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Virtueller Sextourismus: Kinder via Webcam missbraucht

KURIER-Logo KURIER 11.06.2020 michaela.reibenwein

Das Verbrechen der Kinder passierte auf den Philippinen – ein Tiroler gab die Anweisungen.

© EPA/SASCHA STEINBACH

Der Mann saß daheim vor seinem Laptop. Von Tirol aus gab er Anweisungen zum sexuellen Missbrauch der Kinder. Seine Opfer befanden sich auf den Philippinen. Doch via Livestream konnte der Mann beim Missbrauch dabei sein. Mehr noch. Er führte die Regie.

Sextourismus funktioniert in diesen Tagen längst virtuell. Erwischt werden die Täter nur selten. Doch nun konnte ein mutmaßlicher Täter ausgeforscht werden: Es handelt sich um einen 45-jährigen Tiroler.

Livestream ins Wohnzimmer

20 bis 50 Euro – je nach Extrawünschen: So viel kostete es, ein Kind auf den Philippinen missbrauchen zu lassen. Der „Kunde“ war live dabei – der Akt wurde mit einer Webcam übertragen – direkt in die vier Wände des Auftraggebers.

Der 45-jährige Verdächtige hatte ein geregeltes Leben. Einen Job als Automechaniker, eine Lebensgefährtin und einen kleinen Sohn. Er ist nach wie vor auf freiem Fuß. 

Nicht nur einmal soll er derartigen Missbrauch in Auftrag gegeben haben. Videos davon fanden die Ermittler des Bundeskriminalamtes und des Landeskriminalamtes Tirol auf seinem PC.

Verdächtiger geständig

453 Bilder und 498 Videos wurden sichergestellt. Und dazu Chatverläufe. Da gab der Mann seine Wünsche bekannt. Alter, Geschlecht des Kindes und die Art des Missbrauchs – all das war vorab vereinbart worden.

Der Mann ist laut Polizei geständig. Er habe auf asiatischen Seiten nur nach pornografischen Inhalten mit erwachsenen Frauen gesucht, gab er an. Doch dabei seien ihm immer wieder sexuelle Handlungen mit Minderjährigen von verschiedenen Chatpartnern angeboten worden.

Tipp von Briten

Den Tipp zu dem Tiroler gaben britische Behörden. Bei einer Überprüfung des Mannes fielen den heimischen Ermittlern die ungewöhnlichen Überweisungen des Mannes auf. Jeweils 20 bis 50 Euro überwies er an eine Frau auf den Philippinen.

Mit Hilfe der philippinischen Behörden und der österreichischen Verbindungsbeamtin in Bangkok wurde in Erfahrung gebracht, dass die Geldempfängerin schon in der Vergangenheit wegen der Vermittlung solcher Livestreams und Kindesmissbrauchs polizeibekannt war. Auch zwei weitere involvierte Personen wurden auf den Philippinen festgenommen.

Von den Eltern verkauft

„Dieser Fall zeigt, wie wichtig die internationale Kooperation und die Vernetzung im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen ist“, sagt der leitende Ermittler im Bundeskriminalamt.

Webcam-Kindesmissbrauch ist auf den Philippinen ein riesiges Problem. Tausende Kinder werden auf diese Art und Weise missbraucht. Manche Opfer sind erst wenige Monate alt, manche werden von den eigenen Eltern verkauft.

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