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Buchtipps: Die besten Bücher für jedes Gepäck

ZEIT ONLINE-Logo ZEIT ONLINE 07.07.2018 Helmut Böttiger, Michael Braun, Tobias Haberkorn, Samuel Hamen, David Hugendick, Anja Kümmel, Wiebke Porombka, Ulrich Rüdenauer, Christoph Schröder, Insa Wilke, Carolin Würfel

Sommer, Ferien, Lesen! Aber was? Autorinnen und Autoren von ZEIT ONLINE empfehlen 53 Neuerscheinungen, Schmöker, Klassiker und Kinderliteratur.

Die besten Bücher für jedes Gepäck © Katlyn Boone Die besten Bücher für jedes Gepäck

Ein Buch für den Nachttisch

Céline Minard: Das große Spiel

Auf 2.000 Metern Höhe richtet sich eine namenlose Frau in der Bergeinsamkeit ein – und stellt sich den ganz großen Fragen des Lebens. Gekonnt vereint Céline Minard Philosophie und Cliffhanger; Kletter- und Survivaltipps gibt es gratis dazu. Falls es diesmal kein Urlaub in den Bergen ist, dann ganz sicher demnächst. (Anja Kümmel)

Esther Kinsky: Hain

Ein Vademecum für alle Tage, an denen man mit sich allein ist. Denn dieses Buch führt uns mit seinen so unspektakulären wie genauen Beobachtungen zu den Fundamenten unserer Existenz: Wir begegnen römischen Landschaften und Friedhöfen und erkennen in diesem "Gelände" den Wesensgrund unseres Daseins. (Michael Braun)

Alban Nikolai Herbst: Thethis. Anderswelt

Als wir noch dem Dödeln der ISDN-Modems lauschten, schrieb Alban Nikolai Herbst bereits über das Digitale, nicht als Techniktraum, sondern als Lebensmodus: über kybernetische Fiktionen und wie wir uns im fantastischen Raum des Internets entwerfen. Der erste Teil ist überarbeitet neu aufgelegt worden. (Samuel Hamen)

Cormac McCarthy: Verlorene

Schon doof, dass Philip Roth den Nobelpreis nicht bekommen hat. Noch viel schlimmer, dass Cormac McCarthy ihn auch nicht bekommen wird. Wie ein schwarzer Solitär ragt der mittlerweile 84-Jährige in die Gegenwart hinein, und dieser Roman über eine düstere Schattenwelt im Tennessee der 1950er-Jahre mit all ihren hoffnungslosen Existenzen ist neben Blood Meridian sein Hauptwerk. Ein Wahnsinnsbuch. (Christoph Schröder)

Alexander Schimmelbusch: Hochdeutschland

Ein Investmentbanker will nicht mehr. Das wäre vielleicht die Kurzfassung von Alexander Schimmelbuschs erfrischend garstigem Roman, der die moralischen Verwahrlosungen, den Zynismus unseres Spätkapitalismus sehr gekonnt und originell vorführt. (David Hugendick)      

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann

Niemand versteht es so betörend wie Mariana Leky, mit solcher Selbstverständlichkeit über die Liebe und über den Tod zu erzählen, und ihre Figuren genauso wie uns Leser über den Schmerz hinwegzutragen, den nicht nur Letzterer uns zufügt. Wen nachts schwere Gedanken plagen, dem wird dieser Roman nicht nur Trost sein, sondern ein großes Vergnügen. (Wiebke Porombka)

Jean-Christophe Bailly: Fremd gewordenes Land. Streifzüge durch Frankreich

Ein Buch, das man nicht in einem Zug durchlesen muss, sondern das Kapitel für Kapitel eine eigene Kraft entfaltet. Der gegenwärtige Zustand Frankreichs wird hier auf genauso sehnsüchtige wie schonungslose Weise beschrieben: verschwiegene und unbekannte poetische Orte, der Verlust vertrauter Umgebungen, mögliche Widerstandskräfte innerhalb der Globalisierung. Ein Essay im besten Sinn: analytisch und literarisch gleichermaßen. (Helmut Böttiger)

Angele Steidele: Anne Lister

Klarer Fall: Angela Steideles erotische Biografie über die erstaunliche Anne Lister, die im 19. Jahrhundert den Frauen in England den Kopf verdrehte. Bettgeschichte sozusagen. (Insa Wilke)

