Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

P3Wirtschaft aktuell

Kowalskys Crashtest: Der Illusionist

Bilanz-Logo Bilanz 13.08.2018 Marc Kowalsky

Der Sony Xperia Touch macht den Küchentisch zum Smartphone. Ja, Sie haben richtig gelesen.

Wenn es seit Jahren einen Trend gibt bei Smartphones, dann jenen der stetig wachsenden Displays: Erst wurden die Screens immer grösser, dann die Bildschirmränder immer dünner. Nun ist bei beiden das Limit erreicht. Sony macht deshalb einen wagemutigen Schritt: Sie packt einen Beamer in ein Handy.

Kowalskys Crashtest: Sony Xperia Touch: Der Xperia Touch hat kein traditionelles Display, sondern projiziert die Android-Oberfläche auf den Tisch. © Felice Bruno für BILANZ Der Xperia Touch hat kein traditionelles Display, sondern projiziert die Android-Oberfläche auf den Tisch.

Der Xperia Touch hat kein traditionelles Display, sondern projiziert die Android-Oberfläche auf den Tisch – in der stattlichen Grösse von 23 Zoll, was etwa der Ihres PC-Monitors entsprechen dürfte. Ein Infrarotsensor verfolgt dann Ihre Finger und erkennt, welche Stelle auf dem Tisch Sie gedrückt haben.

Blasser Bildschirm und schwache Auflösung

Klingt verrückt? Ist es auch. Und nicht frei von Problemen. Zum einen ist das Bild – wie bei vielen Kurzdistanzprojektoren – sehr blass: 100 Lumen beträgt die Helligkeit offiziell, ein Heimkino-Beamer schafft locker das 20fache. Man erkennt eigentlich nur etwas bei wenig Tageslicht und auf ­einer gleichmässig weissen Tischoberfläche. Und Trick 17 mit einem weissen Tischtuch funktioniert nur, wenn dieses knitter- und bügelfaltenfrei ist.

Zum anderen ist die Auflösung mit 1366 × 768 Pixeln – das hiess vor Jahren mal «HD ready» – ziemlich schwach. Filme will man sich damit nicht anschauen, aber für YouTube reicht es. Immerhin: Der Infrarotsensor funktioniert recht zuverlässig, sofern keine Gegenstände auf der Arbeitsfläche liegen. Und die integrierten Lautsprecher klingen gut.

Unverschämt kurz ist das Anschlusskabel. Einen Akku gibt es auch, aber er macht nach einer knappen Stunde schlapp. Und weil die Projektionslampe im Betrieb recht warm wird, ist im Gerät ein lautstarker Lüfter verbaut.

Ohne echten Use Case

Viele Apps wie Office, Kalender oder E-Mail machen auf dem Tisch gar keinen Sinn. Am ehesten eignen sich noch Spiele. Und tatsächlich ist es anfangs ebenso irritierend wie faszinierend, Angry Birds oder Fruit Ninja auf der Massivholzplatte statt auf dem Touchscreen zu spielen.

Auch ­Videotelefonie ist möglich, wegen der ­Kameraposition aber nur, wenn man das ­Gerät umstellt und das Bild an die Wand wirft – warum sollte man das tun? Natürlich kann man sich den Beamer theoretisch auch in der Küche vorstellen, wo er Kochvideos ­direkt auf die Arbeitsfläche projiziert. Aber dazu müsste er gegen Spritzwasser und Staub (Mehl etc.) geschützt sein. Das ist er nicht. So bleibt das Hauptproblem des Xperia Touch: Einen echten Use Case gibt es für so ein Gerät nicht.

Fazit: Der Xperia Touch ist ein radikales Stück Technik. Auf den ersten Blick fasziniert es. Auf den zweiten stellt es sich als teures Spielzeug heraus, das kein Mensch braucht.

Sony Xperia Touch

Info: www.sonymobile.com/ch-de

Preis: 1489 Franken

Bewertung: ★★☆☆☆

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Bilanz

image beaconimage beaconimage beacon