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Filmpreis: Appelle gegen Gift und ein Drogendrama als Abräumer

Die Presse-Logo Die Presse 01.02.2018 von Katrin Nussmayr

Es war der gefühlte Höhepunkt der Gala: Lukas Miko, gerade als bester Nebendarsteller für seine Rolle in „Die beste aller Welten“ geehrt, bedankte sich artig, drückte seine Trophäe einem verdutzten Moderator Christoph Grissemann in die Hand und drehte sich wieder zum Mikrofon hin. Er wolle jetzt nicht als Preisträger sprechen, sondern im Namen von 248 Filmschaffenden. 248 Filmschaffende nämlich, die einen gemeinsamen Aufruf unterschrieben haben – „gegen Verhetzung und Entsolidarisierung“.

Unter dem Titel „#KlappeAuf“ beklagen sie in einer gemeinsamen Erklärung, die Miko bei der Filmpreis-Gala am Mittwochabend in Grafenegg verlas, dass die FPÖ, aber auch Politiker anderer Parteien „das Gift der Angst, des Neides und des Hasses“ in unsere Gesellschaft spritzen und damit den Nährboden für Gewalt bereiten würden. Zudem fordern sie die ÖVP-Regierungsmitglieder auf, „die Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern deutschnationaler Burschenschaften und anderer rechtsextremer Organisationen sofort zu beenden“.

Armbänder für Solidarität

Die Liste der Unterschriften unter dem Appell liest sich wie ein Who-is-who der österreichischen Filmbranche. Dabei hatten die Organisatoren – darunter etwa die Regisseurin Ruth Beckermann, die ihren Protest auch bei der kommenden Berlinale artikulieren will – nur zwei Tage Zeit, um Unterstützer anzuwerben. Wer nicht mehr unterschreiben konnte, hatte die Möglichkeit, mit farbigen Armbändern seine Solidarität zu bekunden: „Gegen Gift“ oder „Für eine offene Gesellschaft“ stand auf den Bändern, die an dem Abend in Grafenegg verteilt wurden.

Für Mikos Brandrede gab Standing Ovations und großen Jubel im Saal – bei einer Gala, die offiziell unter dem Motto „Into the Future“ stand, tatsächlich aber von Botschaften für Toleranz und gegen Machtmissbrauch geprägt war. So bedankte sich Verena Altenberger, die – ebenfalls für den Film „Die Beste aller Welten“ – als beste Hauptdarstellerin gewann, für „ein Set, das zu hundert Prozent angstfrei war“, bei dem kein Machtgefälle die Arbeit beeinflusste. „So möchte ich arbeiten, so möchte ich spielen“, sagte die sichtlich bewegte Schauspielerin.

Innenpolitik und die Debatte um Sexismus in der Filmindustrie waren auch in der launigen Moderation von Hilde Dalik und Christoph Grissemann präsent. Er habe gelesen, Dalik sei die Lieblingsschauspielerin von Sebastian Kurz, sagte Grissemann zu Beginn – worauf diese entgegnete: „Lustig. Er ist auch mein Lieblingsschauspieler!“ Weniger harmlos muteten die Anspielungen auf „Me Too“-Fälle an: In einer angedeuteten Versteigerung zugunsten österreichischer Frauenhäuser präsentierten die Moderatoren scherzhaft etwa einen „offenen Bademantel von Dieter Wedel“. Dem deutschen Regisseur wird sexueller Missbrauch vorgeworfen.

Drei Filme teilen sich die Preise auf

© Verena Altenberger wurde für ihre Darstellung in "Die beste aller Welten" als beste weibliche Hauptd...

„Willkommen Österreich“-Chefredakteur Mathias Zsutty zeichnete für die Gags verantwortlich, inszeniert hat den Abend die Regisseurin Mirjam Unger – im Science-Fiction-Stil, mit riesigen Diskokugeln, treibenden Bässen des Elektropunk-Trios Gudrun von Laxenburg und Ausschnitten aus dem Film „1. April 2000“ (1952), der die imaginierte Zukunft einer traumatisierten Nachkriegsgesellschaft zeigt. Inmitten dieses Stilmixes (als Dresscode galt die Glam-Mode der 70er) ging der Überraschungsgast des Abends ziemlich unter: Max Grodénchik, mittlerweile in Oberösterreich lebender US-Schauspieler und bekannt vor allem aus „Star Trek“-Serien, durfte zwei Kuverts öffnen und Preisträger verkünden.

Apropos Preise: Die 16 Kategorien, in denen die Akademie des Österreichischen Films je einen Sieger wählte, teilten sich drei Filme fast komplett untereinander auf. Großer Sieger des Abends war Adrian Goigingers Kindheitsdrogendrama „Die beste aller Welten“, zahlreich prämiert wurden auch Barbara Alberts „Licht“ und die Doku „Untitled“ des verstorbenen Michael Glawogger und seiner langjährigen Cutterin Monika Willi.

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