John Fante: 1933 war ein schlimmes Jahr

In schlimmen Zeiten blühen Träume besonders üppig: Die Weltwirtschaftskrise hat die USA fest im Griff. Dominic Molise, Sohn italienischer Einwanderer, wächst in einer Kleinstadt am Fuß der Rocky Mountains auf. Und wünscht sich nichts sehnlicher, als ein Baseballstar zu werden. Ein wunderbarer, zugleich witziger und anrührender Roman über das Erwachsenwerden, die Sehnsucht und die normative Kraft des Sozialen. (Ulrich Rüdenauer)

Cixin Liu: Die drei Sonnen und Der dunkle Wald

Wenn man den überschwänglichen Kritiken glauben darf, sind die Bücher von Cixin Liu das Bewusstseinsweitendste, was es in der Weltliteratur gerade zu lesen gibt. Es muss extrem krass sein, mehr können wir vorläufig leider noch nicht sagen. Wollen die 592 plus 816 Seiten aber diesen Sommer unbedingt lesen. Im Frühjahr 2019 erscheint der letzte Band der Solaris-Trilogie, noch mal 800 Seiten. (Tobias Haberkorn)

Irmgard Keun: Das Werk

Irmgard Keun war die aufregendste und witzigste Autorin der Weimarer Republik. Eigentlich hätte sie eine Ikone ihrer Zeit – nein, des ganzen 20. Jahrhunderts – werden sollen. Jetzt gibt es endlich eine Neuausgabe ihres herrlich krawalligen und null verstaubten Gesamtwerks. Wenn sich Übergepäck lohnt, dann für diese 3,5 Kilo Scharfsinn. (Carolin Würfel)

Ein Buch, wenn die Wellen rauschen

Die besten Bücher für jedes Gepäck © Link Hoang Die besten Bücher für jedes Gepäck

Jaron Lanier: Zehn Gründe, warum du deine Social-Media-Accounts sofort löschen musst

Was wäre geeigneter als ein Strandurlaub, um sich für eine Weile von Facebook und Twitter  zu verabschieden? Warum es nicht nur der geistigen Gesundheit, sondern auch der Demokratie zuträglich ist, dem inneren Troll eine Auszeit zu gönnen – das erklärt der Internetpionier in seiner neuen Streitschrift. (Anja Kümmel)

Mirko Bonné: Lichter als der Tag

Ein Roman über den Versuch, dem Elend unerfüllter Liebeswünsche zu entkommen. Der Held ist fasziniert von einem Bild des Malers Camille Corot. Auf seinen Spuren reist er zum Schauplatz des Bildes und träumt dort zwischen Pappeln und Robinien von der Überschreitung der Grenze zwischen Kunst und Leben. (Michael Braun)

Mercedes Lauenstein: Blanca

Ein Sommer ohne Aufbruch ist wie ein Herbst ohne Laubbläser: stimmungsmäßig undenkbar. Lauensteins Buch leistet Abhilfe: Die 15-jährige Blanca reißt von zu Hause aus und fährt dorthin, wo deutsche Figuren in solchen Fällen nun einmal hinfahren, nach Italien. Ein Schmöker, gewiss, aber einer der seltenen Sorte. (Samuel Hamen)

Stephen King: Christine

Ja, mit Sicherheit hat Stephen King virtuosere Romane geschrieben. Aber auch dieser frühe Roman aus dem Jahr 1983, in dem der Außenseiter Arnie Cunningham in den Bann eines dämonischen Plymouth Fury gerät, entfaltet eine Atmosphäre des Umklammernden, Saugenden. Es ist gar nicht so leicht, Christine zu entkommen, wenn man erst einmal darin sitzt. (Christoph Schröder)

Fernando Aramburu: Patria

In einem baskischen Dorf steckt plötzlich die ganze Welt: Fernando Aramburu erzählt von Spanien zu Zeiten des Eta-Terrors, von rivalisierenden Familien, ihren tragischen Brüchen, der Komplexität von Schuld und Trauer. Ein wirklich umwerfend geschriebenes, klares Buch, das man dringend dosieren muss, damit man es nicht am ersten Tag schon durchgelesen hat. (David Hugendick)

