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Weltmeisterliches „Sitz“ und „Platz“

KURIER-Logo KURIER 13.09.2019 caroline.ferstl

Peter Mohr ist mit seinem Schäferhund Ayk vom Kölner Tor bei der Hunde-WM in Schwechat vertreten.

Peter Mohr und sein Schäferhund Ayk vom Kölner Tor treten als Staatsmeister im Gebrauchshundesport bei der WM an © Kurier/Franz Gruber Peter Mohr und sein Schäferhund Ayk vom Kölner Tor treten als Staatsmeister im Gebrauchshundesport bei der WM an

Ayk vom Kölner Tor ist mit seinen dunklen Augen und braunen Haaren ein besonders Hübscher. Sportlich ist er außerdem. Und er folgt aufs Wort: Er geht bei Fuß, hört umgehend auf Kommandos und weicht seinem Herrchen nicht von der Seite. Alles ohne Leine. Nicht umsonst ist er amtierender Staatsmeister im Gebrauchshundesport.

Ayk vom Kölner Tor, amtierender Staatsmeister © Kurier/Franz Gruber Ayk vom Kölner Tor, amtierender Staatsmeister

Bei Ayk handelt es sich um einen Belgischer Schäferhund. Gemeinsam mit seinem Herrchen (im Fachjargon sagt man Hundeführer) Peter Mohr nimmt er derzeit an der FCI IPG Weltmeisterschaft für Gebrauchshunde in Schwechat teil. 160 Gebrauchshunde, darunter fallen die Rassen Deutscher Boxer, Rottweiler, Dobermann, Riesenschnauzer, Deutscher oder eben auch der Belgische Schäferhund, aus mehr als 36 Nationen treten gegeneinander an.

Sitz, Platz, Bell!

Die Weltmeisterschaft der Gebrauchshunde findet nur alle zehn Jahre in Österreich statt. Die letzte war im oberösterreichischen Schwanenstadt im Jahr 2009. Seit Mittwoch laufen die Bewerbe. Die Hunde müssen in drei verschiedenen Disziplinen ihr Bestes geben: Fährtenarbeit, Unterordnung und Schutzdienst.

Beim Schutzdienst muss Ayk sein Herrchen verteidigen. Der Hund wird darauf trainiert, nur auf den geschützten Arm zu beißen © Kurier/Franz Gruber Beim Schutzdienst muss Ayk sein Herrchen verteidigen. Der Hund wird darauf trainiert, nur auf den geschützten Arm zu beißen

Bei der Fährtenarbeit ist die feine Spürnase des Hundes gefragt. Die Tiere müssen innerhalb einer Fährte mehrere Gegenstände aus unterschiedlichen Materialien wie Leder, Textilien und Holz finden. Sobald der Hund den „Schatz“ entdeckt hat, muss er sich ruhig auf den Boden legen und auf das Herrchen warten.

In der Disziplin Unterordnung wird die Konzentration und Aufmerksamkeit des Hundes auf den Hundeführer sowie die Exaktheit und Geschwindigkeit in der Ausführung der Übungen überprüft: Der Hund muss „bei Fuß“ ohne Leine durch eine Menschenmenge gehen, Kommandos wie Sitz und Platz beherrschen, über Hürden springen und einen Gegenstand bringen.

Die letzte Disziplin, der sogenannte Schutzdienst, ist für die Zuseher besonders spektakulär: Der Hund muss sein Herrchen gegenüber einem Angreifer verteidigen. Er muss den Täter stellen und verbellen. Wenn der Angreifer flüchtet, muss der Hund hinterher, jedoch beim leisesten Kommando des Hundeführer vom Flüchtenden ablassen und zurückkommen. Der Täter hat einen Schutz um den Arm gewickelt, der Hund wird darauf trainiert, nur in diese Stelle zu beißen. „Eigentlich sollte das jeder Hund können, doch die meisten Hundebesitzer nehmen sich zu wenig Zeit für ihr Haustier“, meint Peter Mohr.

Auf den Hund gekommen

Der gebürtige Ternitzer (Bezirk Neunkirchen) ist Versicherungskaufmann. Als Schutzdiensthelfer hat der 58-Jährige mehr als 1.200 Hunde ausgebildet. Er ist ein „alter Hase“ im Hundesport: Seit 1992 ist er dabei, zum zweiten Mal startet er bei der FCI Weltmeisterschaft. Sein Wohnzimmer zieren unzählige Pokale von den verschiedensten Bewerben. Der viereinhalbjährige Ayk ist sein vierter Hund, mit dem er Wettkämpfe bestreitet. Auf den Hund kam Mohr übrigens durch einen Pudel: „Der war aber eher ein Kuschler als ein Wettkämpfer“, erzählt Mohr schmunzelnd.

Unter Gebrauchshunde fallen Rassen wie der Riesenschnauzer, der Dobermann oder eben der Schäferhund © Verena Valda Unter Gebrauchshunde fallen Rassen wie der Riesenschnauzer, der Dobermann oder eben der Schäferhund

Erziehung ist alles

Die Erziehung des Hundes beginnt bei Mohr, sobald der Welpe den ersten Schritt über die Türschwelle macht: „Das Futter bekam der Hund von klein auf nur aus der Hand und als Belohnung. Mit Ayk verbringe ist fast mehr Zeit als mit meiner Freundin. Wir trainieren bis auf einen Tag in der Woche zwei bis drei Stunden täglich.“

Schätzungen zufolge gibt es mehr als 665.000 Hunde in Österreich. Zuletzt waren in den Medien vermehrt Berichte über Hundeattacken zu lesen, von einer allgemeinen Verteufelung von Listenhunden hält Mohr wenig: „Kein Hund ist böse, wenn er auf die Welt kommt. Jeder Hundebesitzer ist verantwortlich für das Verhalten seines Tieres. Und viele überschätzen sich einfach: Nicht jeder Hund passt zu jedem Menschen.“

Peter Mohr hat als Schutzdiensthelfer über 1.200 Hunde ausgebildet © Kurier/Franz Gruber Peter Mohr hat als Schutzdiensthelfer über 1.200 Hunde ausgebildet

Mohr und Ayk träumen bei dieser Weltmeisterschaft von den Top 20. Doch es ist möglicherweise der letzte Wettkampf für die beiden: „Ich mach’ das schon so lange und hab’ schon so viel erreicht. Vielleicht ist es mal Zeit für eine Pause“, überlegt der 58-Jährige. Pause gibt es nach dem Wettkampf sowieso, da wird dann viel spazieren gegangen und Rad gefahren, gespielt und gekuschelt: „Für Ayk bin ich alles.“

Und auch, wenn die Zeit des Hundesports vorbei wäre, „die Liebe zum Hund bleibt“, versichert Mohr.

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