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Die drei häufigsten Geldfallen bei deiner Vorsorge

watson.ch-Logo watson.ch 10.06.2021 Olga Miler

Was solltest du neben der Säule 3a noch über Vorsorge wissen? Wo entstehen die grössten Lücken und wo passieren die häufigsten Fehler? Eine Übersicht häufiger Geldfallen rund um deine Vorsorge.

Die gute Nachricht: Wir leben immer länger und sind auch immer gesünder. SwissLife stellt in ihrer Studie anhand von BFS-Daten fest, dass die Lebenserwartung ab 64 im Schnitt pro Jahr um 1-2 Monate steigt. So hat bei der Geburt ein Mann in der Schweiz eine Lebenserwartung von 81,9 Jahren und eine Frau von 85,6 Jahren (BFS, 2019). Wir sind auch immer gesünder, so zeigt die gleiche Studie, dass sich 75% der 60- bis 70-Jährigen eine gute bis sehr gute Gesundheit attestieren und 68% haben gar keine gesundheitlichen Einschränkungen bei der Erledigung alltäglicher Arbeiten.

Mit einem längeren Leben muss das Geld dafür auch länger reichen. Bei einem ordentlichen Pensionsalter von 65 heute ungefähr 16-20 Jahre lang. Weil die Systeme bei all dieser Entwicklung an ihre Grenzen kommen, ist Vorsorge ein Dauerthema. Bei der Planung ist es enorm nützlich, alle 3 Säulen anzuschauen, da es eine Reihe an Geld-Fallen gibt, die du kennen solltest, vor allem wenn du Teilzeit arbeitest oder dies vorhast.

1. AHV-Lücken vermeiden

Den Maximalbetrag einer AHV-Rente erreichst du mit einer lückenlosen Anzahl an Beitragsjahren ab dem 20. Lebensjahr, dies sind für eine Frau im Moment 43 und für einen Mann 44 Jahre. Die Rente ist zudem vom Einkommen abhängig, für die Maximalrente von 2’390 Franken pro Monat für Einzelpersonen und CHF 3’585 für Ehepaare benötigst du ein durchschnittliches Einkommen von 86'040 Franken pro Jahr, über die gesamte Beitragszeit gerechnet.

Egal, wie viel Einkommen du hast, eine der grössten Herausforderungen sind Beitragslücken aufgrund fehlender Beitragsjahre. Fehlen in einem Jahr Beiträge, dann kürzt die AHV deine Rente um 1/44 oder 1/43, dies sind ca. 2,3% pro Jahr. Solche Beitragslücken entstehen vor allem durch z.B.:

  • Aufenthalt ausserhalb der Schweiz
  • Studium
  • Viele und kurze Arbeitseinsätze bei verschiedenen Arbeitgebern
  • Scheidung bei Nichterwerbstätigen, die es verpassen, ab diesem Zeitpunkt den Mindestbeitrag in die AHV einzuzahlen.

Fehlende Beiträge kannst du nachzahlen, aber nur bis zu 5 Jahren rückwirkend. Es lohnt sich deshalb, das eigene Konto bei der AHV zu überprüfen oder z.B. bei einem Aufenthalt im Ausland oder Unterbruch der Erwerbstätigkeit vorher zu planen und regelmässig den Mindestbeitrag von 503 Franken pro Jahr einzuzahlen. Den Auszug deines individuellen Kontos kannst du hier bestellen.

2. Gut zu wissen bei der Pensionskasse

Bei der Pensionskasse gibt es eine ganze Reihe an Punkten, die es zu beachten gibt, und da viel von der persönlichen Situation abhängt, brauchst du spätestens bei der Planung der Auszahlungen eine persönliche Beratung. Hier sind wissenswerte Tipps für die häufigsten Fragen:

Ein Einkauf will gut überlegt sein

  • PK-Einkäufe lohnen sich, je höher das Einkommen ist und je schneller man das Kapital wieder bezieht. Die höchste Rendite erzielt man mit Einkäufen in den Jahren vor der Pensionierung, so ab ca. 50 Jahren.
  • Im Allgemeinen wird deine Einkaufsumme dem überobligatorischen Guthaben gutgeschrieben. Gelder im Überobligatorium sind oft schlechter verzinst als das Kapital im obligatorischen Teil. Ebenfalls fällt der Umwandlungssatz im Überobligatorium oft geringer aus. Die Rendite eines Einkaufs ist in der Regel höher, wenn du den freiwillig einbezahlten Betrag nicht als Rente, sondern als einmalige Kapitalleistung auszahlen lässt.
  • Grössere Beträge zahlt man am besten gestaffelt ein, um Steuern zu sparen.
  • Wurden Einkäufe getätigt, so kannst du innerhalb der nächsten 3 Jahre keine Bezüge z.B. für Wohneigentum oder Selbständigkeit machen.
  • Ab 127’980 Franken Einkommen lohnen sich Einzahlungen in eine Zusatz- oder Kadervorsorge. Dort kann man später evt. das Geld getrennt von der Basisvorsorge beziehen.
  • Vor dem Einkauf Qualität und finanzielle Situation der Pensionskasse prüfen: z.B. genügender Deckungsgrad (mind. 100%), technischer Zins oder Verhältnis Aktiven vs. Rentnern. Ist die Pensionskasse in Unterdeckung, dann läufst du Gefahr, dass du allenfalls eine Sanierung mittragen müsstest.
  • Auszahlung, vor allem wenn du auch eine Säule 3a hast, rechtzeitig planen und individuell von einem Experten berechnen lassen, um kostspielige Steuerfehler zu meiden.