William Finnegan: Barbarentage

Selbst wenn man sich nie auf ein solches Brett wagen würde: Mit Finnegan kann man sich dem Rausch des Surfens hingeben, als wäre es der eigene. Und wenn man zu der Lektüre auch noch die Aussicht aufs Meer hat, soll erst einmal jemand sagen, was noch schöner sein könnte. (Wiebke Porombka)

Anja Kampmann: Wie hoch die Wasser steigen

Grandios, wie diese Autorin das Lebensgefühl der unmittelbaren Gegenwart beschreibt und dabei über überraschende und vielfältige Mittel aus der gesamten Literaturgeschichte verfügt. Es geht um die Arbeitswelt moderner Arbeitssklaven auf Ölbohrplattformen mitten im Meer, aber auch um die zeitlose Verlorenheit und Selbstsuche von Außenseiterfiguren – in einer poetischen, aktuellen, rätselhaften und suggestiven Sprache. (Helmut Böttiger)

Waguih Ghali: Snooker in Kairo

Damit man am Strand nicht aus dem Takt kommt: In diesem Roman geht's auch um Räusche und Ernüchterung. Im weiteren Sinne. (Insa Wilke)

Jean-Christophe Bailly: Fremd gewordenes Land. Streifzüge durch Frankreich

Der Autor Jean-Christophe Bailly reiste zwischen 2008 und 2010 durch Frankreich, suchte Städte und Stätten auf, die in ihren tieferen Schichten etwas verraten sollten über ein "fremd gewordenes Land". Er begeht Nebenwege und entdeckt Abgelegenes, blickt als Historiker und Archäologe, Kunstkenner und Zeichenleser, Ethnograf und Kritiker auf bedeutsame Orte und vergessene Käffer. (Ulrich Rüdenauer)

Anna Lowenhaupt Tsing: Der Pilz am Ende der Welt

Ein Buch über alles: den Kapitalismus, die Ruinen, die er hinterlässt, das prekäre Leben in ihm. Klingt kompliziert und groß, ist aber einfach zu lesen, weil die Autorin den perfekten Gegenstand gefunden hat, um den Zustand der Erde zu veranschaulichen: den fragilen, extrem wertvollen Pilz Matsutake. (Tobias Haberkorn)

Zadie Smith: Feel Free

Wer sich bisher ein bisschen vor Zadie Smith gefürchtet hat, weil die meisten ihrer Romane so überklug erscheinen, sollte mit ihrem neuen Essayband anfangen. Erstens ist der Titel ein Topmotto für den Sommer. Zweitens lernt man sehr viel über die gegenwärtige human condition, ohne den Kopf furchtbar anstrengen zu müssen. (Carolin Würfel)

Ein Buch, das kaum Platz im Koffer wegnimmt

Die besten Bücher für jedes Gepäck © Pete Bellis Die besten Bücher für jedes Gepäck

Madame Nielsen: Der endlose Sommer

Madame Nielsens schmaler, aber gehaltvoller Roman bündelt die Erzählgegenwart eines scheuen Jungen und die Erinnerung einer alten Frau zu einem flirrenden, überhellen Jetzt. Die Lektüre lässt einen geblendet zurück, als hätte man direkt in die Sonne geschaut. Umso mehr wünscht man sich, der Sommer möge nie zu Ende gehen. (Anja Kümmel)

Kenah Cusanit: Chronographe Chorologien I

 Auf 40 Seiten durchwandert die eigensinnige Altphilologin und Dichterin Kenah Cusanit die gesamte Menschheitsgeschichte. Der Prolog beginnt mit einem klimakatastrophischen Szenario aus dem Jahr 2029, am Ende verfangen wir uns in den Fallstricken der Frühgeschichte, 3000 v. Chr. (Michael Braun)

Toni Morrison: Die Herkunft der anderen

In sechs Essays spricht die Nobelpreisträgerin über Rassismus, welcher die Geschichte der USA ebenso durchzieht wie Morrisons Bücher. Auf dem Buch liegt der Fluch der schmerzlichen Aktualität: Ihm wird sobald nicht vergönnt sein, auch nur drei Staubkörner anzusetzen. (Samuel Hamen)

Birgit Schönau: La Fidanzata

"La Fidanzata", die Verlobte, so nennen die Italiener den Fußballclub Juventus Turin. Birgit Schönau, Italien-Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung, hat nicht einfach nur ein Fußballbuch geschrieben. Sie erzählt die spannende und wechselreiche Geschichte der Familie Agnelli, die den Fiat-Konzern auf- und Italien in eine Industrienation umbaute. Sie berichtet von Tragödien und davon, wie man sie im mondänen Turin verkraftet: mit Haltung und Noblesse. (Christoph Schröder)

