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Grün-roter Wahlkampf: Duell um den Rapid-Präsidenten

KURIER-Logo KURIER 31.07.2019 alexander.huber

Beim Zweikampf Martin Bruckner gegen Robert Grüneis geht es auch um Wiener Politik. Droht eine Kampfabstimmung um die Rapid-Spitze?

© APA/HERBERT NEUBAUER

Rapid und die SPÖ verbindet einiges. Die glorreiche Vergangenheit, die Probleme in der Gegenwart und der Umstand, dass die beiden Institutionen in der Stadt Wien (in ihren Bereichen) den nach wie vor größten Zuspruch genießen. Über Jahrzehnte wurde zwischen Verein und Partei ein für beide Seiten sinnvoller Doppelpass gespielt. Der heikle Teil dieser Verbindung: Der grüne Wahlkampf um die Nachfolge von Präsident Michael Krammer färbt sich gerade rot ein.

Favorit Martin Bruckner, der dem aktuellen Präsidium angehört, gilt als echter Grüner.

Martin Bruckner, Favorit auf das Rapid-Präsidentenamt © Allianz/Ingo Folie Martin Bruckner, Favorit auf das Rapid-Präsidentenamt

Parteipolitisch hat er sich nie exponiert, gilt aber wie Krammer eher ÖVP-nahe. Aus dem Verein werden Stimmen laut, dass eine „rote Rathausliste den Verein übernehmen will“.

Neue Liste

Gemeint sind damit Robert Grüneis, 51, und sein eben zusammengestelltes Team. Grüneis, Spitzname „Grünweiß“, war früher Geschäftsführer von Rapid-Hauptsponsor Wien Energie. Aktuell leitet der leidenschaftliche Radfahrer aus Wels in der Seestadt Aspern „ASCR“. Ein Unternehmen, das „smarte Energielösungen“ für die Stadt erforscht. Die größten Teilhaber von „ASCR“ sind Siemens Österreich, Wien Energie und die „Wiener Netze“ der Stadt.

Teile der Liste des Freundes von Burgenland-Landeshauptmann Doskozil sind tatsächlich der SPÖ zuzuordnen. Von den Grüneis-Unterstützern wird die Überparteilichkeit und das ehrliche Bemühen um Rapid betont. Grüneis selbst sagt: „Es gibt noch keine Entscheidung über meine Kandidatur.“

Robert Grüneis hat viele Unterstützer © Wien Energie/Ian Ehm Robert Grüneis hat viele Unterstützer

Als Schlüsselfigur im grün-roten Wahlkampf gilt der von allen Seiten heftig umgarnte Sportstadtrat Peter Hacker. Der SPÖ-Politiker, dem der soziale Aspekt von Rapid besonders wichtig ist, betont, dass er sich „um ein gutes Verhältnis zu allen Wiener Sportvereinen bemüht“.

Sein Ausblick: „Wie immer der Beschluss der Gremien auch ausfällt – ich bin sicher, dass wir weiterhin ein gutes Verhältnis zur Führung von Rapid haben werden, wie es schon unter dem aktuellen und dem vorigen Präsidenten der Fall war.“

Angespannte Lage

Es läuft auf einen Zweikampf BrucknerGrüneis hinaus. Wie angespannt die Lage ist, zeigen auch die Reaktionen der zweistelligen Zahl an Gesprächspartnern für diesen Artikel. Die meisten wollen dem KURIER ihre Sicht der Dinge schildern, aber nur wenige stimmen einem Zitat mit Namen zu.

Milliardär Michael Tojner hat nach den Razzien in seinen Firmen andere Sorgen. Der Rapid-Sponsor, der gerne Andreas Herzog als neuen starken Mann für den Sport nach Hütteldorf holen wollte, ist in heikle Betrugsanzeigen verwickelt.

Zeit für Rapid? Fehlanzeige.

Viel Zeit und Energie in eine (nicht offizielle) Kandidatur hat bereits Millionär Roland Schmidt investiert. Allerdings werden in seinem Umfeld nun genau jene „Intrigen“ beklagt, vor denen der Rapid-Sponsor gewarnt worden ist.

Grüneis war als Schlüsselkraft auf der Liste Schmid vorgesehen. Mit ihm ist auch die politische Unterstützung dahin.

Rapids Ex-Präsident Günter Kaltenbrunner, der mit Grüneis im Beirat sitzt, ist angefragt für dessen Liste. Der frühere Bank-Austria-Manager und Meisterkicker sagt: „Ich habe mich noch nicht entschieden.“

Kaltenbrunner (re.) als Rapid-Präsident, neben Manager Kuhn © APA/APA/SCHLAGER Roland Kaltenbrunner (re.) als Rapid-Präsident, neben Manager Kuhn

Zu den Chancen der beiden Listen sagt der 76-Jährige: „Wie es ausgeht, wäre Spekulation. Vielleicht hat das Team Bruckner Vorteile, es könnte aber auch ein Patt geben.“

Ebenfalls angefragt ist Thomas Waldner. Was besonders pikant ist, weil der Donauinselfest-Organisator im aktuellen Präsidium (mit Bruckner) sitzt und somit die Seiten wechseln würde. Waldner sagt: „Kein Kommentar.“ Nachsatz: „Wir sind jedenfalls alle echte Rapidler. Es geht um die bestmögliche Zukunft des Vereins.“

Gefragter Mann: Donauinselfest-Organisator Waldner © Kurier/Franz Gruber Gefragter Mann: Donauinselfest-Organisator Waldner

Besprochen wird gar, dass ein Vertreter eines größeren Sponsors Grüneis unterstützt. Als Mastermind der Liste gilt Max Kindler. Der Ex-ÖBB-Manager (Rail Cargo) ist bei der Suche nach einem Geschäftsführer für Rapid Ende 2014 Christoph Peschek knapp unterlegen.

12 Tage Zeit

Am 12. August ist Nennschluss für alle Kandidaten. Fest steht, dass durch das Antreten von zwei gut aufgestellten Listen das Niveau steigt. Ein Durchmogeln mit halb garen Ideen ist beim Wahlkomitee nicht möglich.

Allerdings steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Listen zur Wahl zugelassen werden. Denn das sechsköpfige Wahlkomitee ist nicht dafür da, den nächsten Präsidenten auszusuchen. Viel mehr geht es darum, jene Kandidaten durchzuwinken, die mit ihrem Team den Ansprüchen des Vereins genügen und eine positive Zukunft sicherstellen sollen.

Harter Wahlkampf

Und dann? Droht ein langer Wahlkampf bis zur Hauptversammlung der Mitglieder Ende November. Öffentliche Querschüsse wären garantiert. Hier schließt sich der Kreis zur SPÖ Wien. Weil es für Bürgermeister Häupl keinen unumstrittenen Nachfolger gab, kam es 2018 zur Kampfabstimmung zwischen Ludwig und Schieder. Das hat Narben hinterlassen, die der Partei bis heute wehtun.

Ein Rapid-Insider, der den Verein seit Jahrzehnten beobachtet, meint: „So würde es auch bei uns kommen. Rapid ist für so eine Kampfabstimmung nicht ausgerichtet. Das würde viele tiefe Gräben hinterlassen.“

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