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Swissquote: Wie die Online-Bank den Börsencrash verarbeitet

Handelszeitung-Logo Handelszeitung 20.03.2020 Michael Heim
Swissquote-Chef Marc Bürki: «Unser Robo-System war zu kompliziert.» © Salvatore Vinci Swissquote-Chef Marc Bürki: «Unser Robo-System war zu kompliziert.»

Der Börsencrash beschert der Online-Bank hohe Umsätze und neue Kunden. Weniger ­erfolgreich ist das Robo-Banking-Angebot.

Seit zwei Wochen geht es an der Börse drunter und drüber. Gute Zeiten für einen Online-Broker wie Swissquote?

Mit Blick auf die Umsätze auf jeden Fall! Die Zahl der Kontoeröffnungen ist in den letzten Tagen auf circa 5000 pro Woche ­angestiegen. Normal waren es in der Vergangenheit etwa 1000. Offenbar sind viele Anleger der Meinung, dass es gute Einstiegsmöglichkeiten gibt. Bis zum 13. März haben wir eine Million Transaktionen abgewickelt. 2019 waren es 2,8 Millionen für das ganze Jahr.

Vergangenes Jahr flossen Ihrer Bank netto 4,5 Milliarden Franken als Neugeld zu. Woher kamen diese?

Wir wachsen in allen Segmenten. 2019 kam ein grosser Teil des Geldes aus Europa dank der Übernahme der Internaxx Bank in Luxemburg. Weitere Hotspots sind Asien und der mittlere Osten. Ein starker Treiber sind White-Label-Lösungen für andere Banken, die Dienstleis­tungen bei uns einkaufen.

Was beziehen diese von Ihnen?

Das kann die ganze Transaktionskette sein, von der Handelsplattform bis zur Abwicklung und Depotstelle – wie wir das mit der Postfinance machen – oder auch nur ein Teil davon. Wir wollen das weiter ausbauen, denn gerade in Asien spüren wir sehr viel Nachfrage nach Lösungen für Banken.

Seit ein paar Wochen wirbt Swissquote mit dem Slogan «Challenge the Code». Was hat es ­damit auf sich?

Swissquote ist in seinen Genen ein Technologieunternehmen, und «Challenge the Code» heisst für uns, das zu zeigen: Wir setzen auf Technologie. Wir machen die Sachen etwas anders. Als wir anfingen, sagte man uns: Eine Bank, die nur auf Technologie basiert, wird nie funktionieren. Das war vor zwanzig Jahren. Und es hat doch funktioniert. Bei der Online-Vermögensverwaltung und dem Geschäft mit Kryptowährungen war es genau gleich. Die traditionelle Bankenwelt hinkt der ­digitalen Revolution hinterher.

Ist das eine reine Imagekampagne oder bringen Sie auch neue Produkte?

Eine Imagekampagne. Aber wir werden noch dieses Jahr auch mit neuen Produkten kommen, und da soll die Kampagne ein wenig drauf vorbereiten. Das Banking ist in Bewegung, sei das im Bereich der Neobanken, sei das im Zahlungsverkehr. Es gibt immer mehr Produkte im Robo-­Advising und in der automatisierten Finanzplanung. Da ist einiges am Kochen.

Sie setzen stark auf Robo-Banking und rechneten vor ein paar Jahren damit, Ende 2020 bereits 1 Milliarde Franken damit zu verwalten. Wo stehen Sie heute?

400 Millionen sollten bis Ende Jahr drin liegen. Wir erkannten bald, dass wir ­diese Milliarde nicht erreichen würden. Was uns nicht gerade geholfen hat, war der gute Börsenverlauf. Mit einem simplen SMI-­Zertifikat konnte man in den letzten Jahren mehr verdienen als mit ­einem intelligenten Robo, der vernünftig investiert und nicht immer volles Risiko fährt. Es ist aber sehr schwierig, jetzt bei diesen volatilen Märken eine Prognose zu machen.

Die letzten Tage waren enorm turbulent. Wie hat sich der Robo geschlagen?

Der Robo hat klar reagiert und Risiko rausgenommen, indem er Investments reduzierte und die Barbestände erhöhte.

Haben Sie nicht auch Fehler gemacht beim Design?

Natürlich mussten wir erst lernen, wie der typische Robo-Kunde tickt. Wir kannten ihn ja nicht. Und ja, wir haben auch Fehler gemacht. Unser System war zu komp­liziert, und das ändern wir jetzt. Die Komplexität soll eine Möglichkeit sein und ­keine Voraussetzung. Ich muss mich vertiefen können, aber an der Oberfläche soll das Investieren so einfach sein wie der Kauf eines Anlagefonds.

Handel, Zahlungsverkehr und Geldanlage wurden schon stark automatisiert. Wo ­sehen Sie weitere Veränderungen im ­Banking?

Im Bereich Finanzplanung gibt es noch viel Potenzial. Wenn ich meine Gesamt­situation analysieren möchte – vom Lohn über die Kinder bis zur Altersvorsorge –, dann kann ich das heute noch nicht gut auf einer digitalen Ebene. Das Vermögen eines Kunden besteht ja nicht nur aus ­Depots und Konten, sondern auch aus Liegenschaften, Autos, vielleicht Kunst. Für eine wahre Vermögensbetrachtung muss das miteinbezogen werden.

Gerade das Zusammenführen von Konten unterschiedlicher Banken ist heute – ­zumindest im Bereich der Retailkunden – eher schwierig, denn die Banken sperren sich dagegen, Datenschnittstellen zu ­öffnen. Wie gehen Sie damit um?

Wir sind auch in Luxemburg tätig, und da ist es – wie in der ganzen EU – obligatorisch, Schnittstellen anzubieten, über die sich Fintechs einloggen können. In der Schweiz gibt es das noch nicht – was Vor- und Nachteile hat.

Für Sie wäre es ein Leichtes, das auch in der Schweiz anzubieten.

Ich bin offen: Wir sind da auch nicht glorreicher als andere Banken. Man geht da so ein wenig rückwärts rein.

Wäre es nicht eine Chance, als Erster ­vorwärts reinzugehen?

Natürlich ist das ein Thema. Wir haben das zunächst einmal für Luxemburg entwickelt und schauen, wie es mit unseren Sicherheitsansprüchen korrespondiert. Letztlich muss der Kunde die Kontrolle darüber haben, wer auf seine Daten zugreift. Das Thema ist komplex, aber als Technologiebank wollen wir da auf jeden Fall dabei sein.

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