer wahrscheinlich die letzte, die den Mond als unbesiedelten Himmelskörper kennt. „Unsere Enkel sehen dann nicht etwa einen dunklen Neumond, sondern kleine Lichtpünktchen, wenn sie ihn anschauen.“ 

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