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Das steckt hinter den merkwürdigen DJ-BoBo-Artikeln auf Facebook

watson.ch-Logo watson.ch 29.06.2019 Oliver Wietlisbach
Betrüger locken mit DJ BoBo und Roger Schawinski für ein dubioses Bitcoin-Portal: Jeder «Durchschnittsbürger» könne mit «nur 250 Franken» mühelos vom Bitcoin-Boom profitieren. Dahinter verbirgt sich eine alte Masche der Krypto-Abzocker.

Alles erstunken und erlogen: Prominente wie DJ BoBo oder Roger Schawinski erzählen in erfundenen Interviews mit fiktiven Journalisten von einem neuen Bitcoin-Portal, das sie reich gemacht habe. Wer sich dieser Tage auf Facebook bewegt, kann die merkwürdigen Beiträge kaum übersehen.

DJ BoBo ist dank Investitionen in Kryptowährungen haarscharf dem Konkurs entgangen und macht nun ein Vermögen?

Roger Schawinski hat während seiner Talk-Sendung «live 250 Franken in Bitcoin investiert und nach nur 8 Minuten bereits 398.42 Schweizer Franken verdient?»

Zu lesen sind diese Fake-News auf diversen Webseiten, die im Layout von blick.ch daherkommen. Dreiste Krypto-Betrüger werben so im Namen von Prominenten für ihre kriminellen Bitcoin-Portale, die nur ein Ziel haben: Menschen ihr Geld aus der Tasche ziehen. Wenn man «nur 250 Franken» einzahle, vermehre sich das Geld dank des Bitcoin-Booms angeblich von alleine, so das verlockende Versprechen.

Unmittelbar nach der Einzahlung «beginnt die Handelsplattform sofort vollautomatisch zu handeln», heisst es im gefälschten «Blick»-Artikel über DJ BoBo. Die Betrüger faseln von «künstlicher Intelligenz», die genau wisse, wann man Bitcoins kaufen oder verkaufen müsse. Der Schweizer Musiker habe so ein Vermögen verdient. Wer auf den Schwindel hereinfällt, sieht sein Geld nie wieder.

Geködert werden die Opfer mit Fake-Zitaten von prominenten Schweizern, die über Anzeigen auf sozialen Netzwerken und seriösen News-Portalen verbreitet werden. Das sieht beispielsweise so aus:

Wer auf den Link klickt, gelangt auf gefälschte Medienseiten. Hier ein Beispiel eines Fake-Zitats von Roger Schawinski auf einer gefälschten «Blick»-Seite:

Eigentlich ist der Betrug leicht zu durchschauen, da die immer neuen und inzwischen fast perfekten Kopien der «Blick»-Webseite nicht die echte Internet-Adresse haben.

Aktuell missbrauchen die Kriminellen die Namen und Fotos von DJ BoBo, Dieter Bohlen und Roger Schawinski. Früher haben die unbekannten Kriminellen die gleiche Masche mit Roger Federer, Musiker Bligg oder SRF-Moderatoren wie Sandro Brotz, Susanne Wille und Kurt Aeschbacher abgezogen.

Anstelle der «Blick»-Webseite wurden auch schon die Webseiten von Medien wie Spiegel Online, SRF, Bluewin usw. kopiert. Die Betrüger fälschen gar Videos, indem sie Ausschnitte aus TV-Sendungen so zusammenschneiden, dass der Eindruck entsteht, der Prominente würde für Bitcoin werben. Und sie schrecken nicht davor zurück, mit den Namen von etablierten Finanzunternehmen zu werben.

SRF-Legende Kurt Aeschbacher muss irritierten Menschen seit Monaten erklären, dass er nichts mit dem Bitcoin-Schwindel zu tun hat. Mindestens so schlimm trifft es all jene, die auf den Betrug hereingefallen sind.

