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Studie zum Welthandel: Bits und Bytes statt Container – Daten werden zum wichtigsten Handelsgut

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 24.02.2019 Riecke, Torsten
Daten werden im Welthandel wichtiger, Güter verlieren an Bedeutung. © Photographer's Choice/Getty Images Daten werden im Welthandel wichtiger, Güter verlieren an Bedeutung.

Die Globalisierung verändert sich: Durch die Digitalisierung werden Datenströme wichtiger. Der Streit um Strafzölle auf Güter ist deshalb laut einer Studie ein Handelsstreit von gestern.

Die Welthandelsorganisation WTO spürt jedes Jahr die wichtigsten Trends im globalen Handel auf. Angesichts von Strafzöllen und drohenden Handelskriegen würde man erwarten, dass der wachsende Protektionismus die WTO-Agenda bestimmt.

Umso überraschender ist es, dass die Genfer Organisation in ihrem jüngsten Jahresbericht einen ganz anderen Trend ausgemacht hat: Bits und Bytes statt Container heißt die neue Kurzformel für den globalen Austausch von Gütern und Dienstleistungen. Statt Vor- und Fertigprodukte rund um den Globus mühsam und kostspielig zu verschieben, werden Daten zum wichtigsten Handelsgut.

„Die Globalisierung im 21. Jahrhundert wird zunehmend durch Daten- und Informationsflüsse bestimmt“, schrieb das McKinsey Global Institut (MGI), weltweit agierende Denkfabrik der gleichnamigen Unternehmensberatung, schon vor zwei Jahren. Jetzt hat das MGI mit einer neuen Studie (Globalization in Transition: The Future of Trade and Value Chains) nachgelegt und untersucht, wie die Digitalisierung des Welthandels auch die globalen Lieferketten multinationaler Konzerne verändert.

Das Ergebnis deckt sich mit den Beobachtungen der WTO: „Globale Lieferketten werden durch grenzüberschreitende Datenströme und neue Technologien wie digitale Plattformen, das Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz neu gestaltet“, heißt es in der MGI-Studie. Eine Folge sei, dass die Intensität im Güterhandel zurückgehe, während der Handel mit Services um 60 Prozent schneller wachse als der Warenverkehr.

Deshalb geht es im aktuellen Handelsstreit zwischen China und den USA auch nur scheinbar um Importzölle auf Textilien, Waschmaschinen und Sojabohnen. Tatsächlich steht der Technologiewettbewerb im Zentrum des Handelskrieges. Nicht zufällig hat US-Präsident Donald Trump gerade die Technologieführerschaft von den US-Firmen gefordert.

Die Politik vollzieht damit nach, was in der Wirtschaft längst Realität ist. Allein zwischen 2013 und 2015 hat sich nach Angaben des MGI der grenzüberschreitende Datenverkehr rund um den Globus auf 290 Terabits pro Sekunde fast verdoppelt.

Ein Trend, der sich in den vergangenen drei Jahren noch verstärkt hat und das Gesicht der Globalisierung dramatisch verändert. Nach Berechnungen der McKinsey-Forscher steuerten Datenströme bereits 2014 rund 2,8 Billionen Dollar zusätzlich zur globalen Wirtschaftsleistung bei.

Durch die Digitalisierung würden nicht nur die Kosten des internationalen Handels spürbar gesenkt, bestätigt die WTO, der breite Einsatz digitaler Technologien führe auch zu einem Rückgang im Handel mit digitalisierbaren Gütern. „Wurden früher mehr oder weniger fertig erstellte Investitionsgüter – also Industrieanlangen, Maschinen, Werkzeuge oder Fahrzeuge – von Deutschland in alle Weltregionen verschifft, genügt es heute, über das Internet Konstruktionsskizzen oder Baupläne zu versenden. Das Endprodukt wird dann vor Ort beim Kunden passgenau hergestellt. Der Datentransfer macht den Güterhandel überflüssig“, prophezeit der Hamburger Wirtschaftsprofessor Thomas Straubhaar.

Multinationale Konzerne wie der US-Konzern General Electric (GE) haben die Zulieferung von Bauteilen für ihre Endprodukte längst durch Datentransfer und 3D-Drucker ersetzt.GE eröffnete bereits vor drei Jahren im indischen Chakan eine hochmoderne Zukunftsfabrik, wo 3D-Drucker Kraftstoffdüsen für Flugzeugtriebwerke herstellen.

Statt jedoch die 20 Einzelteile einer solchen Kraftstoffdüse nach Indien liefern zu lassen, um sie dort zusammenzubauen, werden die Fertigungspläne digital übertragen, den Rest erledigt ein 3D-Drucker. „3D-Drucker werden in einem gewissen Maße die traditionellen Produktionsmethoden der Industrie ersetzen“, sagt die WTO voraus.

Dadurch würden die globalen Lieferketten nicht nur verkürzt, sondern veränderten auch ihr Gesicht: Statt Güter würden immer mehr Daten über die Grenzen geschickt.

Umso dringlicher ist nach Meinung der WTO eine weltweite Regulierung der digitalen Handelsströme. Dabei komme es vor allem auf globale Vereinbarungen über das geistige Eigentum und die Datensicherheit an.

Ende Januar einigten sich 76 WTO-Mitgliedsländer zunächst darauf, neue Regeln für E-Commerce auszuhandeln. Der grenzüberschreitende Online-Handel mit Gütern und Dienstleistungen zwischen Unternehmen (B2B) bewegt sich nach Angaben der UNCTAD auf die Billionenmarke zu.

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