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Novomatic zieht sich aus Kleinem Glücksspiel in Österreich zurück

KURIER-Logo KURIER 05.02.2020 andrea.hodoschek

Fokus auf internationaler Expansion. Die erste Lizenz läuft 2023 aus. Novomatic wird sich wohl von den Automatencasinos trennen.

© Novomatic/Thomas Meyer Photography

Der  Glücksspielkonzern Novomatic setzt den nächsten Schritt im Rückzug aus dem operativen Gaming-Geschäft in Österreich. „Wir werden uns in Österreich nicht mehr um Konzessionen bewerben, egal, welche  Lizenzen in Zukunft ausgeschrieben werden“, erklärte Novomatic-Chef Harald Neumann am Rande der Glücksspielmesse ICE in London vor Journalisten. Novomatic bespielt auf dieser weltweit wichtigsten Glücksspielmesse seit etlichen  Jahren den größten  Stand.  Der Konzern lege seinen Fokus ausschließlich auf das internationale Geschäft, betonte Neumann.

Die ersten Konzessionen, die auslaufen und Novomatic betreffen, sind die Genehmigungen für die  Landesausspielungen. Das sogenannte „kleine Glücksspiel“  ist Landessache und derzeit in den Bundesländern Ober- und Niederösterreich, der Steiermark, Kärnten und dem Burgenland erlaubt.

Novomatic hat über die Tochterfirma ACE (Admiral Entertainment Casinos) in allen fünf Bundesländern Konzessionen, betreibt dort Automatencasinos und beschäftigt einige hundert Mitarbeiter. Die erste Lizenz läuft 2023 in Oberösterreich aus.

De facto bedeutet die Ansage von Neumann, dass Novomatic sich wohl von diesem Konzernbereich trennen wird und einen Käufer sucht. Sind die Konzessionen ausgelaufen, hat diese Tochtergesellschaft für den Konzern keinen Wert mehr, weil die Geschäftsgrundlage fehlt. An Kaufinteressenten dürfte es nicht mangeln.

Aus den teilstaatlichen Casinos Austria zieht sich der Konzern des Industriellen Johann F. Graf wie berichtet demnächst zurück. Novomatic wurde nach jahrelanger erbitterter Feindschaft mit der tschechischen Sazka-Group, dem größten Casinos-Aktionär, über den Verkauf des 17-prozentigen Anteils handelseins. Der Kaufpreis dafür dürfte sich in der Größenordnung von mindestens 100 Millionen Euro bewegen. Neumann rechnet mit einem Closing des Verkaufs in etwa fünf Monaten.

Am 12. Februar treffen sich alle Casinos-Aktionäre, die gegenseitige Vorkaufsrecht haben. Neben Sazka (über 38 Prozent) und Novomatic die Staatsholding Öbag (hält ein Drittel) sowie die Melchart-Stiftung und das Bankhaus Schelhammer & Schattera.

Die Öbag hat sich bis dato noch nicht deklariert, ob sie von ihrem anteiligen Vorkaufsrecht auf die Novomatic-Aktien Gebrauch macht. Derzeit verhandelt die Staatsholding mit Sazka über einen Syndikatsvertrag. Darin soll ein abgestimmtes Vorgehen festgeschrieben werden, ähnlich den Syndikatsverträgen der Republik mit America Movil für die Telekom Austria und dem Staatsfonds von Abu Dhabi für die OMV.

In ÖVP-Wirtschaftskreisen wird wie berichtet ein Börsegang der Casinos favorisiert, der in zwei Jahren realisiert werden könnte. Die Öbag könnte zuerst aufgreifen und ihren Anteil dann auf eine Sperrminorität von 25,1 Prozent reduzieren. Aber selbst wenn die Staatsholding   ihren Anteil aufstockt, haben die Tschechen über ein Abkommen mit Schelhammer & Schattera die Mehrheit der Stimmrechte. Greift die Öbag  nicht auf, hat Sazka auch die Mehrheit der Anteile. 

Lotto: Alles ist möglich

Novomatic hält allerdings noch 11 Prozent an der Casag-Tochter  Lotterien. Damit sind zwar keine Mitspracherechte verbunden, aber Lotto ist die Cash-Cow der Casinos-Gruppe. Hier ist noch alles möglich, ob und wann sich Novomatic von dieser Beteiligung trennt, ließ Neumann offen.

Neben dem kleinen Glücksspiel betreibt Novomatic in Österreich noch die Admiral-Sportwetten. In der Branche wird spekuliert, dass sich der Konzern auch von diesem Geschäftszweig trennt. Das Headquarter der Gruppe in Gumpoldskirchen, NÖ, bleibe jedoch ebenso wie die dort angesiedelte Automatenproduktion. Der Umsatz der heimischen Automatencasinos sowie der Sportwetten liegt bei rund 300 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im  Vorjahr spielte der gesamte Konzern weltweit rund 5,1 Umsatzmilliarden ein.

Man werde sich garantiert nicht um eine Online-Konzession bewerben, betonte Neumann. In einer anonymen Anzeige wird Novomatic vorgeworfen, mit der FPÖ einen Deal für Online-Lizenzen abgeschlossen zu haben. Im Gegenzug soll Novomatic den FPÖ-nahen Manager Peter Sidlo als Finanzvorstand in die Casinos gehievt haben. Alle der elf Beschuldigten, darunter Neumann und Graf sowie Ex-FPÖ-Chef Strache und die Ex-ÖVP-Finanzminister Pröll und Löger, dementieren.

Die Causa hat sich zum Großverfahren ausgewachsen. „An den Vorwürfen ist nichts dran, ich wünsche mir ein rasches, zügig voranschreitendes Ermittlungsverfahren“, sagte Neumann in London.

Arbeitsrechtlich wäre es aus Sicht der Casinos außerdem klüger gewesen, Sidlo auf der Hauptversammlung das Vertrauen zu entziehen als ihn durch den Aufsichtsrat abzuberufen, meinte der Novomatic-CEO.

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