Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Zusammenstöße bei Anti-Rassimus-Demonstration in London

KLEINE ZEITUNG-Logo KLEINE ZEITUNG 13.06.2020 Kleine Zeitung

Bei Anti-Rassismus-Protesten in London ist es am Samstag zu Zusammenstößen mit rechtsgerichteten Gegendemonstranten gekommen. Auf dem Trafalgar Square im Stadtzentrum gerieten zwei Gruppen von jeweils etwa 100 Personen aneinander und wurden von der Polizei getrennt. Die einen skandierten "Black lives matter" ("Schwarze Leben zählen"), die anderen riefen rassistische Bemerkungen.

Bild: APA (AFP) © Bild: APA (AFP) Bild: APA (AFP)

Teilweise kam es zu Rempeleien. Flaschen und Dosen wurden geworfen, Feuerwerkskörper gezündet. Bereitschaftspolizei mit Hunden und Pferden marschierte auf. Nach Angaben der Behörden brachten manche Teilnehmer Waffen zu den Demonstrationen mit. Die Protestzüge beider Gruppierungen sollten auf Geheiß der Polizei um 18.00 Uhr (MESZ) enden.

Innenministerin Priti Patel kritisierte die Gewalt als völlig inakzeptabel. Wer sich an gewalttätigen Ausschreitungen und Vandalismus beteilige, müsse mit der ganzen Härte des Gesetzes rechnen. "Gehen Sie nach Hause, um die Ausbreitung (des Coronavirus) zu stoppen und Leben zu retten", schrieb sie auf Twitter. Patel teilte auf Twitter ein Video, das zeigt, wie rechtsextreme Demonstranten Polizisten anpöbelten. Sie sprach von "absolut inakzeptabler Gewalt". Auch Bürgermeister Sadiq Khan rief dazu auf, von Kundgebungen Abstand zu nehmen.

Die Tötung des Afroamerikaners George Floyd vor knapp drei Wochen bei einem Polizeieinsatz in den USA hat weltweit eine Protestwelle gegen Rassismus losgelöst. In Großbritannien gerieten dabei historische Persönlichkeiten ins Visier, die für die koloniale Vergangenheit des Königreichs stehen. So wurden zuletzt Denkmäler attackiert und als Konsequenz mit Brettern vernagelt.

In Bristol wurde die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston vergangenes Wochenende von Demonstranten ins Hafenbecken geworfen. Außerdem wurde ein Denkmal von Winston Churchill, der im Zweiten Weltkrieg Regierungschef Großbritanniens war, mit einem Graffiti besprüht, in dem er als Rassist bezeichnet wird. Premierminister Boris Johnson kritisierte dies als "absurd und beschämend".

Auf dem Parliament Square versammelten sich Hunderte von Menschen in Fußballtrikots, die "England, England" riefen und sich als Patrioten bezeichneten. Sie bewachten dort das Londoner Kenotaph, ein Denkmal zu Ehren der in der Fremde gefallenen Soldaten. "Meine Kultur wird angegriffen", sagte der Demonstrant David Allen. "Warum sollte Churchill zugebrettert werden? Warum wird das Kenotaph angegriffen? Das ist nicht in Ordnung."

Auch in anderen englischen Städten gab es Demonstrationen. Viele Teilnehmer trugen Gesichtsmasken zum Schutz gegen das Coronavirus. In Reading schwenkten Protestierende ein Plakat mit der Aufschrift "Schwarz zu sein ist kein Verbrechen".

Die Polizei hatte gewarnt, dass mit der Teilnahme an Demonstrationen die Regeln zum Schutz vor dem Coronavirus verletzt würden. Demnach dürfen sich nicht mehr als sechs Menschen versammeln. Um Zusammenstöße beider Gruppen zu verhindern, hatte die Polizei diesen unterschiedliche Bereiche in London zugewiesen.

Im Zentrum von Paris kamen indes Tausende von Menschen zusammen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu protestieren. Zu der Kundgebung aufgerufen hatte die Schwester des 2016 bei einer Festnahme gestorbenen Adama Traoré. Sie verglich den Fall ihres Bruders mit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA.

"Wir haben uns heute versammelt, um Polizeigewalt, gesellschaftliche Gewalt und ethnische Gewalt anzuprangern", sagte Assa Traoré. Rechte Gegendemonstranten entfalteten von einem Dach ein großes Transparent, auf dem sie den Demonstranten "Anti-Weißen-Rassismus" vorwarfen. Es wurde jedoch vom Balkon der darunter liegenden Wohnung aus zerschnitten, vermutlich von den Anrainern selbst.

Adama Traoré, 24-jähriger Sohn von Einwanderern aus Mali, war nach einer Festnahme in einer kleinen Gemeinde bei Paris ums Leben gekommen. Die Todesursache ist umstritten - es gibt zahlreiche Gutachten und Gegengutachten. Ein aktuelle Bewertung der Justiz entlastet die Polizisten. Ein Gutachten im Auftrag von Traorés Familie geht dagegen davon aus, dass Traoré aufgrund äußerer Gewalteinwirkung erstickt ist.

Beachtung fand ein Gastbeitrag der Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye in der Zeitung "Le Monde". Sie schlug darin vor, in Statistiken auch Daten zur ethnischen Herkunft der Bürger zu erfassen. Damit könne Diskriminierung besser erkannt werden, schrieb die aus Senegal stammende Sprecherin, die Ministerrang hat. Eine solche Datenerfassung ist bisher gesetzlich untersagt.

Unterdessen wird in den Vereinigten Staaten der Fall eines durch Polizisten erschossenen Afroamerikaners untersucht. Das Kriminalamt GBI des Staates Georgia stellte den Fall vom Freitagabend (Ortszeit) so dar: Die Polizei sei zu einem Schnellrestaurant gerufen worden, in dessen Autoschlange ein Mann in einem Wagen eingeschlafen war. Andere Fahrzeuge hätten an ihm vorbei fahren müssen. In der Folge habe der 27-jährige Mann, der in dem Auto saß, einen durchgeführten Nüchternheitstest nicht bestanden und sollte in Gewahrsam genommen werden.

Dabei sei es zu einem Kampf gekommen. "Zeugen berichten, dass das männliche Subjekt während des Kampfes den Taser (eines Polizisten) ergriff". Im Kampf um dieses Elektroimpulsgerät, mit dem Verdächtige außer Gefecht gesetzt hätte werden können, habe ein Beamter mit seiner Pistole auf den Afroamerikaner geschossen. Er starb den Angaben zufolge kurze Zeit später im Krankenhaus. Im Netz kursierte ein nicht verifizierbares Video, das den Vorfall zeigen soll.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Kleine Zeitung

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon