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Aufgedeckt: So marod sind Wiens Sportstätten

Heute-Logo Heute 05.05.2020

Der Stadtrechnungshof stellt Wiens Sportstätten ein schlechtes Zeugnis aus. Besonders desolat ist die Sportanlage Hohe Warte in Döbling.

Aufgedeckt: So marod sind Wiens Sportstätten © zVg Aufgedeckt: So marod sind Wiens Sportstätten

Der Stadtrechnungshof Wien prüfte die baulichen Anlagen der von der Magistratsabteilung 51 eigenverwalteten sowie verpachteten Sportstätten auf deren standsicheren bzw. gebrauchstauglichen Zustand.

Konkret wurden fünf Sportstätten ins Visier genommen:

- die Sportanlage Hohe Warte (an den First Vienna Football Club1894 verpachtet) in Döbling

- die verpachtete Anlage des Paddelklubs in Döbling

- die verpachtete Fußballsportanlage des FC Stadlau in der Donaustadt

- die Jugendsportanlage Herderpark in Simmering (Eigenverwaltung durch MA 51)

- die Rundsporthalle in der Jura-Soyfer-Gasse in Favoriten (Eigenverwaltung durch MA 51)

Die Prüfer kamen zu dem Ergebnis, dass "der mangelhafte bauliche Zustand einiger verpachteter Sportstätten zeigte, dass die Magistratsabteilung 51 bis zum Jänner 2018 der Verpflichtung, Kenntnis über den baulichen Zustand ihrer verpachteten Anlagen gemäß ÖNORM B 1301 zu haben, erst in einem geringen Ausmaß nachkam."

Problemfall Hohe Warte

Besonders das 1921 als modernstes Fußballstadion Kontinentaleuropas eröffnete "Hohe-Warte-Stadion" ist in sehr desolatem Zustand. Seit 2017 ist die 1976 errichtete Haupttribühne aufgrund vermorschter Holzträger der Dachkonstruktion gesperrt. Die aktuell schwersten Mängel laut Stadtrechnungshof seien:

- offene Brandabschnitte aufgrund nicht geschlossener Wanddurchbrüche

- Lagerungen von zusätzlichen Brandlasten

- Rückstau eines Abwasserkanals

- mangelnde Trittsicherheit an Stufen

- für betriebsunkundige Personen zugängliche Verteilerschränke

- lose Verkabelungen

- fehlende Anlagenbücher

- fehlende Sicherheitsbeleuchtungen

- fehlende Überprüfungsbefunde

Dazu kommen mehrere mittlere und leichte Mängel. "Die geschätzten Nettokosten für die Sanierung aller Mängel ergab dabei eine Gesamtsumme von rund 745.000 Euro (exkl. USt)", so der Stadtrechnungshof. Der Hauptteil dieser Gesamtkosten zielte dabei auf die Sanierung der elektrischen Betriebsanlage zur weiteren Nutzung als Veranstaltungsstätte ab. Die Kosten zur Erhaltung der Bausubstanz (Schweregrad der Mängel von leicht bis schwer) wurden mit 160.000 Euro beziffert.

Kaputte Dächer, Pfusch bei Elektro-Anlagen, Sperrmüll

"Die vorgefundenen Mängel bei diesen Anlagen betrafen z.B. unsachgemäße Reparaturen von statisch wichtigen Bauteilen, unzureichende Be- und Entlüftungsanlagen, nicht fachgerechte Ausführung elektrischer Anlagen, beschädigte Dacheindeckungen, aufgeworfene Betonfelder in Fluchtwegbereichen und unzulässige Schachtabdeckungen sowie Sperrmüllablagerungen", heißt es in dem aktuellen Prüfbericht.

Es sei aber Besserung in Sicht: "Von der Magistratsabteilung 51 wurden allerdings zwischenzeitlich strukturelle und organisatorische Maßnahmen ergriffen, welche den Wissensstand über den bautechnischen Zustand der Anlagen verbessern sollen", so die Prüfer.

ÖVP: Stadt "gefährdet Gesundheit der Wiener"

Rot-Grün gefährde mit desolaten Sportstätten die Gesundheit der Wiener, so ÖVP-Stadtrat Stadtrat Markus Wölbitsch. Er fordert regelmäßige bautechnische Überprüfungen. "Die Sportstätten der Stadt Wien werden nachweislich vernachlässigt und einfach sich selbst überlassen. In der Stadtentwicklung sind Sportstätten kaum präsent und werden – wie etwa in der Seestadt Aspern – einfach vergessen. Das ist inakzeptabel und muss schleunigst geändert werden", so Wölbitsch.

FPÖ: "Liest sich wie Trailer der Sendung ‚Pfusch am Bau'"

"Die Aufzählung des Stadtrechnungshofes an Mängeln liest sich wie ein Trailer der Sendung ‚Pfusch am Bau'", kritisiert Nemanja Damnjanovic, Sportsprecher der FPÖ-Wien. Für Damnjanovic sei das der "manifestierte Beweis" dafür, wie "stiefmütterlich" der Sport in Wien von Seiten der rot-grünen Stadtregierung seit Jahrzehnten behandelt und nun von Sportstadtrat Hacker nahtlos fortgesetzt wird.

"Der Sport hat in Wien bei der rot-grünen Stadtregierung leider null Stellenwert. Wir Freiheitliche werden demnächst ein Konzept zur Rettung des Sportes in Wien präsentieren - gerade jetzt durch die Corona-Krise ist dies notwendiger denn je", kündigt Damnjanovic am Dienstag in einer Aussendung an.

Neos: Wien soll den "Sport-Turbo zünden"

Neos Wien Sportsprecher Markus Ornig drängt zur Eile: "Es besteht bei vielen Anlagen akuter Handlungsbedarf! Dass investiert werden soll und muss, ist allen Parteien klar. Wir können aber jetzt, wo viele Sportstätten ohnehin geschlossen sind, den Turbo zünden und notwendige Reparaturen vorziehen. Im Sinne der ‚Sportstadt Wien' sollte Stadtrat Hacker die Mittel dafür schnellstens bereitstellen, um die Sicherheit der Sportanlagen wiederherzustellen."

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