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Das Börsen-Comeback verliert schon wieder an Kraft

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 13.03.2020 Thomas Schürpf

Die europäischen Börsen haben nach der grossen Verlustserie der vergangenen Tage zu einer Aufholjagd angesetzt. Allerdings erschöpft sich ihre Kraft am frühen Abend. Die Kurse steigen nur noch um 2 Prozent. Der DAX fällt gar ins Minus zurück.

Die Verunsicherung am Markt bleibt, auch wenn die Kurse am Freitag wieder etwas Boden gewonnen haben. ; Mark Evans / Getty © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Die Verunsicherung am Markt bleibt, auch wenn die Kurse am Freitag wieder etwas Boden gewonnen haben. ; Mark Evans / Getty

Der Donnerstag war ein rabenschwarzer Börsentag. An der Wall Street verlor der Dow Jones mehr als 2500 Punkte – trotz einem weiteren Hilfsprogramm der Notenbank Fed. Der Rückgang um 11% ist der schwerste Einbruch seit dem Börsencrash vom Oktober 1987. Fast ebenso starke Verluste erlitten der Technologie-Index Nasdaq Börsen-Chart zeigen und der Leitindex S&P 500. Der schwarze Montag und der schwarze Donnerstag haben den Börsen schwer zugesetzt. Die wichtigsten Indizes liegen um 20 bis 30% unter dem Wert zum Jahresbeginn.

Am Freitag sah die Welt schon wieder besser aus. Nicht nur in Europa, sondern auch in den USA machten die Börsen einen (kleinen) Teil der Verluste wieder wett. Der Dow-Jones-Indes stieg bis um 15 Uhr um 2,5%. Der Nasdaq-Index legte sogar um 3,3% zu. Bis um 17 Uhr geht den Börsen allerdings etwas der Schnauf aus. Das Plus fällt auf 1,5% zurück.

Verlustserie setzt sich in Asien fort

Dabei hatte der Freitag, 13. März, an den Börsen eher schlecht begonnen. In Asien setzte sich der freie Fall der Kurse noch unvermindert fort. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index gab zwischenzeitlich um 10,1% nach, am Schluss betrug der Tagesverlust noch 6%. Über die gesamte Woche gesehen sank der Index um über 18 %, das ist so viel wie seit 2008 innerhalb einer Woche nicht mehr. Auch an der Seouler Aktienbörse prägten Panikverkäufe den Handel. Der Leitindex Kospi fiel um 62,89 Punkte oder 3,4% auf den Schlussstand von 1771,44. Nur Minuten nach dem Start war der Handel für kurze Zeit ausgesetzt worden. Die Kurse waren zu dem Zeitpunkt um fast 6% zurückgegangen.

Stoppsignal der Europäer

Die europäischen Börsen konnten die Verlustserie jedoch stoppen. Der deutsche DAX startete mit einem Plus von 3% und lag bis um 15 Uhr um rund 5% über dem Vortagsniveau. Auch der SMI schaffte eine Wende. Sie fiel mit eine Plus von 0,1% erst zaghaft aus. Bis um 15 Uhr schaffte es auch der Schweizer Schwergewichte-Index auf ein Plus von fast 6%. Besonders stark gesucht sind die Titel von Roche (GS +7,2%). Sie profitieren auch davon, dass dem Konzern ein erster Durchbruch in der schnellen und breiten Diagnose des neuartigen Coronavirus gelungen ist. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat dem Cobas SARS-CoV-2-Test eine Notfall-Zulassung erteilt. «Alles was gegen Corona helfen könnte, wird nur so aufgesogen», meinte ein Händler dazu.

Am frühen Abend ist das Fest zu Ende. Der SMI liegt mit 0,5% noch knapp im grünen Bereich, der deutsche DAX fällt mit -0,3% sogar in den negativen Bereich zurück.

Die grössten Ausschläge nach oben gab es bei den Finanzmärkten, die in den vergangenen Tagen am meisten gelitten hatten. Der italienische FTSE MIB kletterte um fast 9% in die Höhe, sein Jahresverlust beträgt aber immer noch 31 Prozent. Der spanische IBEX 35 stieg um 6,3%, liegt aber immer noch über 30% unter dem Wert zum Jahresbeginn.

Wie nachhaltig die Erholung ist, muss sich allerdings zeigen. Die meisten Marktbeobachter glauben jedenfalls nicht daran, dass die Verkaufswelle bereits vorbei ist. «Wann endet der Ausverkauf - Das ist jetzt die grosse Frage», meinte denn auch ein Händler. Dass der US-Markt am Vortag nur mit einer kurzen Erholung auf die neuen Krisenmassnahmen der amerikanische Notenbank Fed reagiert hatte, sei jedenfalls kein gutes Zeichen.

Gold, Erdöl und Staatsanleihen verlieren deutlich

Bei den Rohstoffen ist der Preisverlust ebenfalls enorm. Gold und Öl brachen genauso ein wie - einst sichere - Staatsanleihen. Offenbar liquidierten Anleger ihr Investitionen, um Verluste zu decken.

Erdöl hat den grössten wöchentlichen Rückgang seit 1991 hinter sich. Auch am Freitag gingen die Preise zurück. Erdöl der Marke Brent fiel um 1,5% auf 32,74 Dollar pro Fass.

Auch der Bitcoin hilft in der Krise nicht

Die Digitalwährung Bitcoin setzte ihren Absturz ungebremst fort. Dabei galt die Digitalwährung lange als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten. Wie Gold hatte sich auch der Bitcoin in Zeiten von politischen und wirtschaftlichen Spannungen als krisenfest erwiesen. Das gilt jetzt offenbar nicht mehr. In der Nacht auf den Freitag sackte die bedeutendste Kryptowährung unter die Marke von 4000 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit rund einem Jahr. Am Morgen erholte sich der Kurs wieder etwas. Noch im Februar hatte die Kryptowährung bei einem Jahreshoch von rund 10 500 Dollar notiert.

Weiterhin mache die Panik an den Aktienmärkten vor Bitcoin und Co. keinen Halt, kommentiert das deutsche Börsen- und Recherche-Portal Emden Research. Die Lage sei mittlerweile völlig unübersichtlich und ausser Kontrolle geraten. Viele Investoren stünden derzeit am Rande eines Totalverlusts: «Die Nerven liegen sprichwörtlich blank», so Analytiker Timo Emden.

Euro gibt nach - Dollar gefragt

Der Euro hat am Freitag nicht von einem umfangreichen Hilfspaket der Regierungen profitieren können. Bis zum späten Nachmittag fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 1,1090 US-Dollar. Sie kostete damit über einen Cent weniger als im Tageshoch. Der Dollar legte dagegen zu vielen Währungen zu. Der Euro beendet damit eine äusserst turbulente und auch verlustreiche Woche. Zum Wochenstart hatte die gemeinsame Währung der 19 Euro-Länder noch bei 1,14 Dollar notiert, am Donnerstag waren es zeitweise fast vier Cent weniger gewesen. In unruhigen Zeiten wird die US-Währung gerne als sicherer Hafen angesteuert.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,89070 (0,88623) britische Pfund, 119,11 (116,84) japanische Yen und 1,0608 (1,0549) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold (31,1 Gramm) wurde am Nachmittag in London mit 1541 Dollar gehandelt. Das waren 35 Dollar weniger als am Vortag.

Mit Agenturmaterial.

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