Sayaka Murata: Die Ladenhüterin

Nur 145 Seiten hat dieses Buch, doch danach wird seine Hauptfigur Keiko lange nicht mehr vergessen. Eine Frau, die eins werden will mit dem Supermarkt, in dem sie arbeitet. Es ist die vollendete Entfremdung, von der diese herzbitterliche, absurd komische Groteske erzählt. (David Hugendick)   

Dana Grigorcea: Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen

Die heilsamste Lektüre, wenn man mal wieder glaubt, den Mann oder die Frau des Lebens getroffen zu haben. Dana Grigorceas luftig leichte, tänzelnde Novelle stellt zumindest höflich die Frage, ob es nicht doch immer nur wieder dasselbe ist mit der Liebe und dem Verliebtsein. (Wiebke Porombka)

Ilinca Florian: Als wir das Lügen lernten

Hier wird vollkommen glaubwürdig aus der Perspektive eines fünf- oder sechsjährigen Mädchens erzählt, ohne dass es mädchenhaft klingt. Das ist ein faszinierendes Kunststück. Es gelingt durch die knappe Sprache, die alles Wesentliche auslässt, aber gerade dadurch einen riesigen Assoziationsraum entfaltet. Dass es dabei hochpolitisch zugeht und die Zustände im Rumänien der zu Ende gehenden Ceaușescu-Ära beschrieben werden, setzt noch eins drauf.  (Helmut Böttiger)

Felicitas Hoppe: Prawda. Eine amerikanische Reise

Von Boston nach Los Angeles und zurück nach New York: Auf den Spuren zweier russischer Schriftsteller, die diese Reise vor 80 Jahren unternommen haben, entdeckt die sprachmächtige Autorin mit ihrer kleinen Reisegruppe ein Amerika, das ebenso kurios wie klischeehaft, provinziell und modern ist. (Ulrich Rüdenauer)

Geoffroy de Lagasnerie: Denken in einer schlechten Welt

Machen wir uns nichts vor. Die Welt ist schlecht, wer noch irgendwen oder irgendwas entlarven will, versucht, einen nackten Mann auszuziehen. Das Erfrischende an dieser Streitschrift ist, dass sie gar nicht erst damit anfängt, nuanciert sein zu wollen. (Tobias Haberkorn)

Chimamanda Ngozi Adichie: Liebe Ijeawele. Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden

Wer noch nicht verstanden hat, warum Feminismus eine Selbstverständlichkeit sein sollte, möge dieses Buch lesen. Die nigerianische Autorin hat 15 Vorschläge, wie man die eigene Tochter (und sich gleich mit) zu einem selbstbestimmten Wesen jenseits dämlicher Geschlechterrollen erziehen kann. Kein Hexenwerk, sondern tatsächlich kinderleicht. (Carolin Würfel)

Ein Klassiker, den jeder am Strand finden sollte

© Ben White

Frantz Fanon: Die Verdammten dieser Erde

An jedem touristisch erschlossenen Strand, insbesondere in Ländern der sogenannten Dritten Welt, sollten ein paar Klassiker der postkolonialen Theoriebildung liegen. Zum Einstieg – sowohl für die Einheimischen als auch für (westliche, weiße) Urlauberinnen und Urlauber – empfiehlt sich beispielsweise das Hauptwerk von Frantz Fanon, dem französischen Vordenker der Entkolonialisierung. (Anja Kümmel)

Herman Melville: Bartleby, der Schreiber

Niemals wurde die Kunst der Verweigerung mit so großer Beharrlichkeit betrieben wie von jenem Schreibgehilfen in einer Kanzlei in der Wall Street, der eines Tages seinem Chef den berühmten Satz spricht und ihn bis zu seinem Ende wiederholt: "Ich möchte lieber nicht." (Michael Braun)

Denton Welch: Freuden der Jugend

Die Welt vor ihrer Festlegung, als Lust, als Laune – Freuden der Jugend schlägt das Explizite in den sommersatten Wind und begleitet den Heranwachsenden Orvil Pym in Hotels, entlang von Flussarmen und durch Wildgärten. Erstmals 1945 erschienen, ist es ein Buch des atmosphärischen Mitmeinens, das sich mühelos der Stempel Coming of Age oder Adoleszenz entledigt. (Samuel Hamen)

Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther

Wenn der Sohn von Freunden Abitur macht, wird man gezwungen, Schullektüren noch einmal zu lesen. Und es ist nicht überraschend, dass Goethes Debütroman nach wie vor den gleichen Zauber entfaltet wie eh und je. Um es mit Reich-Ranicki zu sagen: Der war schon nicht ganz schlecht, dieser Goethe. (Christoph Schröder)

Ion Luca Caragiale: Humbug und Variationen

Ion Luca Caragiale! Wenn man so will: Rumäniens Goetheschillerlessingkleist. Endlich sind seine wesentlichen Werke phänomenal ins Deutsche übersetzt worden. Es sind Geschichten, Satiren und Glossen über bourgeoise Mickermännchen, über dumpfe Naivität, Fremdenhass und Geltungsdrang. Caragiales Witz ist zeitlos. (David Hugendick)

Eduard von Keyserling: Wellen

Keyserling sollte man ohnehin am besten überall finden. Zumal die Erzählung über eine Sommerfrische am Meer, die  – obgleich doch eigentlich tragisch in ihrer versammelten Hoffnungslosigkeit – mit jedem der zart ironischen Sätze Keyserlings auch bei wiederholter Lektüre beglückt. (Wiebke Porombka)

Kafka: Der Prozess

Das Buch des 20. Jahrhunderts schlechthin. Und letztlich auch des 21. Jahrhunderts. Es lohnt sich, es im Abstand von mehreren Jahren immer wieder neu zu lesen. Plötzlich entdeckt man Dinge, die man überlesen hatte, sieht das Hochkomische und das scharf Analytische. Man denkt unentwegt darüber nach, wie das Verhältnis des Autors zu seiner Hauptfigur ist, und findet dabei zu keinem Ende. (Helmut Böttiger)

James Baldwin: Von dieser Welt

Das Buch der Saison: James Baldwins Debütroman. Die Übersetzerin Miriam Mandelkow hat daraus einen Pageturner gemacht, der auch Sonnenmilch, Salzwasser und Sand verträgt. Das ganze dann fein abgemischt mit Dany Laferrières fiesem Buch Die Kunst, einen Schwarzen zu lieben, ohne zu ermüden. (Insa Wilke)

Alberto Vigevani: Sommer am See

Elegant, poetisch, schwebend – Alberto Vigevanis Erzählung aus dem Jahr 1958 gelingt es auf hinreißende Weise, die Trägheit und Zeitverlorenheit der Ferienzeit heraufzubeschwören und die immer wieder faszinierende Geschichte vom schmerzlichen Verlust kindlicher Unschuld in betörenden Bildern zu erzählen. (Ulrich Rüdenauer)

Karl Marx: Kritik des Kapitalismus

Die Philosophen haben Marx nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, ihn zu lesen. So stand es in einer Kurzkritik zu diesem Buch, oder war es im Vorwort des Buches selbst? Marx jedenfalls war nicht nur Systematiker, sondern auch ein begnadeter Journalist. Merkt man, wenn man die kürzeren Texte liest, die in diesem Kompendium versammelt sind. (Tobias Haberkorn)

Max Frisch: Montauk

Hallo, Fantasie! Manchmal muss man ihr nur ein bisschen nachhelfen Zum Beispiel, indem man am Strand noch einmal Montauk liest. Und wenn man die Augen ein bisschen zusammenkneift, kann man sie sogar sehen: Sie, die leichtfüßige Amerikanerin mit den langen roten Haaren, und ihn, den alten Schweizer, der mit hochgekrempelter Hose und Pfeife im Mund hinter ihr herläuft und anfängt, sich in sie zu verlieben. (Carolin Würfel)

Ein Buch, mit dem Sie Ihre Kinder beschäftigen können

© Ben White

Ella Blix: Der Schein

Wie die meisten guten All-Age-Romane hat auch dieses Buch geheime Türen, die von oberflächlicher Spannung in psychische Abgründe führen. So kann der Mysterythriller rund um eine Außenseiterclique an der Ostsee prima durch die gesamte Familie gereicht werden. Allerdings traut sich danach möglicherweise niemand mehr ins Wasser. (Anja Kümmel)

