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Krankenkassen haben ihre eigenen Kosten nicht im Griff

Tages-Anzeiger-Logo Tages-Anzeiger 18.11.2018 Peter Burkhardt

Bei vielen Versicherern steigt der Verwaltungsaufwand von Jahr zu Jahr. Zwei Krankenkassen zeigen, dass es auch anders geht.

Die Helsana ist unter den grossen Kassen jene mit den höchsten Verwaltungsgebühren. Bild: Keystone © Bereitgestellt von Tamedia AG Die Helsana ist unter den grossen Kassen jene mit den höchsten Verwaltungsgebühren. Bild: Keystone

Wer seine Grundversicherung bei der Helsana abgeschlossen hat, zahlt im Schnitt 258 Franken an deren Bürokratie. Damit leistet sich die Helsana die teuerste Verwaltung der zehn grössten Krankenkassen. Zum Vergleich: Bei der Branchenführerin CSS sind es 124 Franken.

Solch grosse Unterschiede seien «erklärungsbedürftig», findet Preisüberwacher Stefan Meierhans. «Glücklicherweise können jedoch die Versicherten den Wettbewerb zwischen den Kassen spielen lassen.»

Bei der Helsana jedenfalls wird es von Jahr zu Jahr teurer. 2015 lagen die Verwaltungskosten noch bei 201 Franken, 2016 waren es bereits 219 Franken. Der Verwaltungskostenanteil stieg in den vergangenen drei Jahren von 4,5 auf 5,4 Prozent. Nur einige sehr kleine Kassen wie Ingenbohl, Klug oder Kolping und die mittelgrosse EGK haben noch höhere Verwaltungskosten pro Versicherten.

«Grosse Kassen schöpfen Digitalisierung nicht aus»

Doch nicht nur bei der Helsana, sondern auch bei anderen grossen Kassen sind die Verwaltungskosten gestiegen, darunter bei der Sanitas, der Visana, der Swica und der KPT. Insgesamt nahmen die Verwaltungskosten pro Grundversicherten im vergangenen Jahr um 8 auf 171 Franken zu. Dabei müssten sie sinken, weil die Zahl der Versicherten zunimmt.

Dass ausgerechnet bei den grossen Kassen die Verwaltungskosten steigen, sei eigenartig, sagt Krankenkassenexperte Felix Schneuwly vom Vergleichsdienst Comparis. «Die grössten Kassen müssten einen deutlichen Kostenvorteil haben. Offenbar schöpfen sie die Möglichkeiten der Digitalisierung noch nicht durchgehend aus.» Sparmöglichkeiten sieht Schneuwly bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs, der Rechnungskontrolle und der Analyse der Leistungsdaten. «Da liegt noch extrem viel drin», sagt er.

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Bei der Swica erwidert man, die Digitalisierung führe nicht nur zu Effizienzsteigerungen, sondern auch zu Mehrkosten. Etwa, weil es einfacher geworden sei, die Rechnungen einzureichen. Früher hätten viele Prämienzahler die Papierrechnungen gesammelt und Ende Jahr in einem Schub eingereicht. Nun gebe es viel häufiger Rechnungseingänge. Zudem führten die strengeren Vorgaben von Gesetzgeber und Aufsichtsbehörde zu einer Kostensteigerung.

Die Helsana begründet dies damit, dass sie in die Ablösung der Informatiksysteme und in die Kundenbetreuung investiert habe.

Die Helsana wehrt sich ebenfalls gegen den Vorwurf, sie schöpfe ihren Grössenvorteil und die Chancen der Digitalisierung nicht aus. «Wir nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung schon heute vielfältig», sagt Sprecher Stefan Heini. Nur noch 3 Prozent der mehr als 16 Millionen Rechnungen pro Jahr würden manuell erfasst. Auch sei die Helsana führend bei der Datenanalyse und der Betrugsbekämpfung mit digitalen Hilfsmitteln.

Doch warum ist dann in den vergangenen drei Jahren der Verwaltungsaufwand gestiegen? Die Helsana begründet dies damit, dass sie in die Ablösung der Informatiksysteme und in die Kundenbetreuung investiert habe. Das kann jedoch den grossen Kostenunterschied zu anderen Versicherungen nicht erklären. Schliesslich investieren auch sie laufend in ihr Geschäft.

«Wir können nicht nur mit dem Finger auf die anderen zeigen»

Dass man die Kosten in den Griff kriegen kann, zeigen die CSS und die Groupe Mutuel. Sie haben es in den letzten fünf Jahren geschafft, ihren Verwaltungskostenanteil deutlich zu senken. «Wir haben uns eine rigide Verwaltungskostenkur verordnet», sagt CSS-Chefin Philomena Colatrella.

Sie drosselte die Zahl der Mitarbeiter, obwohl die Versichertenzahl stieg. Sie kürzte die Budgets für Werbung und Sponsoring. Und sie investierte in die Automatisierung der Leistungsabrechnungen und Betreibungen. Dadurch kann das höhere Rechnungsvolumen mit einem leicht tieferen Personalbestand bewältigt werden.

Noch bei den Volksabstimmungen zur Einführung einer Einheitskrankenkasse hatten die Versicherer argumentiert, ihre Verwaltungskosten betrügen nur 5 Prozent. Den Sparhebel müsse man demzufolge nicht bei ihnen, sondern bei den 95 Prozent Leistungskosten der Spitäler, Ärzte, Apotheker, Heime und Pharmahersteller ansetzen.

Doch damit machten es sich die Krankenkassen zu einfach, findet Felix Schneuwly von Comparis. «Sie können nicht nur mit dem Finger auf die anderen zeigen, sondern müssen auch bei sich haushälterisch mit dem Geld umgehen. Für die Prämienzahler zählt jedes Prozent Einsparung – egal, wo es erzielt wird.»

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