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Pen and Paper: Aus der Zeit gefallen?

Futter-Logo Futter 06.01.2020 Carmen Bayer

Online Gaming erfährt seit Jahren ein unaufhörliches Hoch, wurde inzwischen als Sport anerkannt und Millionen werden damit verdient. Doch ein Trendspiel aus den 80ern ist leise aber zielstrebig dabei, zum neuen Hype zu werden. Eine Underdog-Liebesgeschichte:

Bevor wir uns über Pen and Paper unterhalten muss ich eines vorweg klarstellen: Ich habe absolut keine Ahnung von Computerspielen, der Gamingwelt oder sonstigen Zockerfreuden. Für mich, die auserwählte Antigamerin, war es daher sehr verlockend, mich in eine Welt frei von Spezialeffekten zu begeben, bewaffnet mit nichts als ein paar Würfeln, Stift und Papier. So scheint es.

Die Unwissende sollte schon bald auf fremden Wegen, ausgestattet mit Pfeil und Bogen ihr Abenteuer beginnen ….

Gaming-Geschichte

Bei Pen and Paper handelt es sich um ein Rollenspiel das Anfang der 1970er in den USA entstanden ist. Seither haben sich viele Welten und Regelwerke aus dem ursprünglichen Chainmail heraus entwickelt. Zu den bekanntesten zählen wohl „Dungeons and Dragons“ (wir erinnern und kurz an Big Bang Theory oder an Stranger Things) und „Das Schwarze Auge“. Grundsätzlich kann man sich Pen and Paper wie ein Videorollenspiel vorstellen. Nur, dass anstatt einer Konsole vor dir ein Heldenbogen mit all den Eigenschaften des Spielecharakters, ein Stift und Würfel liegen. Was du sonst am Bildschirm siehst wird dir vom Spielleiter beschrieben und es hängt ein wenig von dir und deiner Phantasie ab, was du daraus machst.

Pen and Paper: Das Setting

Klassisches Pen and Paper benötigt wenig und so genügen meist ein Tisch und ausreichend gemütliche Sitzgelegenheiten. Wer es gerne noch etwas atmosphärischer hat, der kann schon mal Bierkrüge und majestätische Kerzenhalter besorgen.

Ohne ein paar heldenhafte Mitspieler_innen und ganz besonders ohne dem Spielleiter nützt die schönste Dekoration aber nichts. PnP-Abende machen meist ab einer Spieleranzahl von drei bis vier Personen richtig Spaß! Der Spielleiter investiert pro Abend einige Stunden in die Vorbereitung und schickt die verbleibenden Helden über lange Feldwege, durch lärmende Städte, in dunkle Keller und Katakomben, begleitet Sauftouren durch die lokale Gastronomie und führt seine Recken in wilde Scharmützel. Dabei sind der Fantasie meist keine Grenzen gesetzt und der Spielleiter kann sich entweder an offiziellen Abenteuerausgaben bedienen oder selbst zu schreiben beginnen. Wer es auf die Spitze treiben möchte, stellt sich mit Ambient-Musikvideos auf Youtube sogar eine kleine Audiokulisse zusammen.

Vollkommen blauäugig betreten die Gefährten die Pfade Aventuriens.

Let ‘em rol(l)e play

An diesem Abend bin ich Baba Jaga, eine ausgegrenzte Jägerin, oftmals als Hexe verteufelt, die ihren Lebensunterhalt über den Verkauf von alternativem Heilkraut verdient und mit ihrem Wehrheimer Bluthund vorzugsweise durch Wald und Wiesen zieht. Dein Charakter kann als Alter Ego genauso funktionieren wie als absolutes Gegenteil des realen Ichs. Bedenken sollte man jedoch, dass im Spiel ausschließlich Stärken und Schwächen der Figur gelten. So ist die Figur Baba Jaga im Wald unschlagbar, in Städten aber macht sich ihr Einsiedlertum durch klaustrophobische Anwandlungen negativ bemerkbar. Das sollte dann im Falle auch überzeugend dargestellt werden, denn nur so werden die Charaktere lebendig und das Spiel authentisch.

Alea iacta est – die Würfel sind gefallen und der nächste Spielzug wurde entschieden. Vom Würfelglück hängt in der Welt des analogen Zockens nämlich alles ab — von der Alkoholresistenz bis hin zum Angriff, der über Leben und Tod deines Helden entscheiden kann. Für Außenstehende wirken PnP-Spieler_innen wohl ein wenig aus der Welt gefallen, wenn sie dramatische Würfelrituale vollziehen, mit fremden Zungen ihren Götterglauben beschwören, vor ihrem Endgegner durch einen unglücklichen Wurf zu stolpern beginnen oder hinterher schwer lallend Heldenlieder zum Besten geben.

© Bereitgestellt von Futter

Wild würfelnd, schimpfend und lachend verloren sich die Helden in einer Welt, deren Existenz ihnen bislang völlig unbekannt war.

Happy End?

Ein Happy End gibt es meistens, muss es aber nicht. Verrat und Tod sind keine Seltenheit und im Gegensatz zum regulären PC-Game, bleibt auch tot was tot ist, was auch euren Charakter inkludiert (seltene Mirakel von den Göttern ausgenommen). Neben Verliesen, Verrat und Tod bietet die „Pen and Paper“-Welt ihren Spieler_innen grundsätzlich alle Möglichkeiten und Ideen, die ihrer Phantasie entkommen. So können sich über mehrere Spielabende hinweg interessante Situationen mit Auftraggebern, der Stadt- und Landbevölkerung und in der eigenen Gruppe entwickeln, was zur Vielschichtigkeit beiträgt.

Das ist glaube ich einer der wesentlichen Unterschiede zum mehr oder minder klassischen Gaming. Zwar haben sich ausgefuchste Programmierer_innen über die Jahre hinweg unglaublich viele kluge Aufträge und Sidequests einfallen lassen, jedoch können sie nicht das Erfolgserlebnis simulieren, dass sich ergibt, wenn die Schlachtpläne und Ideen der Gruppe aufgehen,  oder die minutiöse Ausführung einen kleinen Bonus vom Spielleiter gewährt.

Neben der Wiederentdeckung phantastischer Gedanken ist es die Gruppendynamik, die mit Stift und Papier zu neuer Höchstform auflaufen kann: Hat sich eine Gruppe erst mal gut eingespielt, dann fallen sie im Kollektiv über Stunden hinweg in fremde Welten, der Alltag wird zur Nebensache, das Handy wird vergessen. Seltene Momente. Empfehlenswerte Erfahrungen.

Nach vier Stunden endete das Abenteuer der Gefährten und sie waren nicht mehr die, die sie vorher waren. Zu viel ward geschehen, zu viel ward gesehen.

Lieber erst mal nur zuschauen?

Wie auch beim herkömmlichen Zocken bietet das liebe Internet unzählige Videos zum Zuschauen. Hier unsere Favoriten:

Dieser Text ist eine Gemeinschaftsproduktion der furchtlosen Helden von Gareth und deren beherzten Meisters!

© Bereitgestellt von Futter

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