Hugo Ball: Zinnoberzack, Zeter und Mordio

Mit nur einem Dutzend Lautgedichten hat Hugo Ball, der Erfinder des Dadaismus, vor etwas mehr als 100 Jahren die europäische Sprachordnung aus den Angeln gehoben. Das Abenteuer Sprachspiel fasziniert immer noch: "Gadji beri bimba glandridi laula lonni cadori …" (Michael Braun)

Mirjam Pressler: Ich bin's, Kitty. Aus dem Leben einer Katze

Einem Buch für Kinder ein Zitat des Philosophen Søren Kierkegaard voranzustellen, ist gewagt. In Presslers Roman geht diese tuschartige Eröffnung auf. Der Geschichte um eine Katze gelingt es, das unbekümmerte kindliche Hineinwagen in die Welt sprachlich einzufangen und zugleich Themen wie Familienbande und Solidarität ohne pädagogischen Drall einzubinden. (Samuel Hamen) 

 

Kathrin Schärer: Der Tod auf dem Apfelbaum

Der schlaue Fuchs versucht, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, indem er ihn auf einem verhexten Apfelbaum festsetzt. Doch der Tod ist im Zweifelsfall immer derjenige, der das letzte Wort hat. Diese Einsicht in das Unvermeidliche transportiert Kathrin Schärer in ihrem wunderbar gezeichneten Buch auf einfühlsame Art und Weise. (Christoph Schröder)

Robert Gernhardt: Später Spagat

Was Sprachwitz ist, können Kinder nicht früh genug lernen. Auch wenn sie vielleicht noch nicht jede Pointe verstehen, sollte man ihnen den poetischen Sprach- und Gedankenturnvirtuosen Gernhardt unbedingt zeitig an die Hand geben, nicht nur zur Beschäftigung, sondern als langwieriges Heilmittel gegen jede Form der Stumpfsinnigkeit. (Wiebke Porombka)

Wolfdietrich Schnurre: Als Vaters Bart noch rot war

Das schönste Buch, das es für Jugendliche und Heranwachsende gibt: Erzählungen über Kindheit und Familie, über Sehnsucht nach Geborgenheit und die gesellschaftlichen Zwänge, die dem im Weg stehen, über die zentralen Dinge und Gefühle des Lebens. Wie nebenbei wird klar, wie wichtig es ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, und welche Sprache dazugehört. (Helmut Böttiger) 

Hans Limmer, Lennart Osbeck: Mein Esel Benjamin

Für die ganz Kleinen klassisch: Mein Esel Benjamin. Diese Kieselsteinböden! Für mich als Kind eine Sensation. Für die etwas Älteren: Beginnend mit Märchenmond die Bücher von Wolfgang und Heike Hohlbein. Dann hat man Ruhe. (Insa Wilke)

Andreas H. Schmachtl: Snöfrid aus dem Wiesental. Das wahrlich große Geheimnis von Appelgarden

Die ersten Snöfrid-Bände waren großartige Vorlesebücher über ein eigentlich gemächliches biberartiges Wesen, das wider Willen fantastische Abenteuer erlebt, entführte Prinzessinnen retten muss und allerlei Gefahren meistert. Nun gibt es erstmals einen reichlich illustrierten Band für Kinder zum Selberlesen. (Ulrich Rüdenauer)

Friedrich von Borries und Laleh Torabi: Die Freiheit der Krokodile

Krokodile unter meinem Bett, Monster, die mir den Fußzeh abbeißen wollen. Wer hat sich das nicht schon vorgestellt? Diese kleine Parabel über die Angst und die Freiheit kann man seinen Kindern vorlesen oder sie die Schwarz-Weiß-Illustrationen darin ausmalen lassen. Selbst ausmalen geht natürlich auch. (Tobias Haberkorn)

Saralisa Volm und Gregor Hinz: Puff! Platsch! Peng! Mit 52 Experimenten durch das Jahr

Mit Essen spielt es sich bekanntlich am besten. Und Melonen sind sowieso der beste Snack an heißen Nachmittagen. Statt sie langweilig aufzuschneiden, könnten die Kinderchen eine Menge Gummibänder um die Frucht wickeln und dann dabei zusehen, wie sie erst kräftig zischt und dann zerplatzt. Mehr Experimente dieser Art findet man in dem genialen Buch. (Carolin Würfel)

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