Aus all diesen Gründen will ein Einkauf und der Zeitpunkt des Einkaufs in die Pensionskasse gut überlegt sein. Gerade wenn du noch jung bist, kann es vorteilhafter sein, das Geld privat anzulegen, anstatt es lange in der Pensionskasse gebunden zu haben und nur schwer abschätzen zu können, welche Entwicklungen in der Gesetzgebung weiter stattfinden werden.

Geldfallen für Teilzeitarbeitende und Menschen mit mehreren Arbeitgebern

  • Für eine berufliche Vorsorge beträgt das Mindesteinkommen 21'510 Franken pro Jahr. Hast du mehrere Stellen mit einem jeweiligen Jahreslohn von weniger als 21'510 Franken, dann kannst du dich z.B. bei der Auffangstiftung BVG freiwillig versichern lassen, wenn der gesamte Verdienst aller Stellen über dem Mindesteinkommen liegt.
  • Koordinationsbeitrag: Dies ist der Beitrag, welcher abgezogen wird, um sicherzustellen, dass der Lohnanteil, der bereits in der AHV versichert ist, nicht auch nochmals in der Pensionskasse versichert wird. Er beträgt 25'095 Franken (2020). Verdienst du z.B. 30'000 Franken, dann beträgt dein versicherter Lohn nur 4'905 Franken. Hier hilft, nach einem Teilzeitarbeit-freundlichem Vorgehen zu fragen, verschiedene Arbeitgeber und deren Pensionskassen bieten mittlerweile Lösungen mit einem tieferen Koordinationsabzug an.
  • Hast du mehrere Arbeitgeber und damit auch mehrere Pensionskassen und jede zieht dir den Koordinationsabzug von 25'095 Franken ab, dann wird dein versicherter Lohn gesamthaft empfindlich gemindert. Möglichkeiten, dies zu umgehen, sind Anschluss an die Stiftung BVG oder die Pensionskasse eines Arbeitgebers zur BVG-Stelle zu ernennen. Dann fällt nur ein Koordinationsabzug an, die anderen fallen weg.

3. Das Maximum aus der Säule 3a rausholen

Die Säule 3a ist sehr flexibel und du hast vielfältige Möglichkeiten, dein Geld für dich arbeiten zu lassen. Die häufigsten Geldfallen sind:

  • Jährliche Beiträge und damit verbundene Steuervorteile im Rahmen der eigenen Möglichkeiten nicht voll auszuschöpfen. Hast du die Frist verpasst, kannst du den Betrag nicht nachzahlen.
  • In die Säule 3a kann nur einzahlen, wer auch ein erwerbstätiges Einkommen hat. Nimmst du z.B. eine Auszeit und hast kein Erwerbseinkommen, dann ergibt es Sinn, Geld separat auf die Seite zu legen.
  • Nur ein 3a Konto haben: Da du immer nur den gesamten Betrag beziehen kannst und dieser progressiv besteuert wird, ergibt es Sinn, mehrere 3a Konten zu haben und diese dann gestaffelt aufzulösen.
  • Für nicht gebrauchte Sicherheit zu viel zu bezahlen: Private Vorsorge-Lösungen werden sowohl von Finanzanbietern als auch von Versicherungen angeboten. Die Produkte haben unterschiedliche Ziele: Bei der Versicherung bezahlst du Gebühren für die Sicherheit. Bei einer Spar- oder Anlagelösung für deine Säule 3a steht das Vermögenswachstum im Vordergrund. Wichtig ist, zu entscheiden, was dir wichtiger ist, welche Kosten langfristig, auch bei einem allfälligen Wechsel anfallen, und abzuklären, ob du nicht besser fährst dich z.B. zusätzlich für die Zeit, für welche du mehr Sicherheit benötigst, zu versichern, anstatt dies über eine Säule 3a zu tun.
  • Eine reine Sparlösung zu haben: Bei den niedrigen oder nicht existenten Zinsen lohnt sich auch ein sehr kleiner Anteil an Wertschriften (z.B. 5%), da dies deine Säule 3a mit sehr wenig Risiko gegenüber dem Sparkonto verbessern kann.

Mehr dazu:

6 Tipps, wie du mehr aus deiner Säule 3a herausholen kannst

Bei der Vorsorge betreffen die Geldfallen vor allem jene Menschen mit einem Teilzeitarbeitspensum oder einer Auszeit, da unser System noch nicht auf diese Lebensmodelle ausgerichtet ist. Fachleute empfehlen deshalb aus Sicht der Vorsorge ein Erwerbspensum von 60-70%, um später im Alter keine gravierenden Nachteile zu haben. Wie seht ihr das? Welche Geldfallen bei der Vorsorge habt ihr entdeckt und welche Tipps habt ihr?

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Olga Miler ...

... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.

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