Telefon-Terror: Tag und Nacht

Wer sich bei der dubiosen Kryptohandelsplattform anmeldet, erhält innert Minuten einen Anruf eines «Kundenberaters». Diese erklären betont freundlich, man müsse lediglich 250 Euro einzahlen, um ein Konto zu eröffnen. «Am Telefon wirken die Betrüger äusserst seriös und vertrauenswürdig und verleiten zum Zücken der Kreditkarte», schreibt das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso», das mit mehreren Geschädigten gesprochen hat.

Wer eine erste Einzahlung tätigt, erhält danach Tag und Nacht unerwünschte Anrufe: Die Betrüger drängen ihre Opfer, mehr Geld einzuzahlen. Zunächst wächst der Kontostand stetig, um die Opfer zum Einzahlen weiterer Beträge zu verleiten. Irgendwann machen die Unbekannten das Konto auf der Krypto-Plattform dicht und das Geld ist weg. Der hilfsbereite Kundendienst ist natürlich auch nicht mehr erreichbar.

Ob BoBo, Schawi oder Fedi, es handelt sich um einen klassischen Vorschussbetrug, auf den seit Jahren immer wieder Menschen hereinfallen. Die Betrüger geben sich viel Mühe, bekannte Medienseiten zu fälschen und plausible Fake-Storys zu den jeweiligen Prominenten aufzutischen. Je nach Land missbrauchen die in zahlreichen Ländern agierenden Kriminellen andere Prominente für ihre Machenschaften: Bei Roger Federer etwa lautete der erfundene Artikel auf der angeblichen Spiegel-Online-Seite, der Superstar plane für die Zeit nach seiner Tenniskarriere den Einstieg in die Finanztechnologie und wolle in Bitcoin investieren. Die Betrüger wählten bewusst einen Prominenten und ein Nachrichtenportal aus, die für Erfolg bzw. Seriosität stehen.

Geschädigte sind machtlos

Opfer, die über ihre Kreditkarte Geld überwiesen haben, sollten die Karte sperren und versuchen, das Geld über den Kreditkartenanbieter zurückzubekommen. Die Chancen dafür stehen aber schlecht, da sie «die Zahlungen freiwillig getätigt» und somit «die Sorgfaltspflicht verletzt» haben, wie das Konsumentenmagazin des SRF schreibt. Die Kreditkartenanbieter müssten nur entschädigen, wenn sich die Betrüger die Kreditkartennummer und den PIN-Code erschlichen hätten, was hier eindeutig nicht der Fall ist. Geschädigte müssen insofern auf Kulanz hoffen.

Die Betrüger operieren aus dem Ausland, verschleiern gekonnt ihre Identität und sind somit ausser Reichweite der Schweizer Strafverfolger. Die Fake-Seiten können zwar von Facebook oder den Internet-Providern gesperrt werden, aber das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Für jede gesperrte Seite tauchen zwei neue auf.

So locken die Kriminellen ihre Opfer auf die gefälschten Webseiten

Die Links zu den Fake-Artikeln werden über gesponserte Beiträge auf Social Media und gekaufte Anzeigen auf Webseiten seriöser Medien verbreitet. Konkret platzieren die Betrüger ihre Fake-Artikel mit Hilfe von ganz normalen Werbenetzwerken «im Umfeld thematisch passender Artikel auf seriösen Webseiten», schreibt das deutsche Medienportal meedia.de.

Klickt ein potenzielles Opfer auf die weiterführenden Links auf den gefälschten Medienseiten, wird er zu einem Anmeldeformular für das Krypto-Handelsportal weitergeleitet. Die Betreiber der Fake-Seiten werden für die Klicks auf das Anmeldeformular bzw. für das Vermitteln potenzieller Opfer bezahlt, schreibt meedia.de. Die Seitenbetreiber haben somit ein Interesse, mit ihren Fake-Seiten möglichst viele Menschen zu erreichen.

Dies zeigt: Hier sind Profis am Werk, die geschickt die ganze Klaviatur des Onlinemarketings nutzen. Dagegen hilft nur eines: gesunder Menschenverstand und skeptisch bleiben, wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein.

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