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Tipps, wenn das Auto brennt: Droht jetzt eine Explosion?

Blick-Logo Blick 29.07.2021 Timothy Pfannkuchen

Nein, es wird nicht explodieren: Brennt ein Auto, bleibt massig Zeit, Menschen und Gepäck in Sicherheit zu bringen. Und Stromer sind nicht gefährdeter als andere Autos. Wir geben Tipps für den brandheissen Fall der Fälle.

Droht jetzt eine Explosion? © KAPO SG Droht jetzt eine Explosion?

Gefühlt brennen in letzter Zeit mehr Autos als früher. Aber nimmt die Zahl der Autobrände wirklich zu? Nein – da sind sich Experten einig. Zwar fehlen exakte Gesamtzahlen, aber einzelne Autoversicherer vermerken gar einen Rückgang. Gesamt brennen geschätzt etwa 7000 Autos im Jahr aus. Tönt viel, aber mal zum Vergleich: Autounfälle mit Personenschaden gibt es jährlich 10'000 mehr.

Nur nehmen wir die spektakulären Brände im Online-Zeitalter stärker wahr – und geändert haben sich die Ursachen. Nicht der einst Vergaserbrand oder durch Wartungsmängel verursachter Austritt von Benzin oder Öl (z.B. Tropfen auf heisse Teile), sondern mit Abstand die Elektrik ist Hauptverursacher. Nach einem Crash ist Feuer selten. Auch hier gibt es keine exakten Zahlen, aber Experten sagen: Sie machen ein Prozent der Unfälle aus.

Keine Explosion in Sicht

Wenn das Auto brennt, schnell weg, ehe es explodiert? Das ist Unsinn. Die Feuerbälle à la Hollywood gibt es nur im Film. Zwar wird nach Bränden oft von Explosionen berichtet, aber meist handelt es sich dabei um die zerknallenden Pneus. Also keine Panik: Autos brennen vergleichsweise gemütlich ab. Ehe die Flammen vom Motorraum das Interieur erreichen, vergehen meist fünf bis acht Minuten und dann nochmals mehrere Minuten bis zu einem Vollbrand.

Es bleibt also genug Zeit, Insassen und Gepäck zu retten – denn genau das unterbleibt aus Angst vor einer Explosion heute oft. Mit Feuerlöscher kann man mit etwas Glück das Auto vor Totalschaden bewahren. Falls nicht, kann auch die Feuerwehr es meist nicht mehr verhindern. Aber wenn bei einem Unfall der Benzintank beschädigt wurde? In diesem sehr seltenen Fall erfolgt die Brandausbreitung zwar sehr schnell, aber es explodiert nichts.

Elektroautos brennen übrigens nicht häufiger, sondern statistisch gesehen sogar seltener. Ein brennender Akku ist zwar für die Feuerwehr schwierig, aber zu Brandbeginn gilt im E-Auto für Insassen dasselbe wie bei allen Autos. Erdgastanks übrigens fackeln bei einem Brand ihren Inhalt kontrolliert ab, sobald die Flammen den Tank erreichen, und ebenso die Wasserstoff-Tanks von Autos mit Brennstoffzelle. Eine Explosion gibt es also auch hier nicht.

Tipps für den Fall der Fälle

  • Feuerlöscher und Schutzhandschuhe kosten wenig und helfen viel. Ein Ein-Kilo-Löscher ist zu schnell leer, zwei Kilo Pulver sollten es mindestens sein. Montage vorne am Sitz oder im Kofferraum. Nicht lose im Innenraum, sonst wird er beim Crash zum Geschoss. Vorab mit der Bedienung vertraut machen und Löscher laut Herstellervorgaben regelmässig warten lassen.
  • Wenn es brennt: Warnblinker an, rechts ran. Ruhe bewahren! Möglichst nicht auf der Spur oder nahe Gebäuden halten. Zündung aus, Schlüssel stecken lassen. Haubenöffner ziehen.
  • Fahrzeug absichern (Pannendreieck), dann in etwas Entfernung – der Rauch ist giftig! – in Sicherheit bringen (z.B. hinter Schutzplanke). Feuerwehr alarmieren (Notruf 118 oder 112). Auch beim Unfall geht Absicherung vor Erster Hilfe und diese vor Notruf. Unfallopfer aus dem Fahrzeug zu retten ist bei Feuer ratsamer als ein oft erfolgloser Löschversuch.
  • Falls Feuerlöscher vorhanden: Handschuhe anziehen, Haube mit Vorsicht öffnen (mit dem Arm Gesicht schützen). Zwei Kilo Löschpulver reichen nur für etwa zehn Sekunden! Daher mit kurzen Pulverstössen arbeiten. Flammen von unten (z.B. Feuer unter dem Auto) nach oben löschen. Löscher nicht ganz leeren, sondern für Rückzündungen Reserve behalten.
  • Sonderfall Elektroauto: Beim Notruf darauf hinweisen. Keine Löschversuche mit Wasser! Abstand zu orangen Kabeln halten. Brennt der Akku, sind Löschversuche aussichtslos. Wer die Feuerwehr unterstützen will, sollte besonders im Elektroauto eine Rettungskarte (gibt es beim Hersteller) mit Hinweisen für die Retter mitführen (hinter der Sonnenblende).
  • Weit genug vom brennenden Auto entfernen: Der Rauch ist sehr giftig, die entstehende Hitze enorm. Im Zweifel bedenken: Ein Auto ist ein Auto, die Teilkasko zahlt den Schaden.

Zu guter Letzt: Wer einen Feuerlöscher an Bord hat, sollte bitte seine Hilfe anbieten. Und gerade bei Fahrzeugbränden gibt es viele Fälle von versuchtem Versicherungsbetrug – der von Experten aber meist spielend aufgedeckt wir.

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